Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Kite-Surfer fordern deutlich mehr Zonen für ihren Sport entlang des Thurgauer Bodenseeufers

Der Verband der Kite-Surfer will die erlaubten Zonen für seinen Sport massiv ausdehnen. Umweltverbände winken ab. Sie empfinden diese «Extremforderung» als dreist.
Silvan Meile
Ein Kite-Surfer mit seinem Lenkdrachen gleitet über den Untersee vor Berlingen. (Bild: Reto Martin)

Ein Kite-Surfer mit seinem Lenkdrachen gleitet über den Untersee vor Berlingen. (Bild: Reto Martin)

Kite-Surfer spüren Aufwind. Ihre noch junge Sportart hat sich etabliert. An den Olympischen Spielen 2024 in Paris werden den besten Kite-Surfern erstmals Medaillen umgehängt. Dennoch kämpften sie gegen Widerstand – auch im Thurgau.

Zwar hat der Bundesrat 2015 Kite-Surfen auf den Schweizer Seen grundsätzlich erlaubt. Auf dem internationalen Gewässer Bodensee gilt die Regelung aber nicht. Entlang des Schweizer Ufers ist Kite-Surfen seit Jahren nur in speziellen Zonen bei Berlingen und Münsterlingen erlaubt.

Auch aufgrund der Erlaubnis, auf der grossen olympischen Bühne teilnehmen zu können, schöpfen die Kite-Surfer nun Hoffnung auf mehr Akzeptanz.

«Kite-Surfen sollte auch am Bodensee grundsätzlich überall erlaubt sein.»

Das sagt Daniel Rey, Vizepräsident des Kite-Surf Clubs Schweiz.

In den vergangenen Wochen flatterte Post in die Briefkästen der Seegemeinden und einiger Verbände. Der Kanton lädt sie zu einer Stellungnahme ein. Denn der Kite-Surf Club hat ein Begehren gestellt, dass ihr Sport auf deutlich mehr Abschnitten des Thurgauer Seeufers erlaubt wird. Zuständig ist das kantonale Departement für Justiz und Sicherheit. Generalsekretär Stephan Felber bestätigt, dass eine entsprechende Vernehmlassung im Gang ist. Zum Inhalt und der Haltung des Kantons will er sich aber nicht äussern.

Stephan Tobler, Gemeindepräsident Egnach. (Bild: Donato Caspari)

Stephan Tobler, Gemeindepräsident Egnach. (Bild: Donato Caspari)

Bereits abgehakt hat das der Gemeinderat in Egnach. Er «lehnt eine Erweiterung der Zone bis auf die Höhe des Gemeindegebiets von Egnach ab», schreibt er in seinem Mitteilungsblatt. Gemeindepräsident Stephan Tobler sagt: «Unsere knapp drei Kilometer Seeufer bestehen praktisch nur aus Naturschutzgebiet.» Alles sei hier mit strengen Auflagen verbunden. Deshalb wolle man diesen Wassersportlern kein grünes Licht geben.

Die Berlinger stören sich an den Autos der Kiter

Die Kite-Surfer stören sich an dieser Argumentation. «Unser Sport hat sicher keinen grösseren Einfluss auf die Umwelt als andere Wassersportarten oder sogar Motorboote», sagt Rey. Im Gegenteil: Kite-Surfen sei ökologisch.

Doch hauptsächlich Umweltverbände lehnen diese Sportler ab, die mit ihrem Lenkdrachen in der Luft und dem Brett an den Füssen über das Wasser gleiten. Das würde die Vögel aufscheuchen. Deshalb entstand der Kompromiss, dass dieser Sport ausschliesslich in Berlingen und Münsterlingen ausgeübt werden darf. Vor allem Berlingen ist dafür weitherum bekannt.

Ueli Oswald, Gemeindepräsident Berlingen. (Bild: Donato Caspari)

Ueli Oswald, Gemeindepräsident Berlingen. (Bild: Donato Caspari)

Ueli Oswald hat schon oft auf den Untersee geschaut, während die Kiter übers Wasser surfen. «Ich bin der Meinung, dass man diese Sportart erlauben sollte», sagt der Gemeindepräsident von Berlingen. Definierte Bereiche im See würden aber durchaus Sinn machen, auch wenn es auf dem Wasser kaum Probleme gebe. Diese ergeben sich eher an Land.

An einzelnen Tagen, an denen genügend Wind bläst, kämen die Kiter aus verschiedenen Regionen. Dann stören sich Berlinger daran, dass Autos entlang der Hauptstrasse abgestellt sind. Denn es gibt nicht genügend Parkplätze für Spitzentage. Weil die Kite-Surfer viel Ausrüstung mitbringen, müssen sie auch nahe am See parkieren können. Dieses Problem liesse sich wohl mit Hilfe des Kantons lösen, findet Oswald. Projektideen seien vorhanden.

Ende Januar 2020 läuft die Bewilligung aus

Weniger verständnisvoll zeigen sich die Umweltverbände. Robin Stacher, Geschäftsführer beim WWF Thurgau, spricht von einer «Extremforderung» des Schweizer Kite-Verbands. Das sei kein lösungsorientiertes Verhalten.

«Die bestehenden zwei Zonen in Berlingen und Münsterlingen sind der einzige Kompromiss, den wir akzeptieren.»

Zusammen mit den Verbänden Bird-Life und Pro Natura habe man diese Haltung dem Kanton gegenüber geäussert. Man wolle diesen Wassersport nicht verteufeln. Aber die Wildtiere am Seeufer dürften nicht noch weiterem Druck ausgesetzt werden. Es sei höchste Zeit, wenn für die Nutzung des Bodensees ein Gesamtkonzept für alle Länder ausgearbeitet werde, das auch das Kite-Surfen regle.

Die Umweltverbände empfinden das aktuelle Vorgehen des Kite-Surf Club als dreist. «Für uns ist das aber kein Grund, jetzt Gegensteuer zu geben», sagt Stacher. Die Möglichkeit bestünde. Denn die «Ausnahmebewilligung» des Kantons fürs Kiten ist jeweils nur für zwei Jahre gültig. Ende Januar 2020 läuft sie aus. Bis dahin müsste zumindest der Kompromiss wieder besiegelt werden.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.