Neues «Chellerlädeli» bei Eschlikon bietet Einkauf ohne Plastik-Verpackungen

Rita Wartenweiler hat in Hurnen einen Unverpackt- und Spezialitätenladen für Lebensmittel eröffnet. Sie nutzt ihren Keller als Lokal, kann sich aber vorstellen, das Geschäft dereinst auszubauen.

Roman Scherrer
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Rita Wartenweiler in ihrem neuen «Chellerlädeli». (Bild: Roman Scherrer)

Rita Wartenweiler in ihrem neuen «Chellerlädeli». (Bild: Roman Scherrer)

Nein, die Hipster sind nicht von Zürich nach Hurnen übergesiedelt. Vielmehr ist es ein Bewusstsein, welches auch die ländlicheren Regionen erreicht hat, ist Rita Wartenweiler überzeugt. Das Bewusstsein, dass Lebensmittel nicht unbedingt so verpackt sein müssen, wie man sie in den meisten Läden antrifft. «Man weiss mittlerweile auch, dass Plastik Stoffe beinhaltet, die nicht gesund sind», sagt Wartenweiler.

Die 28-jährige Pflegefachfrau wohnt mit ihrem Ehemann Daniel Höpli und ihren Grosseltern im Eigenheim im beschaulichen Hurnen. In einem Kellerraum hat sie hier Anfang Jahr offiziell ihren Unverpackt- und Spezialitätenladen eröffnet. Nicht zuletzt, weil sie festgestellt hatte, dass in der Region kein solches Angebot vorhanden ist. «Nach Winterthur hat es Richtung Osten nichts mehr.»

Idee entstand während Afrika-Reise

Die Idee für den Laden entstand, als Rita Wartenweiler mit ihrem Mann auf dem Velo durch Westafrika reiste. Dort sahen sie massenhaft Plastikverpackungen auf den Feldern liegen. «Wir haben hier den noch viel grösseren Plastikverbrauch.» Nur sehe man ihn halt weniger, weil er gesammelt und verbrannt wird, sagt Wartenweiler. «So denkt man schnell, dass Plastik bei uns kein Problem ist. Aber bei den Ressourcen könnte man viel sparen.»

Auf der Reise hat Rita Wartenweiler zudem lokal erzeugte Lebensmittel schätzen gelernt:

«Man erhält einen ganz anderen Bezug zum Essen, wenn man sieht, wie es produziert wird.»

Deshalb setzt sie vor allem auf regionale Produkte, welche sie möglichst direkt von Bauernhöfen bezieht. «Da ich selbst auf einem Hof aufgewachsen bin, ist es mir wichtig, dass die Bauern einen fairen Preis erhalten», erklärt Wartenweiler.

Das Sortiment im «Chellerlädeli», wie sie es auch nennt, bietet jetzt schon einiges; unter anderem verschiedene Flocken und Körner. Aber auch Trockenfrüchte, Teigwaren, Quinoa oder Linsen. Diverse Brotaufstriche und Liköre hat Rita Wartenweiler selbst gemacht. «Die Früchte dazu habe ich von Bauern erhalten, die zu viele hatten», erklärt sie.

Schokolade aus Afrika

Zwischen den regionalen und lokalen Produkten sticht eine ganze Reihe mit Schokoladentafeln heraus, die laut der Aufschrift aus Afrika kommt. Wartenweiler hat sie ebenfalls auf der Reise entdeckt. «Die Schokolade wird in Afrika veredelt. So erhalten die Leute dort das Geld, welches sie gut gebrauchen können.» Bei der Produktwahl habe sie auch darauf geschaut, was sie und ihr Ehemann gerne haben, erklärt Wartenweiler und ergänzt lachend:

«Wenn das hier in die Hose geht, müssen wir es selber essen.»
Eine Tafel am Strassenrand verweist auf den Laden. (Bild:PD)

Eine Tafel am Strassenrand verweist auf den Laden. (Bild:PD)

Bisher beschränkt sich der Laden in Hurnen hauptsächlich auf zwei Holzregale. Rita Wartenweiler kann sich aber gut vorstellen, dass das Geschäft dereinst grösser wird und in einem eigenen Ladenlokal Platz findet. «Hier, im eigenen Haus habe ich halt das Risiko der Fixkosten nicht.» Sollte der Laden grösser werden, ist Wartenweiler auf Mitarbeiter angewiesen. «Alleine würde ich das nicht machen. Der Laden müsste ja an fünf oder sechs Tagen die Woche geöffnet sein.» Derzeit erhält sie Unterstützung von ihrem Mann.

Besucher sind neugierig

Einen kleinen Kundenstamm hat sie sich bereits erarbeitet. Die Rückmeldungen seien sehr positiv. «Einige Leute kommen auch, um vorbeizuschauen, weil sie sich fragen: Wie funktioniert das eigentlich ohne Verpackung?» Ganz ohne geht es aber noch nicht, sagt die junge Verkäuferin. «Bei trockener Ware und solcher, die ich direkt von Bauernhöfen beziehen kann, ist es am ehesten möglich.» Wer beim Unverpackt- und Spezialitätenladen in Hurnen einkauft, nimmt am besten selber Behälter für die Nahrungsmittel mit. Und wer keine hat, dem kann Rita Wartenweiler mit einer Ausleihe weiterhelfen.

Immer dienstags ist der Laden geöffnet. «Man kann sich aber für andere Tage telefonisch anmelden oder einfach klingeln. Es ist meistens jemand zu Hause.» Ab Anfang April bis Mitte Mai ist das «Chellerlädeli» jedoch geschlossen. Rita Wartenweiler und ihr Mann gehen nämlich wieder auf Reisen. Natürlich mit dem Velo.

«Chellerlädeli», Hurnen 13, Eschlikon Öffnungszeiten: Dienstag 10–19 Uhr,
oder auf Voranmeldung: 079 379 50 85

Mit Twint im Hoflädeli bezahlen

Andrea Knöpfel bietet in ihrem Hoflädeli in Oberbussnang die Zahlungsmöglichkeit per Twint an. Damit gehört sie zu den ersten im Thurgau, denn das Angebot gibt es erst seit Anfang Jahr.
Sabrina Bächi