Sie programmieren ihr Spielzeug selber – PH Thurgau und IHK bieten Schülern neues Lernmaterial zum Tüfteln

5.Klässler aus Steckborn haben in einer Projektwoche gelernt zu programmieren. Das Ziel: Tüftlergeist wecken und so dem Fachkräftemangel begegnen.

Larissa Flammer
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Diese beiden 5.Klässler steuern mit dem selber programmierten Microcontroller ein Modellauto.

Diese beiden 5.Klässler steuern mit dem selber programmierten Microcontroller ein Modellauto.

Bild: Reto Martin

Programmieren ist für viele Erwachsene ein unbekanntes Feld. Heute lernen Kinder das in der Schule. Diese Woche haben sich die 5.Klässler in Steckborn damit beschäftigt.

Ermöglicht hat die Projektwoche die Pädagogische Hochschule Thurgau (PHTG). Sie liefert Kisten mit Material, eine Infoveranstaltung für die Lehrpersonen sowie – falls von der Schule gebucht – eine Einführung für die ganze Klasse. «NaTech digital» heisst das Projekt und verbindet die Fächer Natur+Technik und Medien+Informatik.

Alex Bürgisser.

Alex Bürgisser.

Reto Martin

In Steckborn hat Alex Bürgisser, Lehrbeauftragter für Medien und Informatik an der PHTG, das Projekt begleitet. Er war hauptsächlich für die Entwicklung der Materialkisten verantwortlich und sagt:

«Der neue Lehrplan fordert diese Themen.»

Am Freitag zeigten die Schüler, was sie gemacht und gelernt haben. Medienschaffende durften zuschauen, Fragen stellen und fotografieren, jedoch dürfen die Schüler nicht mit Namen genannt werden. Unsere Zeitung verwendet deshalb erfundene Namen.

Durch Programme kann Minicomputer Calliope alles mögliche tun 

Max und Levin haben ein Modellauto mit dem Microcontroller Calliope versehen. Calliope ist ein Prozessor, also ein Minicomputer, der mit verschiedenen Sensoren, Lämpchen, einem Lautsprecher und einem Mikrofon ausgestattet ist. Und der sich programmieren lässt. Die beiden 11-Jährigen drücken auf dem einen Prozessor die Knöpfe A und B. Das Signal wird auf den anderen Prozessor auf dem Auto übertragen, der die beiden Räder antreibt.

Diesen Minicomputer Calliope können Schüler programmieren.

Diesen Minicomputer Calliope können Schüler programmieren.

Bild: Reto Martin

Die Anweisungen, wie Calliope auf verschiedene Inputs reagieren soll, schreiben die Schüler mit einem Computerprogramm und übertragen es mittels Kabel auf den Prozessor. Levin sagt: «Zu Beginn war das Programmieren schwierig.» Max ergänzt:

«Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, aber zuerst mussten wir die Grundlagen lernen.»

Eigentlich wollen die beiden am liebsten Lokführer beziehungsweise Sportler werden. Aber das Gelernte in der Projektwoche fasziniert sie. Und Max bemerkt: «Künftig müssen Lokführer sicher auch mehr mit Computern arbeiten.»

IHK Thurgau will so Mangel an Fachkräften begegnen

Dass die Schüler früh für Technik-Themen begeistert werden, ist das Ziel des Projekts, sagt Tiziana Ferigutti, stellvertretende Direktorin der Industrie- und Handelskammer (IHK) Thurgau: «Es herrscht ein grosser Mangel an Fachkräften im Kanton.» Die IHK hat das Projekt anlässlich ihres 150-Jahr-Jubiläums mitentwickelt und unterstützt es finanziell.

Tüfteln und erfinden; das steht für die Schüler im Zentrum. Zuerst lernen sie die Grundlagen der Elektrik kennen, dann müssen sie mit Calliope Aufgaben lösen. Die weiteren Projekte können sie sich aussuchen. Der Prozessor kann zu einer Alarmanlage werden, die auf Licht reagiert, er kann einen Ventilator ab einer bestimmten Temperatur einschalten oder es können Spiele gebastelt werden.

Das haben die 11-jährige Laura und ihre Freundinnen gemacht: Vor ihnen stehen selbstgebastelte Versionen des Spiels «heisser Draht». Ein Metallstab muss so einem gewundenen Draht entlang geführt werden, dass sich die beiden Stücke möglichst nie berühren – sonst schlägt Calliope Alarm.

Die drei Mädchen haben das Spiel «heisser Draht» gebastelt. Berühren sie mit dem Griff den Draht, schlägt Calliope Alarm.

Die drei Mädchen haben das Spiel «heisser Draht» gebastelt. Berühren sie mit dem Griff den Draht, schlägt Calliope Alarm.

Bild: Reto Martin

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