Sie lenken Amors Pfeile: Im «Silver Ox» in Wagenhausen entwickeln Michael Hörnlimann und Laura Matter eine Dating-App

Sie sind die ersten Teilnehmer der «100 Days Challenge»: Michael Hörnlimann und Laura Matter aus Zürich wollen die Zeit im Mehrgenerationen-Projekt am Rhein nutzen, um Leute beim Verkuppeln zu unterstützen.

Rahel Haag
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Die Entwickler der Dating-App Michael Hörnlimann und Laura Matter in ihrem Büro im «Silver Ox» in Wagenhausen.

Die Entwickler der Dating-App Michael Hörnlimann und Laura Matter in ihrem Büro im «Silver Ox» in Wagenhausen.

(Bild: Andrea Stalder)

«Heutige Dating-Apps sind viel zu oberflächlich», sagt Laura Matter. Die 20-Jährige sitzt mit Michael Hörnlimann im ehemaligen Gasthaus Ochsen in Wagenhausen. Wo einst Essen serviert wurde, haben die beiden für die nächsten 100 Tage ihr Büro eingerichtet. Sie sind die Ersten, die am Mehrgenerationenprojekt «Silver Ox» teilnehmen. Ihr Ziel: die Entwicklung einer unkonventionellen Dating-App.

Im «Ochsen» profitieren die Jungen vom Wissen der Alten

Im Rahmen der Totalsanierung des «Ochsen» in Wagenhausen strebte die Besitzerin Eveline Herzer eine Nutzung an, die der Vereinsamung im Alter entgegenwirkt, gemeinschaftliches Wohnen fördert und unternehmerischen Personen die Möglichkeit bietet, ihr Wissen sowie ihre Erfahrung an die nächste Generation weiterzugeben. Das Mehrgenerationenprojekt ermöglicht es einem jungen Team, 100 Tage lang kostenlos die Wohnung und den Arbeitsraum im «Ochsen» zu nutzen, um dort ein Projekt voranzutreiben. Hierbei wird das Team von den sogenannten «Silvers», Vertretern der älteren Generation, die in den sechs Mietwohnungen im «Ochsen» leben, unterstützt. Die erste «100 Day Challenge» wird von der Thurgauer Kantonalbank mitfinanziert. (red)

www.silverox.ch

Ein Foto, Vorname, Alter und wenige Angaben zur Person. Mehr gibt es auf vielen Dating-Apps, die ihren Nutzern das Kennenlernen neuer Leute vereinfachen sollen, meist nicht zu sehen. Wer Interesse hat, wischt nach rechts, wer keines hat, wischt nach links. Haben beide Seiten nach rechts gewischt, gibt es einen sogenannten «Match», sprich einen Treffer, und die beiden Personen können sich mittels Chat besser kennen lernen. Viele Apps basierten auf diesem Prinzip, sagt Matter. Der Fokus liegt klar auf dem Optischen. Und so habe sie sich gefragt:

«Wo soll das hinführen?»

Er hat selber schlechte Erfahrungen gemacht

Ein Blick in die Wohnung.

Ein Blick in die Wohnung.

(Bild: Andrea Stalder)

Der Gedanke hat die Marketing- und Social-Media-Managerin nicht mehr losgelassen. «Ich begann, ein Konzept auszuarbeiten und stiess gleichzeitig auf ‹Silver Ox›», sagt sie. Die Möglichkeit, der Entwicklung dieser Idee mehr Raum zu geben. Also habe sie sich beworben. «Die Jury fand meine Idee cool, wollte aber, dass ich mir Verstärkung suche.» So kam Michael Hörnlimann ins Spiel. Der 29-Jährige hatte Matters Aufruf auf Social Media entdeckt und war direkt Feuer und Flamme für die Idee. Ein Grund dafür: Der selbstständige Webdesigner hat selber schlechte Erfahrungen mit Dating-Apps gemacht.

«Selbst wenn es zu einem ‹Match› kommt, heisst das noch lange nichts.»
Ein Blick in die Wohnung.

Ein Blick in die Wohnung.

(Bild: Andrea Stalder)

Das sagt er. Ihm sei es regelmässig passiert, dass nach der ersten Nachricht vom Gegenüber nichts zurückgekommen sei. «Obwohl meine Nachrichten jeweils sachlich und sympathisch waren.» Seiner Meinung nach hat das unter anderem mit der grossen Anzahl an «Matches» zu tun. «Wir wollen den Fokus auf Qualität statt Quantität legen.» Matter nickt. Soll heissen: Nicht die Optik, sondern eher Dinge wie gemeinsame Interessen sollen am Ende zu einem «Match» führen.

Ein Blick in die Wohnung.

Ein Blick in die Wohnung.

(Bild: Andrea Stalder)

Wie die App im Detail funktionieren soll, steht aber noch nicht fest. «Wir haben viele Ideen», sagt Matter. Bis am 8.Februar 2021 bleibt ihnen Zeit, einen vollwertigen Prototypen der App zu erstellen. Dann endet ihre Zeit im «Silver Ox». Vorab mussten die beiden einen Wetteinsatz nennen: Sollten sie ihr Ziel nicht erreichen, müssen sie für jeden Tag im «Silver Ox» eine halbe Stunde Sozialarbeit für das Rote Kreuz und dessen Seniorenprogramm leisten.

Mittels Abstimmung über den Namen entschieden

Eine wichtige Rolle während der Entwicklung der App spielt für Matter und Hörnlimann das Feedback von aussen.

«Wir wollen mit den Menschen interagieren.»
Ein Blick in die Wohnung.

Ein Blick in die Wohnung.

(Bild: Andrea Stalder)

Das sagt Matter. «Ihre Bedürfnisse abholen», ergänzt Hörnlimann. Der Austausch soll in erster Linie über Social Media erfolgen. Unter anderem lancierten die beiden bereits eine Abstimmung, in der über den Namen der Dating-App entschieden werden sollte. Sechs Vorschläge standen zur Auswahl, insgesamt haben 220 Menschen ihre Simme abgegeben. Der Gewinner steht zwar bereits fest, soll aber vorerst noch geheim bleiben. Nur so viel: «Calambre» wird es nicht werden. Der Ausdruck ist spanisch und bedeutet Muskelkrampf. «Ich weiss gar nicht mehr, wie wir darauf gekommen sind», sagt Matter.

Übrigens: Sind die beiden eigentlich Singles? Beide schütteln den Kopf. Und haben sie ihr Glück mittels Dating-App gefunden? Wieder Kopfschütteln.