Sie gefällt nicht nur Blattläusen: Die alte Linde vor dem Sirnacher «Löwen» steht unter Schutz

Die markante Linde auf dem Sirnacher Kirchplatz ist jetzt ein geschütztes Naturobjekt.

Olaf Kühne
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Die altehrwürdige Linde steht vor dem 140-jährigen «Löwen» und schmückt den Sirnacher Kirchplatz.

Die altehrwürdige Linde steht vor dem 140-jährigen «Löwen» und schmückt den Sirnacher Kirchplatz.

(Bild: Olaf Kühne)

Poetisch eingeleitete Medienmitteilungen liest man nicht alltäglich. Weil aber Bäume per se ein emotionales Thema sind – und alte, markante Bäume an prominenten Lagen insbesondere – liess sich der Sirnacher Gemeinderat hinreissen, seine Meldung über die Unterschutzstellung der alten Linde auf dem Kirchplatz mit einem Zitat aus Elmar Woelms Buch «Mythologie, Bedeutung und Wesen unserer Bäume» zu beginnen: «Jeder Ort hatte früher seine Dorflinde. In ihrer Symbolik fördert diese die friedliche Geselligkeit und die Liebe. Der Platz mit der Dorflinde war das Zentrum der Kommunikation, oft unmittelbar an der Kirche gelegen, wo man sich allwöchentlich nach dem Gottesdienst traf.»

Nun sind die Zeiten, in denen sich am Sonntagmorgen das ganze Dorf in die Kirche bemühte, zwar längst vorbei. Doch in Sirnach steht vis-à-vis der katholischen Kirche, vor dem Restaurant Löwen, nach wie vor die imposante Linde. Und sie denkt nicht daran, mit Wachsen aufzuhören.

Die Linde überragt den «Löwen». Ihre Blätter verstopfen deshalb zuweilen die Dachrinne.

Die Linde überragt den «Löwen». Ihre Blätter verstopfen deshalb zuweilen die Dachrinne.

(Bild: Olaf Kühne)

Selbst für Verdruss mag sie zu sorgen. Schreibt doch der Gemeinderat weiter: «Doch wer kennt nicht den durch Blattläuse ausgestossenen klebrigen Honigtau auf der Windschutzscheibe oder auf dem Velosattel seines unter dem Baum abgestellten Fahrzeugs.» Dies beschere dem «Löwen» einen hohen Reinigungsaufwand am Mobiliar der Dachwirtschaft. Das Wachstum der Baumwurzeln verursache zudem Schäden an den Kellerwänden der ebenfalls altehrwürdigen, 140-jährigen Liegenschaft.

Restaurantbesitzer wandte sich an Gemeinde

«Löwen»-Besitzer Jimmy Koreli wandte sich an die Gemeinde. Indes nicht, um den Baum loszuwerden. Im Gegenteil. Man war sich schnell einig, dass die Linde gar geschützt gehört. Gestützt auf das kantonale Gesetz zum Schutz und zur Pflege der Natur und der Heimat erliess der Sirnacher Gemeinderat eine sogenannte Schutzverfügung, wodurch der Baum nun zum geschützten Naturobjekt geadelt wurde.

Kurt Baumann Gemeindepräsident Sirnach

Kurt Baumann
Gemeindepräsident Sirnach

(Bild: Donato Caspari)

Für Kurt Baumann ist damit die sprichwörtliche Win-win-Situation entstanden. «Alte Bäume sind nicht nur schön», sagt der Sirnacher Gemeindepräsident. «Sie sind auch wichtig für das Klima im Siedlungsgebiet und für die Artenvielfalt.» Der fragliche Baum bilde zudem eine Reihe mit den beiden anderen Linden vor dem Gemeindehaus. Und schliesslich profitiert auch der «Löwen»-Wirt: Weil die Linde geschützt ist, kommt künftig die Gemeinde für die Baumpflege auf.