Sich in Hopfen und Malz verloren

Brauer der neusten Generation erklären in Frauenfeld, was man mit der Selbstbeschränkung auf das Reinheitsgebot verpasst. Sie würzen das Bier auch mal mit Rosmarin, Süssholz oder Wacholder oder mit Äpfeln oder Quitten.

Christof Lampart
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Lagerbier ist nicht das einzige Bier.

Lagerbier ist nicht das einzige Bier.

Bild: Severin Bigler

Frauenfeld hat eine lange Tradition als Brauereiort. Schon 1830 baute Adolf Rumpus die Gerberei in der Vorstadt zur Brauerei Zum Sternen um, woraus die Actienbrauerei Frauenfeld AG entstand. Auch 185 Jahre danach ist in Frauenfeld eine überaus lebendige Bierkultur präsent. Nämlich eine «Bierlandschaft», die reich an Craftbieren ist. Sie werden von vielen Mikrobrauereien – sie nennen sich unter anderem Thurtalbräu, Turi Bier oder Brauerei Bischoff – ebenso liebevoll wie kenntnisreich gebraut.

Da verwunderte es nicht, dass der erste Teil der «Biergarten»-Reihe, zu dem das Naturmuseum und das Archäologische Museum des Kantons Thurgau in den eigenen archäobotanischen Garten einluden, im Nu ausgebucht war. Zwei Dutzend Personen versammelten sich dort, um sich von Thomas und Matthias Bischoff von der Brauerei Bischoff im Rahmen eines Gartenrundgangs erklären zu lassen, was es alles für ein schmackhaftes Bier braucht.

Rosmarin und Süssholz

Klar: Wasser, Gerstenmalz, Hopfen und Hefe gehören in ein Bier. Aber für das experimentierfreudige Brüderpaar steht fest, dass es durchaus noch mehr sein darf, was Eingang ins Braurezept findet: Gewürze wie Rosmarin, Süssholz oder Wacholder, Früchte wie Äpfel oder Quitten. Das bayerische – und somit auch deutsche – Reinheitsgebot aus dem Jahr 1516 sei zwar historisch wichtig gewesen, um die Bevölkerung davor zu bewahren, dass sie mit Tollkirsche oder Bilsenkraut versetztes, giftiges Bier trank.

Doch aus heutiger Sicht sei das Festhalten am Reinheitsgebot «vor allem ein Marketinggag». Vielmehr wüssten viele deutsche Bierbrauer und -geniesser gar nicht, was ihnen durch diese Selbstbeschränkung entginge: «Es gibt so viel mehr an Geschmäckern, die es sich lohnt, auszuprobieren», erklärt einer der Bischoff-Brüder, welche sich bei den Kommentaren fliegend abwechselten.

Obergärige Biere mit Geschmack

Doch bevor es an die Feinheiten der Geschmacksrichtungen ging, war das Vermitteln von Basiswissen angesagt. So erfuhren alle, was genau Gerste, Weizen, Hopfen und Hefe im Sud anrichten, auf was beim Ansetzen desselben und durch den ganzen Brauprozess hindurch beachtet werden muss. Das machte den Vortrag phasenweise zwar etwas technisch, verdeutlichte aber zugleich, wie komplex der Brauprozess ist.

Die Bischoffs brauen obergärige Biere. Zum einen, weil sich das Wasser in Frauenfeld für ihren bevorzugten Braustil, die englischen Ales, hervorragend eignet. Zum anderen auch, weil obergärige Hefen es den Brauern erlauben, «dass wir geschmacklich unserer Kreativität freien Lauf lassen». Untergärige Gersten- säfte–beispielsweise die bekannten Lagerbiere – seien, so Thomas Bischoff, «weit weniger komplex».

Im Laufe des Rundgangs erfuhren die Gäste, dass «Weizen für eine gute Schaumstabilität sorgt», Hafer das Stout «geschmacklich abrundet», Hopfenpellets man wegen der Bitterkeit «besser nicht in den Mund» nehmen sollte, und dass – «last, but not least», das Eigenbräu der Bischoffs, ein IPA, das am Ende verkostet wurde, «eine schöne Bittere aufweist», wie ein Gast fachsimpelnd anmerkte. Es war dies ein gelungener Auftakt zur «Biergarten»-Reihe, die am 15. August (Schaubrauen, zwei Stunden) und am 17. September (Degustation, eine Stunde) fortgesetzt werden wird.