An der Listennummern-Auslosung für die Frauenfelder Gemeinderatswahlen: Shaqiri, die «2» auf dem Rücken, aber kein Schampus

Die Nummern der zehn Listen für die Gemeinderatswahlen von Ende März sind bekannt. Die Nummer 1 hat die SP zugelost bekommen, die Nummer 10 geht an die erstmals antretende Frauenfelder Jungpartei.

Mathias Frei
Drucken
Teilen
Nach Auslosung der Nummer 10 für die FJP: Glücksfee Katja Zürcher und Stadtschreiber Ralph Limoncelli. (Bilder: Reto Martin)

Nach Auslosung der Nummer 10 für die FJP: Glücksfee Katja Zürcher und Stadtschreiber Ralph Limoncelli. (Bilder: Reto Martin)

Die Stadt der bekanntlich kurzen Wege ist auch die Stadt der kurzen Auslosungen. Keine zehn Minuten dauert am Donnerstagvormittag die Auslosung der Listennummern für die Frauenfelder Gemeinderatswahlen von Ende März. Wohl deshalb reicht die Zeit auch nicht, um Schampus auszuschenken – oder wenigstens einen chlöpfigen Apfelschaumwein. Das drückt den Glamour-Faktor verständlicherweise ein wenig. Aber das Sitzungszimmer Friedheim im Frauenfelder Rathaus ist ja auch nicht die Kreml-Konzerthalle in Moskau, wo mit viel Pomp die Gruppen für die Fussball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland ausgelost wurden.

Zumindest ist bei der Auslosung in Frauenfeld alles mit rechten Dingen zu- und hergegangen. Stadtschreiber Ralph Limoncelli hätte die Ziehung notfalls sogar beglaubigen können, dazu wäre er von Amtes wegen befugt.

Die Lose zieht eine Kauffrau in Ausbildung

Als Glücksfee an diesem Donnerstagvormittag amtet die 16-jährige Katja Zürcher, bei der Stadtverwaltung Kauffrau in Ausbildung im ersten Lehrjahr. Ob sie dann wirklich Glück bringe, müssten die Parteienvertreter nach der Auslosung sagen.

Alle vier Jahre meistens im Januar kommt es zu diesem Event. Parteienvertreter kommen zusammen, man hat es glatt. Denn der Wahlkampf läuft ja noch nicht. Sobald die erste Partei gezogen, fallen – Achtung, in Deckung! – auch schon die ersten Kalauer. Eigentlich spielen die Listennummern keine grosse Rolle, nur bei den Grafikern der Parteien sind zweistellige Listennummern unbeliebt.

Bei der Auslosung.

Bei der Auslosung.

Heuer ereilt dieses Schicksal nur eine Liste, nämlich die Kleingruppierung Frauenfelder Jungpartei (FJP) mit der Nummer 10. Denn verglichen mit den Wahlen 2015 sind dieses Jahr nur zehn Listen gemeldet. 2015 waren es elf. Nebst den üblichen Frauenfelder Verdächtigen waren damals die Liste «Parteilos» am Start sowie «Menschen für Frauenfeld» (MproF) – mit der Nummer 1. Beide fehlen nun vier Jahre später, dafür tritt heuer die FJP an.

CH-Präsident Landert geht schnell wieder

CH-Präsident Charles Landert nimmt Platz und meint: «Wenn wir die Nummer 1 bekommen, geh’ ich grad wieder.» Er macht dann nach der Auslosung auch zackig rechtsumkehrt, obwohl «Chrampfe & Hirne» erst an siebter Stelle gezogen wird. «Wie die Anzahl Gemeinderatsmandate von euch», kommentiert Stadtschreiber Limoncelli. Da reibt sich EVP-Präsident Stefan Eggimann die Hände und meint:

«Gut, sind wir noch nicht ausgelost worden.»

Die Evangelische Volkspartei wird an neunter Stelle gezogen. Ein Omen für bald neun EVP-Sitze im Gemeinderat?

Bei der Auslosung.

Bei der Auslosung.

Für Shaqiri braucht es CVP und FDP

Die Sportlichen diskutieren derweil über Shaqiris Rückennummer in der Fussballnati, die Nummer 23. CVP und FDP müssten sich dafür zusammentun. Sie landen bei den Listennummern 2 und 3. SVP-Präsident Elliker feilt schon während der Auslosung Präsidiumskollege Beda Stähelin von der CVP an:

«Diesmal habt ihr die ‹2› auf dem Rücken.»

FDP-Präsident Roman Pulfer wirft ein, wenigstens sei die FDP noch auf dem Podest, dank Listennummer 3. Ellikers Partei bekommt die Nummer 4. Vor vier Jahren war es die eben belächelte «2». Trotzdem: «Unser Werber ist zufrieden», meint der SVP-Präsident. Die Nummer 1 schnappen die Sozis den Bürgerlichen weg. «Nehmen wir», meint SP-Gemeinderat Ralf Frei. 2015 waren SP (10) und EVP (11) zweistellig. Obwohl es ja keine Rolle spiele, meint Frei, die Wahlslogans seien getextet. Nun müsse der Grafiker nur noch die Zahl auf den Plakaten einfügen. Andreas Schelling von der GLP kommt mit der «6» zurecht.

«Interessant, dass die vier Bundesratsparteien die ersten vier Nummern bekommen haben.»

Dass aber alles sauber gelaufen ist, beweist Stadtschreiber Limoncelli, als er am Schluss das leere Holzkistli zeigt. Es ist leer. Kein elftes Los. Nichts.

MproF ist die Nummer eins

Am 26. April können die Frauenfelder Stimmbürger aus elf Listen ihre Favoriten für den Gemeinderat auswählen. An der gestrigen Auslosung der Listennummern erhält MproF die Nummer eins. Ein Thema ist auch die Liste «Parteilos».
Markus Zahnd