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Sexuelle Handlung oder
ein normaler Badeplausch?

Ein Saisonnier soll ein achtjähriges Mädchen unsittlich berührt haben. Die Staatsanwaltschaft fordert eine Verurteilung. Die Vorinstanz sah keinen Gesetzesverstoss.
Silvan Meile
Das Obergericht des Kantons Thurgau in Frauenfeld. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Das Obergericht des Kantons Thurgau in Frauenfeld. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Die Kinder juchzen, während sie durch die Luft fliegen. Ein junger Mann, damals 25 Jahre alt, gibt sich mit ihnen ab. Es ist ein heisser Sommertag in der Meitlibadi Eschenz. Als Erntehelfer ist der gebürtige Rumäne in den Thurgau gekommen. Deutsch spricht er nicht, die Kinder sieht er zum ersten Mal. Er hebt das achtjährige Mädchen und auch ihren sechsjährigen Bruder mehrmals hoch, wirft sie zurück ins Wasser. Gelächter. Doch heute hat niemand mehr Freude am damaligen Badeplausch.

Der Mann sitzt vor den Richtern am Obergericht. Eine Dolmetscherin übersetzt ihm die Fragen des Obergerichtspräsidenten. Sexuelle Handlungen mit einem Kind, lautet die Anklage. Nach dem Tag in der Badi erzählt das Mädchen seiner Grossmutter, der Mann habe sie dreimal geküsst. Einmal habe sie dabei seine Zunge an ihren Lippen gespürt. Und der Mann habe ihr zwischen die Beine gegriffen, um sie hochzuheben. Später kam noch der Vorwurf auf, er Beschuldigte habe seine Finger gegen den Genitalbereich des Mädchens gedrückt, obwohl es dies in der Befragung durch eine Polizistin zweimal explizit verneinte, wie den Gerichtsakten zu entnehmen ist.

Die Staatsanwaltschaft zog das Urteil weiter

«Was hat die Zunge eines 25-jährigen Mannes an den Lippen einer Achtjährigen zu suchen?» Für die junge Staatsanwältin ist klar: Ein Zungenkuss sei nur am Widerstand des Mädchens gescheitert. Und dann noch das Betasten des Genitalbereichs. Das sei als sexuelle Handlung mit einem Kind einzustufen. «So etwas kann von der Gesellschaft nicht akzeptiert werden.» Dabei sei es irrelevant, ob die Handlung absichtlich geschah. Die Staatsanwaltschaft fordert eine Geldstrafe von 8400 Franken und eine Busse von 1680 Franken. Falls der Erntehelfer das nicht bezahlen kann, drohen ihm 17 Tage Freiheitsstrafe. 2400 Franken verdient er pro Monat gemäss seinem Anwalt.

Für diesen ist nicht nur die Bestrafung seines in «bescheidenen finanziellen Verhältnissen» lebenden Mandanten unverhältnismässig. Für ihn ist sein Verhalten allenfalls unangebracht, wahrscheinlich geschmacklos, aber nicht kriminell. Die Küsse seien auf eine spielerische Weise geschehen. Und die Berührung im Genitalbereich bestreite der Beschuldigte genauso konsequent ab, wie bei den Küssen seine Zunge benutzt zuhaben. Die Kinder habe er an den Hüften gehalten, als er sie hochhob. Eine Frau, die er für die Mutter hielt, habe er gar noch gefragt, ob es für sie ok sei. Der Anwalt äusserte auch sein Unverständnis, dass man sich in diesem Fall überhaupt vor Obergericht treffen müsse, «nach einem klaren Freispruch mit schlüssiger Begründung» der Erstinstanz. Doch die Staatsanwaltschaft hatte die Sicht der Vorinstanz nicht geteilt und zog das Urteil weiter.

«Vollkommen unangebracht und widerwärtig»

Das Bezirksgericht Kreuzlingen wertete die damaligen Ereignisse – sie liegen mittlerweile bereits drei Jahre zurück – «im Zweifel» zu Gunsten des Angeklagten und somit nicht als sexuelle Handlung. Das Hochheben sei in einem spielerischen Kontext passiert. Die Küsse erachtete das Bezirksgericht als «vollkommen unangebracht und widerwärtig, allerdings liegen diese Handlungen im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtssprechung noch nicht im Bereich der angeklagten strafbaren Handlung». Das Thurgauer Obergericht fällt am Montag noch kein Urteil. Ein solches folgt schriftlich.

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