Sex mit 15-Jähriger: Bezirksgericht Weinfelden spricht Reitlehrer wegen fehlender Beweise frei

Ein 43-jähriger Reitlehrer soll mindestens ein Jahr lang eine sexuelle Beziehung mit einer damals 15-jährigen Reitschülerin gehabt haben. Die Richter fanden keine Beweise mehr, dass die Frau bei den sexuellen Kontakten erst 15 Jahre alt war. Die Anzeige erfolgte erst Jahre nach den Vorfällen.

Ida Sandl
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Im obersten Stock des Weinfelder Rathauses tagt das Bezirksgericht.

Im obersten Stock des Weinfelder Rathauses tagt das Bezirksgericht.

Bild: PD

Im Zweifel für den Angeklagten: Das Bezirksgericht Weinfelden sprach am Dienstag einen 43-jährigen Reitlehrer frei. Ihm wurden mehrfache sexuelle Handlungen mit Kindern vorgeworfen. Mindestens ein Jahr lang soll er eine sexuelle Beziehung mit einer damals 15-jährigen Reitschülerin gehabt haben.

Die Sache liegt neun bis zehn Jahre zurück. Die Richter fanden keine Beweise mehr, dass die Frau zum Zeitpunkt des Sexualverkehrs erst 15 Jahre alt war. Ihre Aussagen zur zeitlichen Abfolge seien widersprüchlich und es gebe mehr Hinweise, dass sie damals bereits 16 Jahre und damit nicht mehr im Schutzalter war.

Der Ex-Verlobte wurde misstrauisch

Der Fall wurde erst jetzt verhandelt, weil die Anzeige erst 2018 eingereicht wurde. Nicht von der jungen Frau, sondern von ihrem Ex-Verlobten. Der war skeptisch, da sie beim Sex häufig Probleme hatte. «Gewisse Sachen konnte ich nicht machen», sagt die Frau vor Gericht. Der Ex-Verlobte hakte nach und erfuhr, was sie bis dahin noch niemandem erzählt hatte.

Sie trägt einen Pulli mit aufgemalten Engelsflügeln

Inzwischen ist sie 23 Jahre alt, ein zartes Wesen. Sie trägt einen Pulli mit aufgedruckten Engelsflügeln. Bei der Befragung vor Gericht bricht sie immer wieder in Tränen aus, spricht leise und stockend. Der Reitlehrer habe gesagt «Chumm mit» und da sei sie mit gegangen in seine Wohnung. Es kam zum Oral- und Geschlechtsverkehr.

Gewalt habe er nicht angewendet. Er habe lediglich erklärt, sie solle schweigen, da er sonst in Gefängnis müsse. Sie habe sich nicht getraut, sich zu wehren. Etwa einmal im Monat hätten sie Sex gehabt, entweder in seiner Wohnung oder im Pferdewohnanhänger.

Der Beschuldigte bestreitet die Vorwürfe. Er habe zu dieser Zeit zwar Beziehungen zu Reitschülerinnen gehabt, unter anderem auch zur Mutter der jungen Frau. Seine Geliebten seien aber immer volljährig gewesen. Warum er angeschuldigt werde, könne er nur vermuten. Vielleicht habe sich die junge Frau gegenüber den anderen Mädchen brüsten wollen. Der Beschuldigte sagt vor Gericht:

«Die Sache ist für mich mehr als peinlich.»

Der Mann ist mittlerweile verheiratet, er hat eine feste Arbeitsstelle und ist nicht vorbestraft. Seine Frau halte zu ihm.

Für die Staatsanwältin ist die junge Frau absolut glaubwürdig. Sie habe nie versucht, den Beschuldigten anzuschwärzen. Der Reitlehrer dagegen sei bei der Befragung oft ausgewichen oder habe gar nichts gesagt. Die Staatsanwältin beantragt 16 Monate bedingt, bei einer Probezeit von zwei Jahren. Der Beschuldigte soll die Verfahrenskosten von 3490 Franken tragen.

Die junge Frau tritt auch als Zivilklägerin auf. Ihre Anwältin fordert eine Genugtuung von 30'000 Franken. Sie wertet die Taten schwerer als die Staatsanwältin, eventuell lägen auch sexuelle Nötigung und Vergewaltigung vor.

Verteidiger: Hätte es diese Beziehung tatsächlich gegeben,
wäre sie wohl schwanger geworden

Sein Mandant sei unschuldig, behauptet dagegen der Verteidiger. Hätte es diese Beziehung tatsächlich gegeben, hätte die Frau nach so langer Zeit ungeschützten Geschlechtsverkehrs wohl schwanger werden müssen.

Es sei nicht so, dass die Aussagen der jungen Frau nicht glaubhaft wären. Das stellt Claudia Spring, die Vizepräsidentin des Bezirksgerichts Weinfelden, bei der Urteilsverkündung klar.

«Das Gericht ist der Meinung, dass es zwischen dem Beschuldigten und der Zivilklägerin sexuelle Kontakte
gegeben hat.»

Erhebliche Zweifel gebe es aber, was die Zeit betrifft. Zum ersten Geschlechtsverkehr soll es bei einem Turnier im Ausland gekommen sein. Doch die einzigen Beweise an der Teilnahme der jungen Frau an einem solchen Turnier stammen aus der Zeit nach ihrem 16. Geburtstag.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.