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Satte Beats, schnelle Pferde und flinke Modellflieger: Die Allmend Frauenfeld bietet ihnen allen Platz

Das Open Air Frauenfeld oder das Swiss Derby: Die Allmend Frauenfeld bietet international bekannten Veranstaltungen Platz. Ausserdem gehen auf dem Gelände unter anderen Modellflieger und Hundeführer ihrem Hobby nach – und das alles in einem Naturschutzgebiet. Da lassen Herausforderungen nicht auf sich warten.

Janine Bollhalder
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Blick aus der Drohnenperspektive auf einen Teil der Allmend Frauenfeld.

Blick aus der Drohnenperspektive auf einen Teil der Allmend Frauenfeld.

Bild: Andrea Stalder (19.02.2021)

Frauenfeld gilt als «Stadt der Eidgenössischen Feste». Beispiele dafür sind Grossanlässe wie etwa das Eidgenössische Turnfest 2007 oder das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest 2010 auf dem Gelände der Grossen Allmend. Oder da wäre noch das jährlich stattfindende Open Air Frauenfeld mit täglich bis zu 50'000 Besucherinnen und Besuchern aus aller Welt. In erster Linie ist das Gelände der Allmend aber ein Waffenplatz. Und soll in diesem Zusammenhang künftig häufiger genutzt werde. Aktuell wird der militärische Standort der Kaserne Auenfeld ausgebaut.

Die Allmend bietet aber nebst Soldaten und Hip-Hop-Fans auch Tieren und Pflanzen ein Zuhause. Sie ist ein Naturschutzgebiet, in dem viele Interessen aufeinandertreffen und manchmal auch kollidieren. So auch mit den Interessen von Privatpersonen und Vereinen. Darüber berichten Daniel Schöpfer und Oliver Felix in ihrem Kapitel der 70. Ausgabe der Thurgauischen Naturforschenden Gesellschaft. Ein Buch zu Ehren des 100-jährigen Bestehens der Allmend Frauenfeld.

Sommerserie – Teil 5

Die Lokalredaktion Frauenfeld widmet sich in einer achtteiligen Serie dem 100-jährigen Bestehen des Naturschutzgebiets Allmend in Frauenfeld. Die bisherigen Teile haben sich um Biodiversität, Wasserwirtschaft oder auch die militärische NNutzung gedreht. Im nächste Teil der Serie geht es um die Säugetiere auf der Grossen Allmend. (sko/jab)

Hornussergesellschaft Frauenfeld

Der älteste Verein, der in der Allmend aktiv ist, blickt auf über 100 Jahre des Bestehens zurück. Es ist die Hornussergesellschaft Frauenfeld. 1908 gegründet, trainierten die Mitglieder erst auf der Kleinen Allmend, bevor 1956 der Wechsel auf die Grosse Allmend erfolgte. 1972 baute der Verein eine Hütte. Die Hornussergesellschaft ist der einzige Nutzer der Allmend, mit dem es bislang zu keinem Zusammenstoss kam.

Modellflieger auf der Allmend Frauenfeld.

Modellflieger auf der Allmend Frauenfeld.

Bild: Nana Do Carmo (19.05.2012)

Modellflugverein Frauenfeld

Anders mit dem Modellflugverein Frauenfeld, der 1934 gegründet wurde. Vor fünf Jahren wurde der Flugraum eingeschränkt, da eine Vergrösserung des Naturschutzgebietes erfolgte. Der Zusammenstoss mit den Vorschriften geschah jedoch aufgrund der vorgegebenen Flughöhe von 150 Metern über dem Schutzgebiet. Reservataufseher bemerkten, dass schnelle Modell-Düsenjets unter diesem Abstand über das Gelände fegten. Das Gespräch wurde gesucht und eine Lösung gefunden: Die Mindestflughöhe ist nun vor Ort in einem Schaukasten ersichtlich und online auf der Website vermerkt. Seit diesem Zeitpunkt starten und landen die Modellflugzeuge etwas steiler auf der Hartbelagpiste, die vor rund 40 Jahren gebaut wurde.

Kynologischer Verein Frauenfeld

Nur wenig jünger als der Modellflugverein ist der Kynologische Verein Frauenfelds. Er wurde 1936 als Lokalsektion der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft gegründet und hat zum Ziel, die Ausbildung von Hundeführenden und Hunden zu fördern. Grobe Zusammenstösse mit den Naturschutzverordnungen gab es nicht, Probleme konnten bislang immer unkompliziert gelöst werden. Die Mehrzahl der Vereinsmitglieder hält sich an die vorgeschriebene Leinenpflicht und übt so für andere Hundehalter eine Vorbildfunktion aus.

Bei Hundeführen ist die Allmend Frauenfeld beliebt. Hier eine Hundebesitzerin beim Nordostschweizer Hundewettkampf.

Bei Hundeführen ist die Allmend Frauenfeld beliebt. Hier eine Hundebesitzerin beim Nordostschweizer Hundewettkampf.

Bild: Reto Martin (20.10.2013)

Schweizerischer Schäferhunde-Club Unterthurgau

Anfang der 1960er-Jahre formierte sich eine kleine Gruppe von Schäferhundhaltern zum Schweizerischen Schäferhunde-Club Ortsgruppe Unterthurgau zusammen. Vor fast einem Vierteljahrhundert wurde das Clublokal eingeweiht und kurz darauf die erste Hauptzuchtschau durchgeführt. Das Naturschutzgebiet Allmend Frauenfeld hat der Club allerdings auch für die Disziplin «Fährtenlesen» genutzt. Das wurde jedoch verboten, noch vor Inkraftsetzung der neuen Benutzungsordnung im Jahr 2016.

Pferderennen in Frauenfeld sind international bekannt.

Pferderennen in Frauenfeld sind international bekannt.

Bild: Reto Martin (21.05.2018)

Pferdezentrum Frauenfeld

Bekannt ist die Allmend nebst dem Open Air für Pferdesportveranstaltungen im internationalen Rahmen. Zu den bekanntesten Anlässen zählt das Swiss Derby, das jährlich rund 10'000 Besucher anlockt. Das Pferdezentrum Frauenfeld vereint drei Vereine: den Reitverein, den Rennverein und den Reitbahnverein Frauenfeld. Bis vor drei Jahren wurde auf dem Gelände der Allmend einmal jährlich ein Militarywettbewerb, also ein Geländeritt, veranstaltet. Mit der Einführung der neuen Benutzungsordnung und der Ausdehnung des Naturschutzgebietes wurden die festen Hindernisse zurückgebaut. So hat das Military einen Streckenteil verloren.

Spazieren, die ersten Fahrversuche oder das Ausüben von Hobbys. Die Allmend bietet allen Aktivitäten Platz. Nutzungspriorität geniesst allerdings nach wie vor das Militär. Vor dem landwirtschaftlichen Pachtbetrieb und den Aktivitäten von Vereinen oder Veranstaltungen. Die Vereine vor Ort stehen in regem Austausch mit der Grundeigentümerin, der Armasuisse Immobilien. Im Naturschutzgebiet patrouillieren regelmässig Ranger, um die Einhaltung der Vorschriften zu kontrollieren.

Der US-Rapper G-Eazy am Open Air Frauenfeld in der Abendstimmung.

Der US-Rapper G-Eazy am Open Air Frauenfeld in der Abendstimmung.

Bild: Andrea Stalder (12.07.2019)

Doch eine, unabhängig von örtlichen Vereinen, spezielle Herausforderung für die Allmend sind die Besucherzahlen bei Grossanlässen wie etwa dem Open Air. Für grössere Anlässe wie diesen gibt es sogar Handbücher. So konnten gewisse Probleme, wie etwa das Baden in der Thur, gelöst werden. Aus Sicht des Naturschutzgebietes problematisch bleibt jedoch der Lärm über mehrere Tage. Als Wiedergutmachung dafür pflanzt der Organisator des Open Airs nach jeder Durchführung fünf Eichen. So soll auf symbolische Art und Weise der Natur etwas zurückgegeben werden.

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