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«Fusion wäre eine mögliche Lösung» – Fredy Meier, Präsident des Quartiervereins Ergaten-Talbach, tritt von seinem Amt zurück

Keine einfache Zeit für den Frauenfelder Quartierverein: Das Virus verunmöglicht jegliche Aktivitäten, und der Präsident tritt zurück. Ein Nachfolger ist nicht in Sicht. Fredy Meier regt an, über die generelle Zukunft der Quartiervereine nachzudenken, und stellt die Idee eines Zusammenschlusses in den Raum.

Janine Bollhalder
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Fredy Meier, Präsident des Quartiervereins Ergaten-Talbach, mit seinem Hund Churchill bei der Bruder-Klaus-Kapelle.

Fredy Meier, Präsident des Quartiervereins Ergaten-Talbach, mit seinem Hund Churchill bei der Bruder-Klaus-Kapelle.

Bild: Andrea Stalder

Es ist keine lustige Lage, in der sich der Vorstand des Quartiervereins Ergaten-Talbach befindet. Und das liegt nicht nur an der Pandemie. «Wir finden keinen Nachfolger für mein Amt», sagt Vereinspräsident Fredy Meier, der auf die nächste Jahresversammlung zurücktreten will. Geplant war diese für Ende April, ist jedoch coronabedingt auf den 3. September verschoben. Meier hofft, dass die Durchführung dann klappt, denn er würde seinen Rücktritt gerne noch physisch bekannt machen.

Fredy Meier, Präsident Quartierverein Ergaten-Talbach.

Fredy Meier, Präsident Quartierverein Ergaten-Talbach.

Bild: Andrea Stalder

Vereinsaktivitäten hat es schon seit geraumer Zeit keine mehr gegeben. Aus bekannten Gründen. Ergaten-Talbach geht es dabei wie vielen anderen auch: Das Vereinsleben steht still. «Ein wortwörtlicher Lichtblick waren die Adventsfenster, welche wir im Quartier gestaltet haben», sagt Meier. Doch bis im Spätsommer sind alle weiteren Anlässe abgesagt. Das reduziert zwar den organisatorischen und finanziellen Aufwand, zieht allerdings auch keine neuen Mitglieder an.

«Wir fragen uns inzwischen, ob es einen Quartierverein überhaupt noch braucht.»

Damit äussert Meier einen Gedanken des Vorstands. Neue Mitglieder zu akquirieren, sei schwierig. Wegen der Pandemie, aber auch weil das bestehende Angebot bereits riesig ist. Ein Rückblick: «Früher gab es den Quartierverein sowie den Turn- und Gesangsverein.» Dabei sehe Meier grosses Potenzial im Quartier. Es gibt viel Bautätigkeit. Speziell im Bereich der Walzmühlestrasse stünden diverse Projekte in der Planungsphase, weiss der Vereinspräsident. Das Quartier werde in den kommenden Jahren massiv zulegen.

Übergangslösung für das Amt des Quartiervereinspräsidenten

Mit den Neuzuzügern steigt die Hoffnung auf neue Vereinsmitglieder. «Wir haben in der vergangenen Zeit mehrere junge Familien im Verein empfangen dürfen und somit eine gewisse Verjüngung erreicht, sie jedoch nicht für die Arbeit im Vorstand gewinnen können», sagt Meier. Die Arbeit im Vorstand plus die Verantwortung für Kinder ist für viele unvorstellbar. So stagniert die Mitgliederzahl trotz der Neuzugänge. Jüngere Mitglieder ersetzen, zahlenmässig gesehen, oftmals die älteren, welche den Verein zu einem gewissen Zeitpunkt endgültig verlassen. Einzel-, Familien- und Kollektivmitgliedschaften summiert, rechnet Meier mit ungefähr 1000 Personen, die der Quartierverein zählt.

Und trotz dieser Anzahl Vereinsmitglieder ist ein Nachfolger für das Amt des Präsidenten nicht in Sicht. Meier sagt:

«Ich kann mir vorstellen, dass eine Übergangslösung gefunden werden muss.»

Er vermutet, dass die Arbeit des Präsidenten unter den Vorstandsmitgliedern aufgeteilt werden muss. Und er hofft auf den Sommer, auf eine Besserung der epidemiologischen Lage sowie die Möglichkeit, Aktivitäten durchzuführen. «Besonders mit dem traditionellen Quartierplausch haben wir Neumitglieder ansprechen können.»

Quartiervereinspräsident Fredy Meier und Hund Churchill.

Quartiervereinspräsident Fredy Meier und Hund Churchill.

Bild: Andrea Stalder

Meier ist seit zehn Jahren im Vorstand, seit 2014 als Präsident aktiv. Seine Zeit im Amt hat der Fachspezialist der SBB-Betriebszentrale Ost genossen – auch wenn man in dieser Position zeitlich durchaus eingespannt sei. «Ich habe viele Kontakte knüpfen und einige Anliegen bearbeiten sowie umsetzen können. Etwa Massnahmen zur Verkehrsberuhigung.» Er möchte diese Arbeit nun an jemand Neues weitergeben, der frische Inputs bringt.

Mit Meiers Rücktritt steht für den Verein prioritär an, ein neues Präsidium zu suchen. Aber auch verkehrstechnische Punkte sollen diskutiert werden. «Ich hoffe, dass das Quartier noch weitere sicherere Wege für den Langsamverkehr bekommt», sagt Meier. Er selbst sei fast täglich auf den Velowegen unterwegs. Und auch das weitere Bestehen der Quartiervereine soll auf lange Frist überdacht werden – gemeinsam mit den Präsidien der anderen Frauenfelder Quartiervereinen. Meier sagt: «Da wir nicht die Einzigen sind, die mit der Anzahl Mitglieder kämpfen, könnte ich mir als Lösung vorstellen, dass die Vereine fusionieren.»