Serie
«Es ist selbstverständlich, dass man den anderen hilft» – Der Dorfverein Gerlikon blickt mit einem Jahresprogramm 2021 optimistisch in die Zukunft

Noch vor der Pandemie hat der Dorfverein Gerlikon eine Zukunftswerkstatt abgehalten. Die Themen: Verkehr, Begegnungsort, «Mitenand fürenand». Das hat im Laufe der Coronakrise geholfen.

Janine Bollhalder
Drucken
Teilen
Quartiervereinspräsident Daniel Vontobel und im Hintergrund das frisch renovierte Milchhüsli.

Quartiervereinspräsident Daniel Vontobel und im Hintergrund das frisch renovierte Milchhüsli.

Bild: Andrea Stalder

«Das Wichtigste vorab: Wir sind kein Quartier-, sondern ein Dorfverein», sagt Daniel Vontobel, seit zwei Jahren Vereinspräsident in Gerlikon. Es ist noch ein junger Verein, nächstes Jahr winkt das 25-jährige Bestehen. Der Verein umfasst rund 120 Haushalte. Vontobel ist seit rund zehn Jahren dabei, acht davon war er Vizepräsident.

Noch vor dem Ausbruch der Pandemie erörterten die Gerliker im Rahmen einer Zukunftswerkstatt verschiedene Themen – etwa den künftigen Begegnungsort des Vereins. «Wir haben unseren bisherigen Treffpunkt, das Milchhüsli, renoviert», sagt Vontobel. Es wurde neu ein Mittagstisch eingeführt sowie der langjährige «Zischtigskafi» weitergeführt – die Möglichkeit, sich zu einem Kaffee zu treffen. «Das Angebot wird primär von älteren Leuten genutzt.» Ausserdem wurde eine Arbeitsgruppe namens «Mitenand fürenand» gegründet. «Freiwillige, die helfen wollen, und Leute, die Unterstützung benötigen, können sich auf diese Weise finden», erklärt Vontobel.

Daniel Vontobel, Quartiervereinspräsident.

Daniel Vontobel, Quartiervereinspräsident.

Bild: Andrea Stalder

Und dann kam die Pandemie. Der Dorfverein hat just noch das traditionelle Waldfondue abhalten können, bevor das Leben schweizweit den Atem anhielt. «Das Projekt ‹Mitenand füreinand› hat zu diesem Zeitpunkt schon gut funktioniert und kam wie gerufen», sagt Vontobel. Bis zu 17 Freiwillige wurden koordiniert, um fünf Personen zu helfen, die um Unterstützung baten. Das sei eine geringe Anzahl Hilfesuchende, meint der Vereinspräsident. Doch er ist überzeugt: «Das liegt daran, dass wir in einem Dorf leben und uns untereinander kennen. Es ist geradezu selbstverständlich, dass man den anderen hilft. Dafür hat es grundsätzlich kein zusätzliches System benötigt.»

Vergangenes Jahr auf gewisse Weise gemeinsam beendet

Aufgrund der ersten Massnahmenlockerungen war es Mitte Jahr möglich, die Besichtigung der Schreinerei Fehlmann in Müllheim unter einem Schutzkonzept durchzuführen. Dann wurden die Massnahmen aber wieder strenger, und Jassabend, Räbeliechtliumzug sowie das Kerzenziehen wurden abgesagt. «Aufs Jahresende haben wir dann aber die Adventsfenster gestalten und besuchen können – natürlich ohne Apéro», erzählt Vontobel. Es habe gutgetan, die Bekannten wieder einmal zu sehen. Sei es auch nur auf der Strasse und mit Abstand.

«Das Jahr so zu beenden, war schön.»

Trotz unsicherer Coronalage hat der Dorfverein inzwischen ein Jahresprogramm 2021 aufgestellt. «Wir haben darauf geachtet, Aktivitäten zu planen, die draussen und unter Einhaltung der Schutzmassnahmen durchgeführt werden können.» Trotzdem haben die ersten Termine bereits abgesagt werden müssen. Die Jahresversammlung, welche gewöhnlich in der lokalen Kapelle stattfindet, wird schriftlich durchgeführt. Bedauern von Seiten der Vereinsmitglieder sei geäussert worden, aber auch grosses Verständnis. «Alle freuen sich, wenn sich die Situation verbessert und wir die Anlässe wieder durchführen können», sagt Vontobel.

Mit diesem Optimismus wird auch bald der Jahreskalender für das Milchhüsli veröffentlicht. Unter anderem mit dem «Zischtigskafi», dem Mittagstisch sowie einer Vollmond- und Feierabendbar. Vontobel sagt:

«Natürlich ist das alles noch provisorisch. Wir sehen dann fortlaufend, was wir durchführen können.»

Mit Sicherheit weiter behandelt wird in Gerlikon das Thema Verkehr. Der Durchgangsverkehr sowie die Anbindung an den öffentlichen Verkehr sind dabei sehr wichtige Themen. «Die Schüler fahren derzeit mit dem Postauto zur Schule», sagt Vontobel. Keine immer glückliche Lösung, denn oftmals gebe es Verspätung, und der Anschluss zur Zugsverbindung ab Frauenfeld ist nicht optimal geregelt. «Wir würden es begrüssen, mit einem Stadtbus besser an den öffentlichen Verkehr angeschlossen zu sein.» Eine Zeitlang habe es die Möglichkeit gegeben, mit einem E-Trottinett nach Gerlikon zu fahren. Gemäss Vontobel sei dieses Angebot genutzt worden – wie fleissig jedoch, werde sich erst zeigen. Er sagt: «Derzeit laufen Auswertungen des Projekts.»

Mehr Informationen unter: www.gerlikon.ch

Aktuelle Nachrichten