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«Das Langdorf bleibt das Langdorf» – doch der Quartierverein sucht einen neuen Präsidenten

Nachdem der Vorstand verjüngt wurde, tritt der amtierende Präsident Jürg Riedener zurück. Er blickt auf eine Sammlung schöner Erinnerungen während seiner Zeit im Verein zurück. Doch aktuell gilt: Es muss eine Möglichkeit gefunden werden, den sozialen Kontakt wieder aufleben zu lassen.

Janine Bollhalder
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Jürg Riedener, Präsident des Quartiervereins Langdorf, und Ferdy Meile, verantwortlich für die Veranstaltung von Anlässen, beim Guggenhürli.

Jürg Riedener, Präsident des Quartiervereins Langdorf, und Ferdy Meile, verantwortlich für die Veranstaltung von Anlässen, beim Guggenhürli.

Bilder: Donato Caspari

Der Langdorfer Mäntig, er fehlt. Der Stammtisch an jedem ersten Montagabend im Monat entfällt – wegen Corona. Und damit auch die Möglichkeit, sich im Verein auszutauschen, darüber zu sprechen, wo der Schuh drückt. «Am Stammtisch sind Themen wie beispielsweise der Verkehr und die Einkaufsmöglichkeiten besprochen worden», sagt Vorstandsmitglied Ferdy Meile. Ihm, der für die Veranstaltung von Anlässen zuständig ist, fehlt dieser Austausch sehr. Doch wie alle ähnlichen Vorhaben fällt auch der Stammtisch derzeit der Pandemie zum Opfer.

Ferdy Meile, im Verein zuständig für die Veranstaltung von Anlässen.

Ferdy Meile, im Verein zuständig für die Veranstaltung von Anlässen.

«Das Vereinsleben ist lahmgelegt», sagt Meile frustriert. Abgesehen von der Vorstandssitzung, die unter Schutzmassnahmen durchgeführt wird. «Wir müssen einen Weg finden, wie wir den sozialen Kontakt unter den Vereinsmitgliedern aufrechterhalten können.» Ein Blick auf die Website zeigt: Jegliche geplanten Aktivitäten bis Ende Mai sind vorläufig abgesagt – und dies schon seit einem Jahr. Meile ist jedoch optimistisch, dass das Jahresprogramm bald wieder aufgenommen werden kann, sagt aber auch:

«Wir müssen uns an die Regeln halten. Und auch aufgrund unserer Altersstruktur wäre es unvernünftig, wenn wir einfach einen Anlass durchziehen würden.»

Der Vorstand habe die Mitglieder auch aufgefordert, sich bei Bedarf um ihre Nachbarn zu kümmern. «Gerade am 28. Mai, dem Tag der Nachbarn», erzählt Meile.

Der Quartierverein Langdorf hat im vergangenen Jahr sein 100-jähriges Bestehen feiern können. Im Januar, noch kurz vor der Pandemie. Der Verein zählt rund 450 Einzel- und 90 Kollektivmitglieder. Dazu zählen sowohl jüngere als auch ältere Personen. «Wir haben den Vorstand erfolgreich verjüngt», sagt Meile. Der Verein will auch weiterhin junge Leute einbinden, denn diese wiederum bringen wieder gleichalterige Mitglieder in den Verein. Diese Mund-zu-Mund-Propaganda ist, wie der Stammtisch, ein erprobtes Mittel, um neue Mitglieder zu gewinnen. Dabei unterstützend wirken sollen auch Inhalte in den sozialen Netzwerken sowie die neu gestaltete Website.

Quartierzeitung für alle Haushalte

Die Langdorfer Zitig, die viermal im Jahr erscheint, bietet Bewohnern des Quartiers die Möglichkeit, Einblick in das Vereinsleben zu erhalten. Sie wird von Vereinsmitglied Alois Schwager zusammengestellt, in Absprache mit dem Vorstand. «Wir berichten auf diese Weise darüber, was im Quartier und in der Schule läuft», sagt Meile. Die Zeitung wird in sämtliche Haushalte gestreut, um auch Nichtmitglieder auf den Verein aufmerksam zu machen.

Meile ist sich sicher, dass das Coronavirus das Weiterbestehen des Quartiervereins nicht gefährden kann. Wegen der elektronischen Durchführung der Generalversammlung sowie der ausgefallenen Anlässe konnten Ausgaben eingespart werden. Und Meile freut sich auf die Zeit nach der Krise: «Für den Start nach der Pandemie haben wir bereits diverse Anlässe geplant. Unsere Mitglieder sehen sich nach sozialen Kontakten.»

Ein Problem hat der Verein jedoch: Präsident Jürg Riedener tritt nächstes Jahr zurück. Meile sagt: «Obwohl wir uns im Vorstand gut aushelfen, benötigt der Verein eine gewisse Führung.»

Noch kehrt er immer wieder zurück

Quartiervereinspräsident Jürg Riedener.

Quartiervereinspräsident Jürg Riedener.

Nach fünf Jahren in Verein und zum Zeitpunkt des Rücktritts zwei Jahren als Präsident verlässt Jürg Riedener den Quartierverein Langdorf. Grund dafür ist eine neue Arbeitsstelle als Hauswart in Schaffhausen. Umgezogen ist Riedener bereits, für seine Tätigkeiten im Vorstand des Quartiervereins kehrt er aber immer wieder nach Frauenfeld zurück.

Erinnerung an seine Zeit im Quartierverein habe er nur schöne, sagt Riedener. «Der Höhepunkt war aber sicherlich das Jubiläumsfest 100 Jahre Quartierverein Langdorf. Es war eine tolle Party mit Galabuffet, Kostümen und einem Roulettetisch.»

Das Leben im Langdorf hat Riedener sehr geschätzt. «Die Bewohner sind sehr zuvorkommen und offen», sagt er. Man sei als Zuzüger schnell integriert und aufgenommen worden. Dies, auch wenn das Quartier sich über die vergangenen Jahre rasant verändert und weiterentwickelt hat. Ob das die Quartiersidentität massgebend verändert hat? Riedener sagt: «Jedes Quartier verändert sich, das ist normal.»

Das Langdorf bleibe das Langdorf – und habe ja vieles: Industrie, Gewerbe, Einfamilien- und Mehrfamilienhäuser.

Riedener vermisst den Langdorfer Mäntig ebenfalls, den Kontakt zu den anderen Vereinsmitgliedern. Doch er bleibt optimistisch: «Wir haben auf die schriftlich durchgeführte Hauptversammlung über 100 Rückmeldungen erhalten, das sehe ich sehr positiv. Es zeigt, dass die Leute noch Interesse am Verein haben.»

Mehr Informationen unter: www.quartierverein-langdorf.ch