Senioren nehmen Corona-Massnahmen zuwenig ernst: Stadträtin Elsbeth Aepli verschickt deshalb per Post einen dringlichen Aufruf in über 3000 Frauenfelder Ü-65-Haushalte

Stadträtin Elsbeth Aepli bittet Senioren mit Nachdruck, sich an die Massnahmen zur Viruseindämmung zu halten.

Mathias Frei
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Eine ältere Dame unterwegs mit dem Rollator.

Eine ältere Dame unterwegs mit dem Rollator.

(Bild: Getty)

Sie haben derzeit jede Menge zu tun: Stadträtin Elsbeth Aepli, die dem Departement für Alter und Gesundheit vorsteht, und Cornelia Trefzer, Leiterin der städtischen Kommunikationsabteilung. Das Coronavirus ist schuld daran. Am Mittwochnachmittag haben Aepli und Trefzer zwei verschiedene Schreiben an Frauenfelderinnen und Frauenfelder ab 65 Jahren respektive ab 75 Jahren vorbereitet. Am Donnerstagmorgen gingen die Briefe an über 3000 Haushalte in der Stadt mit A-Post hinaus. Am Freitag sollte das Schreiben in den Briefkasten sein.

«Wir stellen leider fest, dass die ältere Generation die Massnahmen zur Eindämmung des Coronavirus noch nicht so ernst nimmt, wie es notwendig wäre.»

Das sagt Stadträtin Aepli. «Nur wenn wir gemeinsam – Jung und Alt – die aktuellen Massnahmen umsetzen, können wir verhindern, dass der Bund noch einschneidendere Massnahmen erlässt, etwa eine Ausgangssperre.»

Krankheitsverlauf bei Älteren schwerwiegender

Stadträtin Elsbeth Aepli.

Stadträtin Elsbeth Aepli.

(Bild: Donato Caspari)

Im Brief heisst es: «Es ist unabdingbar, dass die Richtlinien des Bundesamtes für Gesundheit von allen Einwohnerinnen und Einwohnern eingehalten werden. Wir danken Ihnen, dass Sie sich an diese Empfehlungen halten!» Es sei dem Stadtrat bewusst, dass die Massnahmen die Lebensqualität einschränkten. Und weiter:

«Mit diesem Brief möchten wir nochmals daran erinnern, dass der Glaube, das Virus stelle für Sie persönlich keine Gefahr dar, falsch ist.»

Auch ist im Brief zu lesen: «Wenn Sie erkranken, ist zu befürchten, dass der Krankheitsverlauf bei Ihnen schwerwiegender ist als bei jungen Menschen.» Dies könne dazu führen, dass das Gesundheitswesen in kurzer Zeit komplett überlastet ist.

Im Brief an Personen über 65 sind verschiedene Massnahmen zu Social-Distancing aufgeführt, etwa beim Einkauf. Dagegen heisst es im Versand an Ü-75-Einwohner: «Die Empfehlung des Bundes lautet, dass ältere Personen zwar alleine oder zu zweit einen Spaziergang machen können, aber keine Einkäufe erledigen sollten. Halten Sie auch beim Spazieren Abstand zueinander (ausser Personen in einer Partnerschaft).» Man solle Nachbarn oder Bekannte für den Einkauf fragen.

«Oder rufen Sie die organisierte freiwillige Nachbarschaftshilfe unter der Telefonnummer 052'378'15'00 an.»

Aepli unterstellt Senioren keine böse Absicht

Stadtpräsident Anders Stokholm.

Stadtpräsident Anders Stokholm.

(Bild: PD)

Der Brief ist im Namen von Stadtpräsident Anders Stokholm und Stadträtin Elsbeth Aepli verfasst. Treiber dieses Versands ist Aeplis Departement. «Dieser Aufruf ist mir ein persönliches Anliegen», sagt die Stadträtin. Die Worte im Schreiben seien mit Nachdruck gewählt, das sei leider nötig. Sie unterstelle Frauenfelds Senioren in keiner Weise böswillige Absicht, wenn sich diese im öffentlichen Raum aufhalten würden. Vielmehr spielten wohl Gewohnheiten eine Rolle.

«Zuvor ist man auf dem täglichen Spaziergang auf einen Kaffee in ein Restaurant gegangen. Nun setzt man sich auf eine Bank.»

Damit sich Senioren nicht einsam fühlen

Man werde alles Mögliche aufgleisen, dass sich Frauenfelder Seniorinnen und Senioren daheim nicht einsam fühlten, verspricht die Stadträtin. Sie verweist an die Nachbarschaftshilfe (Telefonnummer 052'378'15'00).

«Die Bereitschaft von Freiwilligen für Unterstützung ist da.»

Zentral sei die städtische Fachstelle für Alters- und Generationenfragen, die ihre Öffnungszeiten ausgedehnt hat und ab sofort jeden Werktag von 8.30 bis 11.30Uhr geöffnet ist (Schalter im Rathaus).

Die Fachstelle ist zu diesen Zeiten auch unter der Telefonnummer 052'724'53'00 zu erreichen oder per E-Mail unter verena.rieser@stadtfrauenfeld.ch. Am Dienstag-, Mittwoch- und Donnerstagnachmittag besteht zudem jeweils von 14 bis 16 Uhr telefonische Erreichbarkeit.