Selbstverwaltetes Wohnen
Glatter Abschuss für den «Hirschen»: Historische Liegenschaft in Diessenhofen geht nach Intrigen und Misserfolg an eine neue Eigentümerschaft über

Die Mitglieder der Genossenschaft für selbstverwaltetes Wohnen (Gesewo) haben an ihrer ausserordentlichen Generalversammlung den Verkauf der Liegenschaft Hirschen in der Diessenhofer Altstadt klar gutgeheissen. Damit geht ein neues Kapitel auf in der langjährigen und teils unrühmlichen Geschichte des «Hirschen».

Samuel Koch
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Die historische Liegenschaft am Eingang zur Diessenhofer Altstadt.

Die historische Liegenschaft am Eingang zur Diessenhofer Altstadt.

Bild: Thomas Brack

Der Verkauf steht fest, nur die neue Eigentümerschaft noch nicht. Die Genossenschaft für selbstverwaltetes Wohnen (Gesewo) Winterthur, die seit 2007 in Besitz der Liegenschaft Hirschen in der Altstadt von Diessenhofen ist, stösst diese nun definitiv ab, nachdem die Gesewo-Mitglieder den Verkauf an einer ausserordentlichen, allerdings schriftlichen Generalversammlung beschlossen haben.

Seit Mittwochnachmittag ist das Resultat der Abstimmung bekannt, das mit 263 Ja von insgesamt 272 Stimmen eindeutig ausgefallen ist. Nötig für den Verkauf war eine Dreiviertel-Mehrheit.

Bewohnerinnen und Bewohner dürften bleiben

Der Gesewo lagen im Vorfeld der Abstimmung drei Kaufangebote vor. Das Rennen gemacht hat mit 235 Stimmen die Kirschke Immobilien AG mit Sitz in Illnau-Effretikon, heisst es in einer Mitteilung. Was passiert mit den Personen, die derzeit noch im «Hirschen» wohnen? Katharina Gander, Geschäftsführerin der Gesewo, erklärt:

«Sie dürfen bleiben, so steht es in einer Absichtserklärung, was uns als Genossenschaft auch sehr wichtig war.»

Die Kirschke AG plant das Restaurant, das aktuell als Wohnraum genutzt wird, wieder zum Leben zu erwecken. Für den betroffenen Bewohner bietet die Käuferin Alternativen im «Hirschen» oder in einer anderen ihrer Liegenschaften. Für die Kirschke AG ist die Sache allerdings mit der jetzigen Zustimmung noch nicht gegessen. Denn sobald der Kaufvertrag geschrieben und notariell beurkundet ist, läuft für die Eigentümerschaft der Nachbarliegenschaft eine dreimonatige Frist für ein Vorkaufsrecht. «Das hat man damals beim Kauf gegenseitig gewährt», sagt Gander.

Keine offenen Forderungen mehr

Über den genauen Verkaufspreis schweigt man. «Kein Kommentar», sagt Gander und spricht von einer schwarzen Null. In einem Q&A auf der Gesewo-Website vor wenigen Tagen betrug der Verkaufswert zwischen sechs und sieben Millionen Franken. Gander betont, dass A-fonds-perdu-Beiträge wie jene 290'000 Franken der Stadtgemeinde Diessenhofen zurückbezahlt wurden. «Wir haben keine offenen Forderungen», ergänzt sie.

Warum das selbstverwaltete Wohnen im «Hirschen» schliesslich scheiterte, darüber kann Gander nur mutmassen und erwähnt den Standort mit zuletzt hoher Leerstandsquote sowie das Konzept der Selbstverwaltung, das sich für diesen Standort nicht als passend erwies. Zuletzt drangen Informationen über Intrigen, Mobbing und Anfeindungen an die Öffentlichkeit. Gander sagt: «Wir haben viel versucht, in 16 anderen Gesewo-Siedlungen jedenfalls funktioniert es problemlos.»

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