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Die Fahrt mit dem Gummiboot geht an der malerischen Diessenhofer Altstadt vorbei. (Bild: Reto Martin)

Die Fahrt mit dem Gummiboot geht an der malerischen Diessenhofer Altstadt vorbei. (Bild: Reto Martin)

Reportage

Selbstversuch auf dem Rhein: Mit Gummi, Horn und Mörder

Im Sommer gehört der Hochrhein zu einem beliebten Ausflugsziel. Die Fahrt mit dem Gummiboot von Wagenhausen nach Langwiesen ist ein ständiges Abenteuer. Aber es lauern auch Gefahren.
Samuel Koch

Eines vorne weg: Wer mit dem Gummiboot den Rhein befahren will, sollte danach keine Termine haben oder noch zur Arbeit fahren müssen. Denn die Fahrt talwärts auf dem Hochrhein braucht Zeit. Sie braucht Kraft. Wer den Ritt vorbei an Brückenpfeilern, Wiffen und Kursschiffen auf sich nimmt, braucht Willen und Opferbereitschaft. Die Belohnung winkt unterwegs mit idyllischen Plätzen direkt am Wasser, die sonst nur mit Trekkingkleidung und Kletterausrüstung erreichbar wären.

Ohne Gummiboot mit Paddeln geht nichts. Der «Seahawk 3» hat Platz für zwei Personen. (Bild: Samuel Koch)

Ohne Gummiboot mit Paddeln geht nichts. Der «Seahawk 3» hat Platz für zwei Personen. (Bild: Samuel Koch)

Vorbereitung ist das halbe Abenteuer. Dieses Sprichwort bewahrheitet sich auch bei der bevorstehenden Bootstour. Wer am Zielort ankommt und nicht vorausgedacht hat, der steht bei gleissender Hitze mit Gummiboot, Paddel und Schwimmweste da und weiss nicht, wie er wieder nach Hause kommt. Bevor also in schweisstreibender Arbeit das grün-gelbe Gummiboot namens «Seahawk 3» mühselig aufgepumpt wird, lohnen sich Gedanken und logistische Abklärungen für den Heimweg.

Wenn Kapitäne Kapitäne herausfordern

Achtung, Sprung ins Boot. Fertig, Hände an die Paddel. Und los: Die Strömung – derzeit wegen des hohen Wasserstandes stärker als gewohnt – treibt das Boot vom Start in Stein am Rhein vorbei am Camping Wagenhausen in Richtung Hemishofer Brücken. Im Gegensatz zur Strassenbrücke dient die ehemalige Eisenbahnbrücke von 1875 heute nur noch touristischen Zwecken.

Die zwei Brücken (Auto und Eisenbahn) über den Rhein verbinden Wagenhausen und Hemishofen. (Bild: Samuel Koch)

Die zwei Brücken (Auto und Eisenbahn) über den Rhein verbinden Wagenhausen und Hemishofen. (Bild: Samuel Koch)

Zwischen den Brückenpfeilern hindurch schlägelt sich ein Kursschiff der Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh). Das Gummiboot bleibt bewusst in Ufernähe, um das ohrenbetäubende Signal zu vermeiden, wenn der Kapitän das Schiffshorn betätigt.

Kursschiffe der Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh) verkehren auf dem Hochrhein. (Bild: Samuel Koch

Kursschiffe der Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh) verkehren auf dem Hochrhein. (Bild: Samuel Koch

Gerade an Wochenenden gleichen die Fahrten der Kursschiffe mit unzähligen Gummibooten einem regelrechten Tanz auf Eiern. Deshalb warnen die Seepolizeikorps der Kantone Thurgau und Schaffhausen regelmässig vor der Annäherung der Kursschiffe. Genügend Abstand empfiehlt die Polizei auch bei den Seefahrtszeichen, den sogenannten Wiffen, die heimtückische Hindernisse wie Steine oder Sandbänke kennzeichnen und schon mehrfach für Unglücke mit tödlichen Folgen verantwortlich waren.

Die wohl bekannteste Wiffe unter den 83 zwischen Konstanz und Schaffhausen steht unterhalb der Hemishofer Brücken und trägt den Namen Mörder. Die Bezeichnung geht zurück ins frühe 19. Jahrhundert. Elf Personen, darunter acht Kinder, liessen hier bei einem Schiffsunglück ihr Leben.

Das Seefahrtszeichen, eine sogenannte Wiffe, mit der Nummer 50 trägt den Namen Mörder. (Bild: Samuel Koch)

Das Seefahrtszeichen, eine sogenannte Wiffe, mit der Nummer 50 trägt den Namen Mörder. (Bild: Samuel Koch)

Das Gummiboot treibt weiter talwärts. Wegen der steigenden Sonne und der gleissenden Hitze lohnt sich immer wieder ein Sprung ins knapp 20 Grad erfrischende Wasser. Aber Achtung: Wer das Boot aus den Augen lässt, muss hinterherschwimmen. Eine weitere Gefahr geht von zusammengebundenen Booten aus, die an den Wiffen hängen bleiben und die darin befindenden Personen unters Wasser ziehen können.

Erst vor kurzem «wickelte» es wortwörtlich ein Kajak um eine Wiffe. Die Suchaktion endete schliesslich mit einer Anzeige bei der Staatsanwaltschaft, weil die Betroffenen ohne Meldung einfach nach Hause gegangen sind.

Schattenplätze gegen Verbrennungen

An einer weiteren Kiesbank, dem Pegelhaus in Rheinklingen und dem Camping Läui vorbei geht die Fahrt in Richtung Diessenhofen. Immer wieder wechselt der Rhein vom zügigen Strom zum ruhigeren Fahrwasser und zurück. Manchmal schwimmt ein herrenloses Stück Schwemmholz vorbei.

Je nach Wasserstand führt der Rhein hie und da Schwemmholz. (Bild: Samuel Koch)

Je nach Wasserstand führt der Rhein hie und da Schwemmholz. (Bild: Samuel Koch)

Entlang des Staffelwaldes lässt sich mit etwas Dschungel-Erfahrung und genügend Kraft ein schöner Badeplatz am Schatten finden. Denn der Gummi des Bootes erhitzt sich von der Sonne dermassen, dass man sich daran verbrennen kann.

Ein Aufenthalt lohnt sich weiter rheinabwärts auch in den gegenüberliegenden Badis Diessenhofen und Gailingen, um die Reserven wieder aufzuladen – die körperlichen sowie Nahrung und Flüssigkeit. Denn oft halten sich Gummiböötler mit der Einnahme alkoholischer Getränke nicht unbedingt zurück. Jeder kennt wohl am besten seine Grenzen selbst. Wobei: Hitze in Kombination mit Alkohol führt selten zu Bescheidenheit und Vernunft.

Gezwitscher und aus dem Wasser springende Äschen

Die vielerorts als schönste Stromfahrt Europas angepriesene Strecke zeigt sich auch unter der über 200 Jahre alten Holzbrücke von Diessenhofen, die derzeit wegen des Wasserstandes von den Kursschiffen nicht befahren werden kann.

Freie Fahrt also für alle Freizeitkapitäne. Vorbei am malerischen Städtchen und am Kloster St. Katharinental, erbaut im 13. Jahrhundert, lässt es sich nun ein bisschen gemächlicher angehen. Auf der rechten Uferseite in Fahrtrichtung wechseln sich bis zur Enklave Büsingen die Landesgrenzen ab. Vogelgezwitscher aus dem Naturschutzgebiet Schaarenwald der Gemeinde Schlatt folgt auf aus dem Wasser springenden, nach Mücken Ausschau haltenden Äschen. Die Zivilisation rückt in weite Ferne.

Unweit unterhalb des Paradies’ – manche mögen sich wahrhaftig wie im Paradies fühlen – endet das rund dreieinhalb Stunde dauernde Abenteuer. Aus dem Wasser, hopp. Luft aus dem Gummiboot lassen, los. Für einen kurzen Moment taucht die Frage auf, ob sich der ganze Aufwand mit Aufpumpen, logistischem Konzept und ausgelaugtem Körper gelohnt hat. – Ja, er hat.

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