Selbstgebrannter Virentöter: Gemeinde Amlikon-Bissegg sammelt Schnaps für ein eigenes Desinfektionsmittel

Die Gemeinde Amlikon-Bissegg hat vergangene Woche Schnaps bei ihren Einwohnern eingesammelt und daraus Desinfektionsmittel herstellen lassen. Ab Donnerstag gibt es das Mittel im Dorfladen zu kaufen.

Sabrina Bächi
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500 Liter Schnaps haben Gemeinderat Paul Sauter und Werkhofmitarbeiter eingesammelt. Das Resultat: 200 Liter Desinfektionsmittel und viele leere Flaschen.

500 Liter Schnaps haben Gemeinderat Paul Sauter und Werkhofmitarbeiter eingesammelt. Das Resultat: 200 Liter Desinfektionsmittel und viele leere Flaschen.

(Bild:PD)

Am vergangenen Mittwoch ereignete sich Merkwürdiges in den Dörfern der Gemeinde Amlikon-Bissegg. Mehrere Personen sammelten Schnapsflaschen ein und verstauten sie auf einem kleinen Laster. Mit dabei: Gemeinderat Paul Sauter, zuständig für das Ressort Gesundheit und Soziales. Die Gemeinde will ihren Einwohnern jedoch nicht das Trinken verbieten, sondern hat Hochprozentiges für einen ganz bestimmten Zweck eingesammelt.

Paul Sauter, Gemeinderat Ressort Gesundheit und Soziales.

Paul Sauter, Gemeinderat Ressort Gesundheit und Soziales.

(Bild: Andrea Stalder)

Der Gemeinderat erklärt’s: «Alle brauchen derzeit Desinfektionsmittel. Wir haben eine Brennerei in der Gemeinde und wurden von den Inhabern angefragt, ob wir ein Gemeinschaftsprojekt lancieren wollen, um Desinfektionsmittel herzustellen.» Der Plan war, die Grundlage dafür – nämlich den Alkohol – bei den Einwohnerinnen und Einwohnern einzusammeln. Das Endprodukt komme dann auch ihnen wieder zu Gute, betont der Gemeinderat. Sauter sagt:

«Es ist ein Projekt aus der Gemeinde für die Gemeinde.»

Desinfektionsmittel nach WHO-Richtlinien

Ende März kam Andreas Bössow von der Brennerei Macardo mit dem Vorschlag eines Gemeinschaftsprojekts auf die Gemeinde zu. Diese stimmte zu und entwarf einen Flyer, die mit dem Aufruf, Hochprozentiges zu spenden, an alle Haushalte ging. «Bereits am 8. April haben wir die Schnäpse eingesammelt», sagt Sauter.

Paul Sauter und ein Werkhofmitarbeiter beim Einsammeln der Schnäpse.

Paul Sauter und ein Werkhofmitarbeiter beim Einsammeln der Schnäpse.

(Bild: PD)

Rund 500 Liter allerlei Schnapsarten konnte Sauter in der Brennerei Macardo in Strohwilen abliefern.  «Wir mussten unsere Brennblase mehrmals füllen, sie fasst nur 125 Liter», sagt Martina Bössow, Inhaberin der Brennerei. Am Ende ergab es 200 Liter Destillat mit 80 Volumen-Prozent, erzählt sie.

Gemäss Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehören in ein Desinfektionsmittel Glyzerin und Wasserstoffperoxid. «Wir wollten auch Lavendelduft beigeben, aber da hätten wir Unmengen dafür gebraucht», sagt Bössow. Nun sei es einfach leicht violett eingefärbt, damit es nicht wie Wasser aussehe.

Die Etikette des Desinfektionsmittel.

Die Etikette des Desinfektionsmittel.

(Bild: PD)

Am Mittwoch sollten die langersehnten Plastikflaschen eintreffen. «Es war das Schwierigste, diese Flaschen zu beschaffen. Sie sind derzeit Mangelware in der Schweiz», sagt Bössow.

Am Donnerstag geht der Verkauf los

Ab Donnerstag können die Amliker dann ihr eigenes Desinfektionsmittel im Dorfladen beziehen. «Das Ziel war es von Anfang an, dass die Einwohner vom Endprodukt profitieren», sagt Gemeinderat Sauter. Mittels Coupon am Flyer, der bald in den Briefkästen liegt, können die Einwohner im Dorfladen das Mittel für 24 Franken pro Halbliter beziehen.

«Wir wollen einfach keine Hamsterkäufe, aber natürlich können auch Auswärtige das Mittel kaufen», sagt Sauter. «Wichtig zu sagen ist, dass die Brennerei und auch der Dorfladen zu Selbstkosten das Mittel produzieren und verkaufen», betont er.

Sollte es einen Erlös geben, so werde dieser an sozial schwächere Personen in der Gemeinde gespendet.

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