Die Frauenfelder Kläranlage: Seit 1969 Jungbrunnen für Wasser

Vor 50 Jahren ging die Kläranlage in der Grossen Allmend ans Netz. Mittlerweile reinigt sie das Abwasser von 35500 Personen. Die Zukunft bringt einige Herausforderungen, etwa die Elimination von Mikroverunreinigungen.

Mathias Frei
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Die Frauenfelder Kläranlage wird heuer 50 Jahre alt. Darüber freuen sich Betriebsleiter David Zimmerli, Klärmeister Markus Breu und Abwasserverbandspräsident Thomas Müller. (Bild: Andrea Stalder)

Die Frauenfelder Kläranlage wird heuer 50 Jahre alt. Darüber freuen sich Betriebsleiter David Zimmerli, Klärmeister Markus Breu und Abwasserverbandspräsident Thomas Müller. (Bild: Andrea Stalder)

Das sind einige volle WC-Schüsseln: 5,421 Millionen Kubikmeter. Oder umgerechnet 2738-mal das Sportlerbecken in der Frauenfelder Badi. So viel Abwasser wurde vergangenes Jahr in der Kläranlage in der Grossen Allmend verarbeitet. 1969 ging die Anlage ans Netz – und stand seither keinen einzigen Tag still. Der Abwasserverband Region Frauenfeld (AVRF) konstituierte sich zwar im gleichen Jahr, übernahm die Anlage aber erst ein Jahrzehnt später von der Stadt.

Das Jubiläum feiert der Verband zum einen mit einem Tag der offenen Tür im Herbst. Zum anderen frischt der AVRF seinen Auftritt auf.

«Das bisherige Logo ist über 20 Jahre alt.»

Das sagt Verbandspräsident Thomas Müller, der auch Frauenfelder Stadtingenieur ist. Nebst einer neuen Corporate Identity inklusive Webseite gibt es auch Gadgets wie Wasserfläschli oder Notizblöcke zum 50-Jahr-Jubiläum.

Bund verlangt bis 2040 Reinigungsstufe

Eine Herausforderung, vor der alle grösseren Kläranlagen stehen würden, sei die Elimination von Mikroverunreinigungen (EMV), sagt Präsident Müller. Der Bund verlangt die Realisierung einer zusätzlichen Reinigungsstufe bis ins Jahr 2040. Bis dahin zahlen die betroffenen Anlagenbetreiber eine Abgabe von neun Franken pro Einwohner, beim AVRF sind das aktuell rund 320000 Franken. Wenn die EMV-Stufe gebaut ist, entfällt diese Abgabe.

Betriebsleiter David Zimmerli rechnet für die Frauenfelder Anlage mit Kosten von 15 Millionen Franken. Davon übernehme der Bund 75 Prozent, bezahlt aus den zuvor eingezogenen Abgaben. Präsident Müller sagt:

«Wir sind nicht die ersten Betreiber und auch nicht die letzten.»

Im Thurgau sei zwar noch keine EMV-Stufe in Betrieb, aber die möglichen Verfahren seien schon erprobt. Beim AVRF läuft derzeit eine Vorstudie zur Verfahrenswahl für den Bau der EMV-Reinigungsstufe. Gemäss Klärmeister Markus Breu steht entweder die Elimination durch Ozon oder die Absorption durch Aktivkohle zu Diskussion. Der Bau könnte bei etwa zweijähriger Bauzeit 2024 beginnen.

Ein Gadget zum 50-Jahr-Jubiläum: Wasserfläschli mit Logo. (Bild Mathias Frei)

Ein Gadget zum 50-Jahr-Jubiläum: Wasserfläschli mit Logo. (Bild Mathias Frei)

Bei einem Umsatz von 4,388 Millionen Franken konnte der AVRF 2018 Fondseinlagen von knapp 400000 Franken machen, der grösste Teil für Investitionen. Das Eigenkapital lag so Ende 2018 bei 7,107 Millionen, davon 6,987 Millionen in Fonds. Investiert wurden knapp 600000 Franken. An Beiträgen kamen 2,004 Millionen von den Gemeinden sowie 637000 Franken von den Grosseinleitern. Das Rechnungsjahr 2018 war niederschlagsarm. So war die Abwassermenge kleiner und damit auch der Energieverbrauch tiefer als 2017. Das Budget 2020 rechnet bei einem Umsatz von 4,559 Millionen mit Einlagen in die Investitionsfonds in Höhe von 510000 Franken. Wie alle fünf Jahre wurde der Gemeinde-Kostenteiler für 2020 neu berechnet. Die Gemeinden müssen neu 2,253 Millionen beisteuern – 23500 Franken mehr als bisher. Für den jährlich berechneten Grosseinleiter-Kostenteiler bedeutet das im Budget 2020 einen Beitrag von 686000 Franken. Rechnung 2018, Budget 2020 und den neuen Kostenverteiler genehmigten die Delegierten einstimmig.

Amt für Umwelt attestiert «gute Reinigungsleistung»

2018 wurden 5,421 Millionen Kubikmeter Abwasser in der Frauenfelder Anlage verarbeitet. Das sind durchschnittlich 14900 Kubik pro Tag. Das kantonale Amt für Umwelt attestiert der Anlage eine «gute Reinigungsleistung». Der Kostenteiler bei den angeschlossenen acht Politischen Gemeinden erfolgt aufgrund der alle fünf Jahr fixierten Wassermenge. Diese lag im vergangenen Jahr bei 2,333 Millionen Kubik. Frauenfeld liegt bei 1,738 Millionen Kubik, dahinter folgt Gachnang mit 169000 Kubikmeter. Zu den Wassermengen der Gemeinden kommen die Verbrauchswerte der sieben industriellen Grosseinleiter. Hier waren es 2018 rund 574000 Kubik. An der Spitze steht die Zuckerfabrik mit 411000 Kubikmetern. Für die Grosseinleiter erfolgt der Kostenverteiler über die Menge und einen Wertungsfaktor betreffend Verschmutzungsgrad. (ma)

Nach 21 Jahren aus der Betriebskommission zurückgetreten: Rony Wellauer. (Bild: sbs)

Nach 21 Jahren aus der Betriebskommission zurückgetreten: Rony Wellauer. (Bild: sbs)

An der Delegiertenversammlung fanden auch Wahlen für die Legislaturperiode 2019 bis 2023 statt. Präsident Thomas Müller, Vize Andreas Schlatter sowie Duri Poluda, Kornel Büsser, Samuel Herzog, Stefan Leuthold, Ernst Rüsi und Fritz Stettler (Betriebskommission, BK) schafften die Wiederwahl. Für Rony Wellauer, der nach 21 Jahren im Abwasserwesen, demissioniert hatte, wurde Bruno Kaufmann neu in die BK gewählt.

Tag der offenen Tür: Samstag, 14. September, 10 bis 15 Uhr, Kläranlage Grosse Allmend

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