Rekordhohe Motorendiebstähle auf Thurgauer Gewässer

Im vergangenen Jahr wurden in den Thurgauer Gewässern Aussenbordmotoren im Wert von über 100000 Franken geklaut. Den Kampf gegen die organisierte Kriminalität führt der Thurgau im Rahmen einer internationalen Sonderkommission.

Sebastian Keller
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Im Jahr 2018 haben Seepolizisten der Kantonspolizei Thurgau 2031 Kontrollstunden geleistet. (Bild: Andrea Stalder)

Im Jahr 2018 haben Seepolizisten der Kantonspolizei Thurgau 2031 Kontrollstunden geleistet. (Bild: Andrea Stalder)

Die Sonne spiegelt sich im tiefblauen Wasser. Möwengeschrei dominiert die Geräuschkulisse. Die Boote der Freizeitkapitäne sind noch ausgewassert. Ein Polizeischiff mit dem Kennzeichen TG 3 durchbricht eine dünne Eisschicht im Jachthafen Kreuzlingen. Ein Wintertag, der sich gebärdet, als wollte er sich für den Frühling bewerben. Doch der See ist nicht nur Ruhe und Idylle, sondern auch Tatort. Das zeigt die Statistik 2018 der Seepolizei der Kantonspolizei Thurgau.

Eine steigende Tendenz stellt die Seepolizei bei Diebstählen von Schiffsmotoren fest. Im vergangenen Jahr wurde gar ein Rekordwert erreicht: Auf 107 960 Franken belief sich der zusammengezählte Deliktsbetrag. Er hat er sich gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt. 21 Aussenbordmotoren wurden als gestohlen gemeldet. Das sind fünf mehr als 2017. Die Rekordzahl wurde 2016 erreicht, als 30 Motoren geklaut wurden.

«Dabei handelt es sich um organisierte Kriminalität», sagt Marcel Kuhn. Er ist seit Frühling 2018 Dienstchef der Seepolizei. «Uns gelang es im vergangenen Jahr, eine Bande festzunehmen.» Die geklauten Motoren tauchen meist in osteuropäischen Ländern wieder auf. Diesen Kampf führen die Thurgauer nicht alleine, sondern im Rahmen der Sonderkommission (Soko) Batelo.

Wieso Schiffsmotoren beliebt sind

«Dabei geht es vor allem um den Informationsaustausch», sagt Kuhn. Diese Soko konnte schon die Routen ausfindig machen, welche die Schiffsmotoren auf dem Landweg nehmen. Wieso aber werden Schiffsmotoren geklaut? Kuhn zählt mehrere Gründe auf: Die Aussenbordmotoren liessen sich mit «relativ geringem Aufwand» abmontieren, zudem können sie rasch abtransportiert werden. Schiffseignern empfiehlt er, Motoren fachgerecht anzubringen und zu sichern, die Seriennummern zu registrieren und sie bei Nichtgebrauch abzudecken.

Im Kampf gegen den nautischen Zweig organisierter Kriminalität ist die Polizei auf das Auge der Bevölkerung angewiesen: «Wenn jemandem etwas Verdächtiges auffällt, soll er das unverzüglich der Polizei melden», sagt Kuhn.

Drei Unfälle mit Todesfolge

Doch die Statistik der Seepolizei handelt nicht nur von gestohlenen Motoren. 2018 musste sie wieder Striche in der Farbe der Trauer machen: Drei Personen starben 2018 nach Unfällen auf Gewässern, für die der Thurgau zuständig ist.

Ein Rollstuhlfahrer verstarb in Romanshorn, nachdem er über die Hafenmauer ins Hafenbecken stürzte. Ein Taucher musste sein Leben lassen, als er zum «Jura»-Wrack vor Bottighofen unterwegs war. Im Juni musste die Seepolizei einen Mann tot bergen, nachdem er von seinem Boot gestürzt war. Im Vorjahr waren es zwei Unfälle mit Todesfolge. Insgesamt verloren auf dem Bodensee und dem Hochrhein 13 Personen ihr Leben, wie die internationale Statistik für das Jahr 2018 zeigt.

Im Thurgauer Teil des Bodensees und des Rheins wurden 24 Unfälle verzeichnet - drei mehr als im Vorjahr. Acht Personen verletzten sich dabei. Sechs fallen in die Kategorie Badeunfälle. Das entspricht einer Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr. «Wir führen das auf die lange und warme Wassersportsaison zurück», sagt Marcel Kuhn.

Niedrigwasser brachte Entlastung

Der regenarme Sommer und das damit verbundene Niedrigwasser entlasten das Konfliktpotenzial auf dem Rhein. Wegen des tiefen Pegelstandes konnten die Kursschiffe zwischen Stein am Rhein und Schaffhausen nicht verkehren. «Dadurch hatten die Schlauchboote etwas mehr Platz», sagt Kuhn. Dennoch kam es – wenn auch nicht zu vielen Unfällen – trotzdem zu brenzligen Situationen auf dem Hochrhein. «Weil Schlauchbootfahrer und andere Rheinbenutzer die Kraft des Wassers und die Gefahren der Hindernisse unterschätzen», wie die Kantonspolizei in der Mitteilung schreibt.

Ein anderer Pegel ist auf dem See kaum ein Problem: der Alkoholpegel.«Wir machen zwar Kontrollen wie auf der Strasse», betont Kuhn, «doch die allermeisten Freizeitkapitäne sind nüchtern». Das sei nicht nur dem höheren Promillegrenzwert von 0,8 geschuldet, der auf internationalen Gewässern gilt. Augen werden nämlich keine zugedrückt. Drei international koordinierte Grosskontrollen galten 2018 der Fahrtauglichkeit von Schiffsführern.

Thurgauer Seepolizei musste im Jahr 2018 drei Tote bergen

Im vergangenen Jahr verloren drei Personen im Thurgauer Teil des Bodensees und Hochrheins ihr Leben. Im Jahr zuvor waren es zwei Personen. Das geht aus der Bilanz der Seepolizei der Kantonspolizei Thurgau hervor.
Sebastian Keller

BODENSEE: Zwei tödliche Badeunfälle

Das stürmische Wetter hat im vergangenen Jahr mehr Einsätze der Seepolizei gefordert. Die Anzahl gestohlener Bootsmotoren ist deutlich zurückgegangen. Im laufenden Jahr häufen sich die Fälle aber bereits wieder.
Silvan Meile