Seelsorge
Kirche neu denken und leben: Evangelisch Thurgau wagt den Aufbruch

Die 38-jährige Diakonin Flavia Hüberli leitet ab 1. November die Innovationsstelle «Start-up Kirche» der evangelischen Kirche. Die Stelle im Umfang von 50 Stellenprozent soll neue Möglichkeiten des kirchlichen Lebens anregen.

Ernst Ritzi
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Flavia Hüberli wird zur Innovatorin der Evangelischen Landeskirche Thurgau.

Flavia Hüberli wird zur Innovatorin der Evangelischen Landeskirche Thurgau.

Bild: PD

Die Stelle Start-up Kirche der evangelischen Landeskirche des Kantons Thurgau ist besetzt. Die gewählte Diakonin Flavia Hüberli bringt aus ihrer vielfältigen Tätigkeit in der kirchlichen Jugendarbeit Pioniererfahrungen mit, wenn sie ab 1. November im Auftrag der Thurgauer Landeskirche neue Möglichkeiten des kirchlichen Lebens anregen und zusammen mit kirchlichen Partnern umsetzen und erproben soll.

Die 38-Jährige ist im St.Galler Teil der Evangelischen Kirchgemeinde Neukirch an der Thur aufgewachsen. Nach einer kaufmännischen Ausbildung hat sie ihr Engagement in der kirchlichen Jugendarbeit zum Beruf gemacht und war von 2003 bis 2006 beim Cevi Ostschweiz als Jugendarbeiterin für die Arbeitsbereiche Jungschar und Jugend + Sport tätig. Ihre fachliche Qualifikation als Diakonin gewann sie, als sie von 2006 bis 2010 die Ausbildung am Theologisch-diakonischen Seminar TDS in Aarau absolvierte.

Erprobungsräume in Deutschland erkunden

Pionierarbeit leistete sie ab 2010 in den Kirchgemeinden Neukirch an der Thur und Schönholzerswilen beim Aufbau der Jugendarbeit Jump (Jugendarbeit mit Perspektive). Ihre 75-Prozent-Stelle als Jugendarbeiterin wird durch einen kirchlichen Verein auf der Basis von Gönnerbeiträgen und Spenden finanziert. Zum Jump-Programm gehören unter anderem ein Jugendtreff, Praise-Meeting-Gottesdienste für junge Erwachsene, Beach-Camps in Spanien und ein Meeting-Point für Jugendleiterinnen und -leiter.

Verbunden mit ihrer Tätigkeit in der kirchlichen Jugendarbeit hat Flavia Hüberli in verschiedenen Gremien der Landeskirche mitgearbeitet. Im Jahr 2015 wurde sie vom Kirchenrat zusammen mit ihrem Ehemann Mathias Hüberli zur Diakonin ordiniert. Der Kirchenrat ist überzeugt, dass Diakonin Flavia Hüberli für die neue Stelle Start-up Kirche gute Voraussetzungen mitbringt, weil sie in der kirchlichen Jugendarbeit Erfahrungen mit gelingenden, aber auch mit nicht gelingenden Projekten und Ideen gemacht hat. In ihrer neuen Aufgabe wird Flavia Hüberli auch auf Erfahrungen von deutschen Landeskirchen mit «kirchlichen Erprobungsräumen» im ländlichen Umfeld bauen.

Hand in Hand mit den Kirchgemeinden

Neben neuen Formen von kirchlichem Leben und kirchlicher Gemeinschaft stehen auch diakonische Projekte mit Pilotcharakter im Fokus der neuen Stelle. Die 38-jährige Flavia Hüberli versteht ihre neue Arbeit als Horizonterweiterung über ihre bisherige Arbeit mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen hinaus. Die Stelle Start-up Kirche im Umfang von 50 Stellenprozent tritt sie am 1. November 2021 an.

In ihrer Arbeit wird sie in engem Kontakt mit dem Kirchenrat stehen, der das Erproben und Umsetzen von neuen Ideen im kirchlichen Leben in seinen Legislaturzielen festgehalten hat. Die Stelle Start-up Kirche soll in ihren Projekten in enger Partnerschaft mit den Kirchgemeinden arbeiten.