Interview
Sebastian Wörwag, neuer Hochschulrat der PH Thurgau: «Ich bin auch ein Brückenbauer»

Der Regierungsrat ernennt Sebastian Wörwag zum neuen Präsidenten des Hochschulrats der Pädagogischen Hochschule Thurgau. Er tritt im Juni die Nachfolge von Hans Munz an.

Silvan Meile
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Sebastian Wörwag in seinem Rektorbüro an der Fachhochschule in St. Gallen.

Sebastian Wörwag in seinem Rektorbüro an der Fachhochschule in St. Gallen.

Bild: Urs Bucher

Wieso haben Sie sich trotz Krise an der PH entschieden, sich das Amt des Hochschulratspräsidenten anzutun?

Sebastian Wörwag: Es ist eine Freude, dieses Amt antreten zu dürfen. Ich kann damit meine Erfahrungen als Hochschulrektor nun auf einer strategischen Ebene einbringen. Ich lernte die Pädagogische Hochschule Thurgau als Vorsitzende des Kooperationsrates der Internationalen Bodenseehochschule bereits genauer kennen und erhielt eine sehr guten Eindruck. Und schliesslich freut mich das als Thurgauer.

Die PH hat ein Jahr der Turbulenzen hinter sich. Viele Mitarbeiter waren über die Umstände der Freistellung des Prorektors unzufrieden. Wie glätten Sie die Wogen?

Ohne mich vertieft zu diesem Fall äussern zu wollen, glaube ich, dass es Turbulenzen hin und wieder geben kann.

In der jetzigen Phase ist es wichtig, eine Stabilisierung anzustreben, eine offene und nachvollziehbare Kommunikation sicherzustellen.

Und falls es Gräben gegeben hat: Ich habe im Leben die Erfahrung gemacht, dass es keinen Graben gibt, über den nicht auch eine Brücke gebaut werden kann. Ich verstehe mich also auch als Brückenbauer.

Auch die Rektorin Priska Sieber geriet intern und von einzelnen Politikern unter Beschuss. Mit welchem Führungsstil gehen Sie Ihre Aufgaben an der PH an?

Als Hochschulratspräsident sehe ich die Aufgabe, Unterstützung zu bieten – auch ein konstruktiv-kritischer Sparringpartner zu sein. Ein Gesprächspartner, mit dem man Dinge durchdenken kann unter Berücksichtigung aller Interessen, um so auch in Krisensituationen zu umsichtigen und guten Lösungen zu kommen. Aber die Leitung der Pädagogischen Hochschule soll und wird grundsätzlich bei der Rektorin liegen. Der Hochschulrat hat eine unterstützende, begleitende und eine rahmensetzende Bedeutung.

Sie geben derzeit fortlaufend ihre Verantwortung als Rektor der Fachhochschule St.Gallen ab und starten ab September in selber Funktion an der Fachhochschule Bern. Ist das nicht eine gar grosse Pendlerdistanz zu Kreuzlingen?

Ich werde meinen Wohnsitz in der Ostschweiz behalten und mir einen Zweitwohnsitz in Bern nehmen. Somit werde ich sowohl in Bern als auch in Kreuzlingen nahe sein.

Sie kennen den Thurgau, verbrachten einen Teil Ihrer Jugend in Romanshorn, machten dort die Matura.

Im Alter von 15 Jahren kam ich in den Thurgau, verbrachte hier meine Zeit an der Kantonsschule. Ich erlebte sehr spannende und gute Jahre im Thurgau. Später durfte ich beispielsweise an den Regierungsrichtlinien 2008-12 mitarbeiten und knüpfte unter anderem dadurch viele Kontakte.

Wie muss sich die kleine Thurgauer Hochschule für die Zukunft positionieren?

Ausschlaggebend ist nicht die Grösse. Die PH muss ja für den regionalen Arbeitsmarkt gut qualifizierte Lehrpersonen ausbilden. Es geht also um die Qualität gemessen an dem, wie gut die ausgebildeten Lehrkräfte ihren Beitrag auch zur gesellschaftlichen Entwicklung leisten können. Auch Innovation ist wichtig, damit sich die Hochschule entwickeln kann. Und da glaube ich, ist die PH Thurgau sehr gut aufgestellt. Einerseits durch die Kooperation mit der Pädagogischen Maturitätsschule Kreuzlingen, anderseits durch die Zusammenarbeit mit der Universität Konstanz.

Im Zuge der Krise an der Thurgau PH wurde hinter vorgehaltener Hand schon mehrfach die Befürchtung geäussert, die nun anstehende Akkreditierung, eine Pflicht als öffentlich-rechtliche Hochschule, sei in Gefahr. Wie schätzen Sie das ein?

Es ist ganz klar, dass die Energien aller Mitarbeitenden auf allen Ebenen der Pädagogischen Hochschule Thurgau inklusive dem Hochschulrat darauf hingelenkt werden müssen, dass die Akkreditierung fristgerecht erreicht werden kann. Das muss unser gemeinsames Ziel sein. Ich bin überzeugt, dass wir das erreichen können. Ich glaube auch, genügend Erfahrung mitzubringen, damit wir für das Erlangen der Akkreditierung die richtigen Stellhebel setzen. Wir müssen aber auch darüber hinaus schauen und uns fragen, was wir tun müssen, um nicht nur eine akkreditierte, sondern eine exzellente Hochschule zu sein. Das ist eine Entwicklung, die über die Erfüllung der verlangten Normen hinausgeht.