Schwullesbische Filmkultur
Statt einer Frau kehrt ein Mann zurück: In Frauenfeld ging die 24. Ausgabe des Pink-Apple-Filmfestival über die Bühne

Obwohl sich der Schwerpunkt von Pink Apple mittlerweile nach Zürich war auch dieses Wochenende wieder ein feines Programm im Cinema Luna in Frauenfeld, dem Geburtsort des Filmfestivals, zu sehen.

Viola Stäheli
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Eine Szene aus dem neuseeländischen Drama «Rurangi», das im Cinema Luna Schweizer Premiere feierte.

Eine Szene aus dem neuseeländischen Drama «Rurangi», das im Cinema Luna Schweizer Premiere feierte.

Bild: PD

Zehn Jahre ist es her, als Caz das letzte Mal in Rurangi war. Niemand erkennt ihn wieder, obwohl er hier aufgewachsen ist – weder sein Vater noch seine früheren Freunde Anahera und Jem. Denn Caz hat als junge Frau das Dorf im neuseeländischen Nirgendwo und ist als Mann zurückgekehrt. Er hat sich vor seiner Abreise nie geoutet und keinen Kontakt zu Rurangi gehalten, aus Sorge, dass seine Transition nicht akzeptiert wird. Nun ist er aber zurück und eine Herausforderung fürs Dorf – genauso wie das Dorf für ihn.

Der Film «Subblet» lief im Cinema Luna.

Der Film «Subblet» lief im Cinema Luna.

Bild: PD

Der ursprünglich als Webserie von Max Currie konzipierte Spielfilm erzählt von Unverständnis, Verlust und einer sich leise anbahnenden Versöhnung. Der neuseeländische Film ist Teil des 24.Pink-Apple-Filmfestivals und eine Schweizer Premiere. «Die allermeisten Filme, die wir hier im Cinema Luna oder in Zürich im Rahmen des Festivals zeigen, sind Schweizer Premieren», sagt Roman Bolliger, der zum OK gehört.

Grösstes Filmfestival seiner Art in der Schweiz

Der Film «My Name is Baghdad» lief im Cinema Luna.

Der Film «My Name is Baghdad» lief im Cinema Luna.

Bild: PD

Das jährlich stattfindende schwullesbische Filmfestival ist das grösste und bedeutendste seiner Art in der Schweiz – das Programm umfasst zahlreiche Filme aus aller Welt und wird mit diversen Veranstaltungen ergänzt. «Der Ursprung von Pink Apple liegt in Frauenfeld, wo dieses 1997 von einigen Filmbegeisterten ins Leben gerufen wurde», sagt Bolliger. Aus diesem Grund hat das Festival seinen Namen erhalten: Der Thurgau als Schweizer Apfelkanton stand Pate. Mittlerweile hat sich der Festivalschwerpunkt des Festivals verlagert. Aber die Organisatoren bleiben dem Ursprungsort treu: Nach wie vor wird ein ausgewähltes Programm im Luna gezeigt.

Der Film «Rurangi» lief im Cinema Luna.

Der Film «Rurangi» lief im Cinema Luna.

Bild: PD

Dieses Jahr waren insgesamt elf Filme auf den Frauenfelder Leinwänden zu sehen sowie ein Kurzfilmblock. Am Sonntagnachmittag fand zudem eine Spezialveranstaltung über den gebürtigen Frauenfelder René Huber statt, der zu seinen Lebzeiten in Hollywood als Filmkostümbildner Karriere machte. Zudem arbeitete der homosexuelle Künstler für zahlreiche Theater sowie als Interior- und Modedesigner. Bolliger sagt:

«Derzeit wird im Zürcher Museum für Gestaltung eine Ausstellung zu seinen Ehren gezeigt, so entstand die Idee für diese Veranstaltung im Rahmen des Filmfestivals.»
Der Film La Nave del Olvido lief im Cinema Luna.

Der Film La Nave del Olvido lief im Cinema Luna.

Bild: PD

Das Ziel von Pink Apple sei seit seiner Gründung, die Sichtbarkeit der queeren Community zu erhöhen und den Diskurs für deren Gleichberechtigung zu unterstützen. Es will auf die anhaltende Diskriminierung hinweisen, die Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung, Identität oder Herkunft erleiden. Um das zu erreichen, ist die Filmauswahl entscheidend – eine Aufgabe, die dem Verein Pink Apple über das Jahr stundenlanges Sichten von Filmmaterial beschert. Aber nur so findet man Geschichten wie jene von Caz, der nebst dem gemeinsamen Erleben seiner Hochs und Tiefs bei der Annäherung mit dem Ort seiner Kindheit verständlich macht, was hinter dem Wort Transmann steckt.

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