Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Schweizer rasen auf der deutschen Autobahn: Was ihnen blühen könnte

Vier junge Männer haben am Sonntagmorgen ein mutmasslich illegales Rennen auf der deutschen Autobahn A81 bei Konstanz gefahren. Es ist möglich, dass sie auch in der Schweiz den Führerschein abgeben müssen.
Eike Brunhöber
Ein Polizist kontrolliert Gottmadingen am Ende der Autobahn A81 mit einem Lasermessgerät die Geschwindigkeit der Fahrzeuge. Auf der A81 nahe der Schweizer Grenze kommt es häufig zu illegalen Autorennen. (Bild: DPA)

Ein Polizist kontrolliert Gottmadingen am Ende der Autobahn A81 mit einem Lasermessgerät die Geschwindigkeit der Fahrzeuge. Auf der A81 nahe der Schweizer Grenze kommt es häufig zu illegalen Autorennen. (Bild: DPA)

Jetzt sind sie wahrscheinlich wieder in der Schweiz: Die vier Autofahrer aus dem Kanton Zürich, die sich am Sonntag auf der Autobahn A81 Singen-Stuttgart ein illegales Rennen geliefert haben sollen. Sind sie damit aus dem Schneider und haben keine Sanktionen mehr zu befürchten? Nicht ganz: Zwar können sie in der Schweiz nicht strafrechtlich belangt werden – ein Führerscheinentzug wäre theoretisch aber auch dort möglich, sei es für vier Wochen oder gar für mehrere Monate.

Für die Autobahnpolizei war es ein seltener Glücksfall: Dass ihr Autofahrer illegale Autorennen auf der A81 melden, kommt oft vor; dass die Beamten die Raser dann aber noch erwischen, ist selten. Die Übeltäter sind mit ihrem Bleifuss eben auch stets schnell wieder weg.

Am Sonntagmorgen aber hatten die Polizisten Erfolg: Gegen 10 Uhr hatte ein Zeuge gemeldet, dass sich auf der A81 zwischen dem Kreuz Hegau und Engen vier PS-starke Wagen ein Rennen lieferten. Die Autobahnpolizei legte sich auf Höhe Balingen auf die Lauer, fand die vier Wagen und kontrollierte die Fahrer. Die fuhren zu dem Zeitpunkt kein Rennen mehr und es ist noch unklar, wie lang ihr mutmassliches Rennen gedauert hatte. Jedenfalls hat die Polizei nun die Personalien des Quartetts. Alle Vier kommen aus dem Kanton Zürich.

Auf Kaution freigelassen

Während des Rennens war es nach dem Stand der Ermittlungen nicht zu brenzligen Situationen mit anderen Autofahrern gekommen. Deshalb nahmen die Polizisten die Vier nicht fest, sondern liessen sie nach einer Vernehmung wieder laufen. Jeder musste 1500 Euro Kaution zahlen: Das soll sicherstellen, dass sie im Falle einer Gerichtsverhandlung auch vor Gericht erscheinen. Täten sie das nicht, hätte die Kaution für sie persönlich dann de facto wenigstens die Funktion einer Art Geldstrafe.

Die Staatsanwaltschaft Konstanz ermittelt wegen des Verdachts auf ein illegales Autorennen. Ob sie Anklage erhebt, steht noch nicht fest: Die Ermittler wollen noch einmal Zeugenaussagen einholen, sagt Andreas Mathy, Sprecher der Konstanzer Staatsanwaltschaft. Es gibt nun drei Möglichkeiten:

  • Ein Gerichtsprozess: Sollte es zur Anklage und zum Gerichtsprozess kommen, bekämen die vier Schweizer die Vorladung – und wenn sie nicht vor Gericht erscheinen, wäre ein Haftbefehl möglich. Die Vier müssten an der Grenze stets fürchten, verhaftet zu werden.
  • Ein Strafbefehl: Der ist denkbar bei Geldstrafen und bei Bewährungsstrafen von weniger als einem Jahr. Im Fall einer Geldstrafe müssten die Vier dann bei jedem Grenzübertritt fürchten, zur Kasse gebeten zu werden.
  • Sanktionen in der Schweiz: Sollte das Quartett in Deutschland verurteilt werden oder einen Strafbefehl bekommen, wird das in der Schweiz keine Rolle spielen: Hier greife der Grundsatz, dass niemand für eine Tat zweimal bestraft werden darf, erklärt Marco Breu, Sprecher der Staatsanwaltschaft Kreuzlingen. Eines aber könnten die vier mutmasslichen Rennfahrer gegebenenfalls auch in der Schweiz fürchten, so Breu: dass ihnen der Kanton Zürich für gewisse Zeit den Führerschein entzieht. Auch eine Verwarnung wäre möglich. «Administrativmassnahme» nennt sich das: Eine Behörde greift durch, wenn sie meint, dass ein Autofahrer ein Sicherheitsrisiko ist und diszipliniert werden muss. Die deutsche Polizei hat ihre Schweizer Kollegen schon mal über den Fall informiert.

Das kürzlich verschärfte Schweizer Strassenverkehrsgesetz könnte den mutmasslichen Rasern Ärger einbringen: Bei entsprechend schweren Verstössen im Ausland können Schweizer Behörden einem Schweizer Bürger den Führerschein entziehen, für einen Monat, für länger oder, unter sehr engen Voraussetzungen, für immer. Erst muss aber in Deutschland ein Fahrverbot ausgesprochen werden

Unklar, ob andere Fahrer gefährdet waren

Knackpunkt bei allen Varianten dürfte allerdings diese Frage sein: Haben die vier mutmasslichen Raser andere Fahrer konkret gefährdet? Die Vier haben laut dem Zeugen stark verlangsamt, um vor ihnen eine Freifläche freizusperren, auf der sie dann Gas gaben. Ob sie damit andere Fahrer gefährdet haben, ist noch unklar.

Rennen stark im Trend

Illegale Autorennen auf der A81 zwischen Singen und Stuttgart häufen sich gerade besonders: Innerhalb der vergangenen vier Wochen haben Zeugen von drei Fällen berichtet. Jedes Mal seien Autos aus der Schweiz beteiligt gewesen. Am 24. August soll es zwischen Gottmadingen und Singen zu einem Rennen gekommen sein, einen Tag später zwischen Hohentwieltunnel und Singen. Und am Sonntag dann zwischen dem Kreuz Hegau und Engen. Den Ermittlern sei derzeit nicht bekannt, dass es eine Gruppe gibt, die sich oft zu Rennen verabredet, so die Konstanzer Staatsanwaltschaft. (ebr)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.