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Schweizer mit Optimalpigmentierung unterhält in Frauenfelder Tattoo-Studio

Mit seinem Programm «Helvetia‘s Secret» begeisterte Charles Nguela das Publikum.
Der Komiker nahm kein Blatt vor den Mund – ob es nun um das Frauenstimmrecht oder seine Hautfarbe ging.
Ursula Ammann
Comedian Charles Nguela im Frauenfelder Tattoo-Shop «Gonewild Garacho». (Bild: Ursula Ammann)

Comedian Charles Nguela im Frauenfelder Tattoo-Shop «Gonewild Garacho». (Bild: Ursula Ammann)

Bekommt Charles Nguela von einem Zürcher zu hören, Afrikaner seien abergläubisch, dann entgegnet er: «Und was ist mit Euch? Ihr habt das Sechseläuten! Das ist Voodoo auf kantonaler Ebene!» Fragt ihn jemand, ob er afrikanisch spreche, fragt er zurück: «Sprichst du europäisch?» Und möchte jemand wissen, wie es da so ist, wo er herkommt, dann sagt er: «Es hat einen Fluss und manchmal schneit es.» «Was, es schneit?», ruft das Gegenüber meist verwundert, nicht wissend, dass Nguela von Lenzburg spricht.

Charles Nguela kam als Teenager in die Schweiz. Mit seinem Aargauer Dialekt könnte er glatt als Einheimischer durchgehen, wäre da nicht seine «Optimalpigmentierung» – so nennt er seine Hautfarbe. Wegen ihr stösst er immer wieder auf Vorurteile. Doch der 29-Jährige kann darüber lachen. Und vor allem: Er lässt andere mitlachen. Mit seinem neusten Programm «Helvetia‘s Secret» tourt er durch die ganze Schweiz. Am Freitagabend trat er im Frauenfelder Tattoo-Shop «Gonewild Garacho» auf.

Aus Charles Nguela spricht der Lenzburger mit kongolesischen Wurzeln, der mit afrikanischen Gottesdiensten, auf denen er als Kind getanzt hat, ebenso vertraut ist wie mit dem Inhalt der Selecta-Automaten an Schweizer Bahnhöfen. Und so ist ihm der humorvolle Blick auf die zwei Seelen in seiner Brust eigen, was sich in seinen Anekdoten ständig widerspiegelt. Etwa dann, wenn er berichtet, wie er im Zug eingeschlafen und im Kanton Graubünden aufgewacht ist, wo ihn ein kleiner Junge für den Osterhasen hielt. Oder dann, wenn er mit einem breiten Grinsen im Gesicht vom Kadi im Militär erzählt, der seinen Nachnamen Nguela jeweils als «Ngüla» aussprach. Als er den Kadi korrigiert habe, habe dieser gemeint: «Ngüla, mach d‘Schnorre zue, das isch die perfekt Tarnig.»

Manchmal wundert sich Nguela über die Schweizer. Zum Beispiel darüber, dass sie durchschnittlich 20 Sekunden benötigen, um ein Telefongespräch zu beenden. Oder darüber, dass sie – so hat er es bei den Hipstern in Zürich oft gesehen – «im Winter einen zwei Meter langen Schal tragen, aber keine Socken». Und er wundert sich über jene Schweizer, die vor über 150 Jahren in die USA ausgewandert sind und denen «nichts Besseres eingefallen ist, als ihre neue Heimat New Glarus zu nennen». «New Thurgau wäre ja noch eher gegangen.» Auch das späte Frauenstimmrecht nimmt Nguela gerne auf die Schippe: «Als ich zur Welt kam, war es im Kanton Appenzell Innerrhoden noch nicht umgesetzt», so der 29-jährige Komiker. «Ich hatte bis dahin also mehr Rechte als die Frauen dort – und das, obwohl ich schwarz bin.»

Einer, der auch die junge Generation anspricht

Beim Frauenfelder Publikum punktete Charles Nguela mit seiner Hemmungslosigkeit gegenüber Tabus. «Charles Nguela versteht es, auch die jüngere Generation anzusprechen», so das Resümee zweier Zuschauerinnen. Das Publikum liess sich mitreissen, krümmte sich vor Lachen, wenn Nguela auf der Bühne seine Stimme aufdrehte, und wurde sofort still, wenn er zwischendurch andächtig ins Mikrofon flüsterte. Zum Schluss bedankte es sich mit tosendem Applaus.

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