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Schweizer Fans erleben in Frauenfeld den Gang von der Talsohle auf den Gipfel

Ekstase allenthalben: Die Freude über den Sieg der Nati-Kicker gegen Serbien ist grenzenlos. Bis zur Bierdusche beim Public Viewing im Brauhaus Sternen in Frauenfeld durchleiden die Fans jedoch die ganze Welt der Emotionen.
Samuel Koch
Nach Spielende fällt der Druck ab und weicht der Erleichterung. (Bilder: Donato Caspari)

Nach Spielende fällt der Druck ab und weicht der Erleichterung. (Bilder: Donato Caspari)

Sie haben gelitten, gezittert und teilweise Blut geschwitzt – aber nicht umsonst. Die rund 200 Fans der Schweizer Fussball-Nati haben am Freitagabend im Bierlager des Frauenfelder Brauhauses Sternen die ganze Palette an Gefühlen erlebt. Nach dem 2:1-Siegtreffer durch Xherdan Shaqiri in der 90. Spielminute öffnete selbst der russische Petrus über Kaliningrad die Schleusen. Im «Sternen» hingegen regnete es lediglich Bier, die Stimmung bebte, es gab kein Halten mehr.

Bis zum erlösenden Treffer jedoch mussten sich die Schweizer Fans im «Sternen» gedulden, teils bange Minuten überstehen. Ehe das Spiel beginnt, stehen vielmehr Bier, Burger und Bretzel im Fokus. Zehn Minuten vor Spielbeginn füllen sich die letzten Sitzplätze, der Geräuschpegel jedoch erinnert noch nicht an ein vorentscheidendes Spiel im Kampf um die Achtelfinal-Qualifikation. Spätestens als die Spieler den Rasen betreten, verdrängt der Blick auf die Leinwand die Gespräche der vergangenen Arbeitswoche. König Fussball dominiert, Einzelne erheben sich für die Nationalhymne und singen lautstark mit. Das Spiel beginnt, gefolgt von «Hopp Schwiiz»-Anfeuerungsrufen, während sich Kurzentschlossene hineindrängen und sich einen geeigneten Platz suchen. Zwar spielen die Nati-Kicker in Weiss, im Bierlager jedoch dominiert klar die Farbe Rot.

Ungläubige Blicke und Erklärungsnotstand

Kaum hat das Spiel begonnen, der erste Nackenschlag. Die Serben gehen früh in Führung, ungläubige Blicke, Erklärungsversuche, Notstand. Der Blick wandert zum Bierbecher in der Hand oder zum Burger auf dem Teller. Wessen Bierbecher leer ist, zapft sich am Fässli ein neues. Nach einem Foul gegen einen Serben macht sich ein Deutscher kurz unbeliebt. «So sind halt die Regeln.» Die Schweizer jedoch konzentrieren sich aufs Spiel, leiden mit, fluchen bei Fehlpässen oder verpassten Konterchancen.

Zwischenzeitlich ist die Spannung kaum auszuhalten.

Zwischenzeitlich ist die Spannung kaum auszuhalten.

Bereits vor der Pause kehrt der Glaube zurück ins Frauenfelder Bierlager, als der Lärmpegel nach einer Schweizer Chance einen ersten Höhepunkt erreicht. Sofort hallen wieder Anfeuerungsrufe durchs Lager. Auf dem Rasen gewinnen die Schweizer Oberwasser, im «Sternen» leben Fingernägel zunehmend gefährlich. Die Gefühlswelt spielt verrückt, weil auch die Serben zu Chancen kommen. Einige raufen sich die Haare, andere halten es kaum mehr auf ihren Sitzplätzen aus. Dann ist Pause, Durchatmen.

«D’Serbe taumeled, los jetzt ... Gas geh, Gas geh.»
Fan der Schweizer Fussball-Nati beim Public-Viewing im Brauhaus Sternen in Frauenfeld

Eine Zigarette später, ausgerüstet mit frischem Bier und Verpflegung geht es weiter. «Toooor», schreit einer und lacht. Zwar zappelt der Ball im Netz, aber der vermeintliche Schweizer Treffer zählt nicht. Abseits. – «Füre jetzt, allez!», treiben die Fans die Spieler an. Erfolgreich, denn in der 53. Minute gleicht Xhaka zum 1:1 aus, grenzenloser Jubel, Abklatschen links, Umarmen rechts. Selbst ein sonst besonnener Vater hievt seinen Buben in die Höhe. Die Stimmung kocht ein erstes Mal hoch.

Beim Schweizer Siegtreffer gibt es bei den Fans im Bierlager kein Halten mehr

Beim Schweizer Siegtreffer gibt es bei den Fans im Bierlager kein Halten mehr

Für Burger und Bretzel interessiert sich nun definitiv niemand mehr. Jeder Zweikampf löst Emotionen aus, Jubel bei jedem Ballgewinn von Petkovics Mannen. Grosser Vorteil: Vom Smartphone ist keiner abgelenkt, zu schlecht ist der Handyempfang. Hie und da entladen sich auch Empörung und Zorn, vereinzelt wird der Mittelfinger in die Höhe gestreckt. Himmel und Hölle sind sich nahe. Die Serben vergeigen eine Chance, erleichtertes Durchatmen. Aber auch die Schweiz kommt zu Torschüssen, immer wieder brandet Applaus durchs Bierlager. «D’Serbe taumeled, los jetzt . . . Gas geh, Gas geh!»

Mit Jubelschreien in die Freinacht

Die Nachspielzeit läuft schon und dann «chlöpft’s». 2:1 für die Schweiz! Xherdan Shaqiri erlöst die Fans, es gibt kein Halten mehr. Jubelschreie, der Boden des Bierlagers bebt, einige tanzen auf ihren Bänken, Bierdusche. Selbst die Frauenfelder Stadträtin Elsbeth Aepli hat nur noch ein Strahlen übrig. Einige zücken ihr Smartphone für eine Erinnerung, grenzenloser Jubel. In 90 Minuten von der Talsohle auf den Gipfel. Endlich pfeift der Schiedsrichter zum Spielende, und der Druck fällt von den Fans ab, geht auf der Strasse das Gehupe der Korsos los. Freinacht, wohl nicht nur in der Kantonshauptstadt!

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