Kommentar
Schwarz-Peter-Spiel rund ums Aus des Motocross-GP bei Frauenfeld

Die Gemeinde Gachnang hat das Baugesuch für elf Sprünge ausserhalb der Bauzone für den Motocross-GP bei Frauenfeld unter anderem wegen fehlender Zonenkonformität abgelehnt. Dabei müsste die Thurgauer Regierung vielmehr Farbe bekennen und ihre eigens angekündigten Leitlinien festlegen, wie und in welchen Dimensionen temporäre Bauten ausserhalb der Bauzone ohne Baubewilligung erlaubt sein sollen. Andernfalls gefährdet sie traditionell verankerte Veranstaltungen.

Samuel Koch
Merken
Drucken
Teilen
Samuel Koch, Redaktor Ressort Frauenfeld & Untersee.

Samuel Koch, Redaktor Ressort Frauenfeld & Untersee.

Das Damoklesschwert ist gefallen, der Veranstalter des Motocross-GP in Niederwil muss die Ablehnung des Baugesuchs schlucken und womöglich ab sofort auf die Durchführung des grössten Motorsportanlasses des Landes verzichten.

Das Thema Motocross ist im Thurgau schon seit Jahren ein heisses Eisen, an welchem sich niemand seine Finger verbrennen will. Nun ist der Gemeinderat von Gachnang erneut in die Bresche gesprungen und hat den vielerorts unpopulären Entscheid im Sinne des föderalistischen Grundgedankens nach übergeordnetem Recht von Bund und Kanton umgesetzt.

Das politische Schwarz-Peter-Spiel mutet sich seltsam an, zumal der Regierungsrat noch im Frühjahr deutlich Flagge zeigte und zurecht ein ordentliches Baubewilligungsverfahren forderte. Dass er sich nun aus der Verantwortung stiehlt, ist nicht nachvollziehbar und erscheint, als wolle er sich dem Shitstorm der Motocross-Sympathisanten entziehen. Mit dem jetzigen Entscheid gefährdet die Regierung traditionell verankerte Anlässe wie die Crazy Night in Müllheim oder das Tractorpulling im Iselisberg.

Not tut lieber heute als morgen die vom Regierungsrat selbst angekündigten Leitlinien, wie und in welchen Dimensionen temporäre Bauten ausserhalb der Bauzone ohne Baubewilligung erlaubt sein sollen. Es braucht eine klare Trennlinie im bisher undurchsichtigen Graubereich. Denn das Volk kann nicht verstehen, wenn nicht für alle dieselben Regeln gelten.