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Schutzhütte für die Bilderflut im Steckborner Haus zur Glocke

Corina Rauer dominiert die Sommerausstellung im Haus zur Glocke mit einer berückenden ­Installation und Aquarellen. Das ist nicht alles – die Ausstellung beginnt am Samstag im ausgedienten Kioskhäuschen am Bahnhof.
Dieter Langhart
Neue Ausstellung im Haus zur Glocke: Judit Villiger steht zwischen Arbeiten von Corina Rauer – der temporären Schutzhütte und einigen Aquarellen aus der Serie «Ehrliches Handwerk». (Bilder: Dieter Langhart)

Neue Ausstellung im Haus zur Glocke: Judit Villiger steht zwischen Arbeiten von Corina Rauer – der temporären Schutzhütte und einigen Aquarellen aus der Serie «Ehrliches Handwerk». (Bilder: Dieter Langhart)

«Seit Jahren sammle ich Kunstkarten», sagt Judit Villiger und hält ein schräges Beispiel in der Hand: Ein Elefant, daneben ein Mann, der das Bild eines Schiffsrumpfs in Händen hält. Die Fotografie stammt von Ester Bättig. Dozentin Judit Villiger lernte sie als Kunststudentin kennen und fragte sich: Wo steht die Luzernerin Ester Bättig jetzt? Villiger nahm Kontakt auf und lud sie ein für die Sommerausstellung in ihrem Haus zur Glocke.

«Ich mache und zeige, was mich interessiert.» Judit Villiger hat ein Gespür für besondere Kunst. Sie hat zwei Künstlerinnen und ein Künstlerpaar ausgewählt, die es in sich haben. Und der Titel der Ausstellung trifft den Nagel auf den Kopf: «Woher die Bilder kommen».

«Ich bin an Prozessen interessiert», sagt Judit Villiger. Die drei unterschiedlichen Positionen beschreiben die Entstehung von Bildern und was das beim Betrachter auslöst. Sie gehen oft von Funden aus, die sie neu deuten.

Frauen erzählen stoffliche Geschichten

Judit Villiger, Besitzerin Haus zur Glocke.

Judit Villiger, Besitzerin Haus zur Glocke.

Die Tessinerin Aglaia Haritz und ihr Partner Abdelazziz Zerrou (er stammt aus dem Maghreb) sehen sich als Vermittler. Sie lassen Frauen rund ums Mittelmeer ihre Geschichte erzählen, gestickt und gewebt, und ergänzen das Traditionelle und Stoffliche durch Video und Ton. «Embroiderers of Actuality» nennen sie ihre Installation, etwa Ausschmücker des Jetzt. Kleine Irritationen weben sich zwischen das Kunsthandwerk.

«Schaffen, umlenken, darüber reden – das ist ein soziales Thema»:

So sieht Judit Villiger den Prozess, den Haritz und Zerrou auslösen. Entdeckt hat sie die Künstlerin in einer Ausstellung im Kunstzeughaus Rapperswil. Haritz hole die Frauen aus der Volkskunst heraus und bringe sie dazu, das zu sticken, das sie im Leben bewege. Dies führe zur Frage: «Was kann man mit Kunst auslösen?» Ähnlich wie bei der Werkstatt «Bosna Quilt», der Judit Villiger vor zwei Jahren Gastrecht gewährt hat.

Judit Villiger und Künstler Othmar Eder im Haus zur Glocke.

Judit Villiger und Künstler Othmar Eder im Haus zur Glocke.

Sie sah das alte Kiosk-Häuschen beim Bahnhof und dachte sich: «Da will ich Steckborn jenen vorstellen, die das Haus zur Glocke noch nicht kennen.» Sie mietete es bei den SBB und ersetzte die zerbrochenen Scheiben der zwei Vitrinen. Ester Bättig begrüsst die Ankommenden und verweist auf ihre Interventionen.

Sie verwendet im Haus vorgefundene Spuren für ihre installativen und leicht ironischen Arbeiten: Hier spielt sie mit einem Ofenrohr, da mit den Stützbalken im Mauerwerk. Judit Villiger sagt: «Für ihre Bildfindungen nimmt sie Beobachtungen auf, um sie mit spielerischer Absichtslosigkeit weiterzuspinnen.» Derart werde die Künstlerin selbst zu einer Art Resonanzkörper.

Kann uns die Kunst vor der Bilderflut retten?

Corina Rauer aber dominiert die Ausstellung. Im oberen Stock – zwischen dem alten Kachelofen und der Fensterfront – steht ein Gebilde aus Bildfragmenten. Wie ein Iglu, eine Schutzhütte gibt sich «How To» (etwa: So geht’s), als müssten wir uns mit Hilfe der Kunst vor der medialen Bilderflut retten. Die Bildinhalte überlappen sich teilweise, greifen auf die benachbarte Platte über oder verdecken wiederum andere. Das mit Schrauben zusammengehaltene Gebilde wirkt fragil und stabil zugleich – ob jemand in die Hütte kriechen mag?

An der Wand hängen einige Aquarelle aus Corina Rauers Serie «Ehrliches Handwerk». Auch hier verwendet die Künstlerin vorgefundene Bilder und setzt sie in irritierenden Kombinationen neu zusammen. Frappierendes Beispiel ist das eines Schützen, auf dessen monströses Maschinengewehr sich eine nackte Frau schmiegt. Ihr Kopf ragt ins Hirn des Schützen.

Irritierende Kombination: Der Schütze und die nackte Frau.

Irritierende Kombination: Der Schütze und die nackte Frau.

Vernissage: Sa, 15.6., 17 Uhr, Haus zur Glocke, Seestrasse 91; bis 6.7. Reiches Rahmenprogramm auf www.hauszurglocke.ch

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