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Schulpräsident äussert sich zu den Turbulenzen beim Frauenfelder Timeout-Angebot

Die Frauenfelder Schulgemeinde durchlebt turbulente Zeiten. Ab dem neuen Schuljahr wird es für problematische Oberstufen Schüler keine Sonderklasse mehr geben. Schulpräsident Andreas Wirth spricht über die Gründe und sagt, wie es mit dem Angebot weitergehen soll.
Rahel Haag
Franziska Stöckli arbeitet mit ihren Schützlingen in der Frauenfelder Time-out-Klasse. (Bild: Nana do Carmo, 12 Dezember 2013)

Franziska Stöckli arbeitet mit ihren Schützlingen in der Frauenfelder Time-out-Klasse. (Bild: Nana do Carmo, 12 Dezember 2013)

Vergangenen Monat teilte die Sekundarschulbehörde mit, dass die Timeout-Klasse während des ersten Semesters des Schuljahres 2018/2019 geschlossen bleibt, weil das Personal gekündigt hat. Die Rede ist von Spannungen mit der zuständigen Schulleitung. Das Timeout bietet Jugendlichen, die sich in ihrer Klasse nicht mehr zurechtfinden, den Sinn der Schule aus den Augen verloren haben oder in eine persönliche Notsituation geraten sind, die Chance auf einen Neuanfang. Das Angebot existiert seit 2007.

Warum wird die Timeout-Klasse geschlossen?

Die vorübergehende Schliessung hat damit zu tun, dass die Lehrpersonen erst im April gekündigt haben. Wir müssen Lehrpersonen finden, die einerseits dazu passen und andererseits das entsprechende Know-How mitbringen. Das ist wichtig, um die Jugendlichen, die keinen einfachen Hintergrund haben, führen zu können.

Sie fanden also keine passenden Lehrpersonen?

Wir haben die Stellen sofort ausgeschrieben, aber wir mussten feststellen, dass wir in so kurzer Zeit kein geeignetes Team finden, mit dem wir hätten starten können. Wir müssen 180 Stellenprozent neu besetzen. Es braucht ein Team, bei dem man weiss, dass es passt. Sonst funktioniert es nicht. Wir wollten nicht einfach Irgendjemanden einstellen.

Wann werden die Stellen erneut ausgeschrieben?

Das können wir noch nicht genau sagen. Voraussichtlich im Spätsommer oder im Herbst. Auf diese Weise wäre der Zeitdruck geringer. Ich habe aber keine Angst, dass wir keine Lehrpersonen finden. Das Ziel ist klar: Wir wollen die Timeout-Klasse im Januar wieder aufmachen. Immer unter der Voraussetzung, dass wir geeignete Personen für diese Aufgabe finden.

Sind nebst den personellen Veränderungen noch weitere Anpassungen geplant?

Schulpräsident Andreas Wirth: «Wir wollen nicht einfach irgendjemanden anstellen.»

Schulpräsident Andreas Wirth: «Wir wollen nicht einfach irgendjemanden anstellen.»

Die Unterbrechung ist eine Möglichkeit, das Konzept des Timeouts nochmals anzuschauen. Das Angebot beruht auf den drei Säulen Familiencoaching, Unterricht und Projektarbeit. Dies wollen wir so beibehalten. Während fast zehn Jahren hatten wir damit grossen Erfolg. Das hing aber auch stark von der Klassenlehrperson ab, die wir hatten. Timeout-Leiterin Franziska Stöckli hat mit riesigem Engagement das erfolgreiche Projekt «Kunst statt Krawall» aufgebaut, das zu einer Marke geworden ist. Dieses Projekt kopieren zu wollen, ist kaum möglich und nicht sinnvoll, weil es eine Kopie bleiben würde.

Inwiefern?

Man kann das beste Konzept haben, am Ende hängt es aber von den Menschen ab. Es geht darum, welche Ideen sie haben und wie sie diese umsetzen.

Sie haben mitgeholfen, das Angebot aufzubauen. Tut es Ihnen weh, dass es jetzt so herausgekommen ist?

Es ist schade, dass wir das Timeout momentan nicht anbieten können. Es ist allerdings kein zwingend notwendiger Teil unserer Schule. Dennoch ist es mir wichtig, dass es dieses Angebot in Zukunft wieder geben wird. Das Timeout geniesst einen guten Ruf.

In der jüngsten Vergangenheit gab es aber auch kritische Stimmen.

In Frauenfeld gehen rund 3000 Kinder zur Schule. Da ist nur logisch, dass es auch Leute gibt, die mit dem einen oder anderen nicht einverstanden sind, wie wir das machen. Ich weiss aber von vielen Schülern, die das Timeout durchlebt haben und anschliessend einen guten Weg gemacht haben. Im Rahmen dieses Angebots erfahren sie, was es heisst, Erfolg zu haben. Das ist etwas ganz Wesentliches in diesem System. Diese Erfahrung kann motivieren. So merken sie, dass sich Einsatz und Engagement lohnt. Das hat Franziska Stöckli vorgelebt.
Einige sagen, dass sie das Timeout zu dem gemacht hat, was es ist.
Das ist so. Sie hat hier einen riesigen Anteil am Erfolg des Timeouts. Es hat stark von ihr gelebt, weil sie mit ihrem Engagement und ihrer Vorbildfunktion viel bewirken konnte.

Man hört, es gab Spannungen zwischen den Lehrpersonen und der Schulleitung. Daraufhin hat Stöckli gekündigt.

Aus Persönlichkeitsschutzgründen kann ich dazu nicht mehr sagen. Ich darf aber sagen, dass wir diese Situation angeschaut und im Frühling ein Behördenmitglied als Schulleitung eingesetzt haben. Die Kündigung ist erst danach eingegangen. Spannungen gibt es in jedem Betrieb. Wo Menschen zusammenarbeiten ist dies normal.

Zuvor war der Vertrag eines Fachlehrers nicht verlängert worden. Dagegen hat er Rekurs eingelegt.

Dazu kann ich nichts weiter sagen. Befristete Anstellungen haben es in sich, dass sie auslaufen.

Im April kündigte auch die Schulleitung. Hätte man in dieser Zeit nicht auf die Lehrpersonen zugehen und das Timeout noch retten können?

Das Timeout ist nicht verloren, es geht weiter. Die Frage ist, ob man Angestellte, die gekündigt haben, zurückholen soll. Mit dem Einreichen und Kommunizieren der Kündigung hat man sich entschieden, einen anderen Weg zu gehen. Jemanden dann zurückzuholen, das machen die wenigsten Betriebe, weil man innerlich gekündigt hat.

Wie gehen Sie als Schulpräsident vor, wenn Sie von Spannungen zwischen Lehrpersonen und der Schulleitung erfahren?

Wir haben elf Schulleitungen, rund 3000 Kinder und 480 Lehrpersonen, insgesamt 700 Mitarbeitende. Da gibt es immer wieder Situationen, die nicht einfach sind. Das muss man sich bewusst sein. Wesentlich ist es, dass man sie bearbeitet und hoffentlich auch klären kann. Weil nicht alle am selben Standort arbeiten, werden Probleme oft erst relativ spät an einem herangetragen. Bei den Menschen, mit denen ich täglich zusammenarbeite, ist das etwas anderes. Hier weiss ich genau, was läuft. Hinzu kommt, dass es in einem Konflikt immer zwei Seiten gibt. Da ist es schwierig zu sagen, wo die Wahrheit liegt. Nicht der erste, der ruft, hat automatisch recht.

Auf Ende Schuljahr haben gleich drei Schulleitungen gekündigt. Zwei waren je zwei Jahre, die dritte Person war ein nur Jahr im Amt. Ist der Job so unattraktiv?

Das glaube ich nicht. Ich denke, es handelte sich hierbei um persönliche Entscheide. Die Schulleiterin der Schulanlage Ost und des Timeouts, hat die Möglichkeit, in ihrem Wohnort eine Stelle anzutreten. Ich betone, dass ich es schade finde, wenn jemand nach einem Jahr wieder geht. Das ist für die Schule nicht angenehm. Die Schulleiterin der Schulanlage Herten wird dagegen weiter für uns arbeiten, aber in einer anderen Funktion. Sie wird eine Ausbildung zur Heilpädagogin absolvieren. Ihr war es wichtig, wieder enger mit den Kindern und Jugendlichen zusammenzuarbeiten.

Was muss sich künftig ändern, um zu verhindern, dass Schulleitungen nach nur einem Jahr kündigen?

Am besten ist, wenn erfahrene Personen gefunden werden. Sie kennen die Aufgaben und wissen, was auf sie zukommt. Der Punkt ist leider, dass der Markt ausgetrocknet ist. Die entscheidende Frage für mich lautet deshalb: Wie können die Schulgemeinden gute Leute finden und nachziehen? Ich glaube, das ist ein Thema, das die Schulgemeinden eine Zeit lang vernachlässigt haben. Bei der Einführung hat man grossen Effort betrieben. Damals hat der Kanton noch die Ausbildung bezahlt. Danach wurde die Suche vielerorts vernachlässigt. Aus meiner Sicht gibt es heute zu wenig Nachwuchs. Hier sind die Schulgemeinden gefordert, geeignete Personen zu finden.

Welche Eigenschaften muss eine gute Schulleitung mitbringen?

Als Schulleiterin oder Schulleiter darf man nicht zu harmoniebedürftig sein. Man hat viele verschiedene Anspruchsgruppen, wie Eltern und Lehrer, die auf einen einwirken. Man kann nie allen gerecht werden. Das muss einem bewusst sein und damit muss man umgehen können. Man seht in der Öffentlichkeit, auch das ist nicht immer ganz einfach.

Sie sind seit 14 Jahren im Amt. Ist 2018 ein schwieriges Jahr?

Ich würde sagen, es ist ein Jahr, das uns mehr gefordert hat als andere. Wir konnten noch nicht alle Schulleitungsstellen definitiv besetzen. Wir gehen gleich vor, wie beim Timeout. Wir besetzen die Stellen erst wieder, wenn wir sagen können: Hinter diesen Personen können wir stehen. Bis dahin arbeiten wir mit Zwischenlösungen. In der Schulanlage Herten haben wir mit Sandra Mosberger eine gute Lösung gefunden. Der Vorteil ist, dass sie bereits Erfahrung in der Schulleitung hat. Ich bin überzeugt, dass sie ihre Sache gut machen wird.




Unzufriedene Eltern gründen eine Interessengemeinschaft

Die Timeout-Klasse ist an der Lachenackerstrasse 10 in Frauenfeld zu finden. Das Angebot bietet Platz für maximal acht Schülerinnen und Schüler. Hauptziel sind die Reintegration in die Herkunftsklasse ebenso wie die Analyse der Gesamtsituation. Diese schliesst die Familienstrukturen und das persönliche Umfeld mit ein. Das Angebot richtet sich an Jugendliche aus dem Einzugsgebiet Westthurgau. Im Thurgau gibt es nebst der Timeout-Klasse in Frauenfeld ein weiteres Angebot dieser Art in Kreuzlingen. Es nennt sich «Befristete Externe Lernschulung», kurz BEL.
Nicht alle Eltern, deren Kinder die Timeout-Klasse in Frauenfeld besuchen, sind überzeugt von dem Angebot. Vergangene Woche berichtete «20 Minuten» über den Fall eines 14-jährigen Buben. Er sei aufgrund einer Sprachnachricht in einem Klassenchat ins Timeout geschickt worden. Dort habe er sich bestraft und abgeschoben gefühlt. Seine Eltern beschreiben das Angebot im Artikel als Bootcamp, in dem ein strenges Regime herrsche. Ihr Sohn besucht unterdessen eine Privatschule. Zudem haben die Eltern die Interessengemeinschaft IG Eltern Thurgau gegründet. (rha)

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