Die Thurgauer Lehrer freuen sich über den Exit-Plan des Bundesrats – der Gewerbeverband äussert auch Kritik

Im Mai kehren die Kinder zurück ins Schulzimmer. Für Risikopersonen müssen dort besondere Vorkehrungen überlegt werden. Bereits Ende April dürfen die ersten Geschäfte wieder öffnen. Dass die KMU-Detailisten bis am 11.Mai warten müssen, kann der Thurgauer Gewerbeverband nicht verstehen.

Silvan Meile, Larissa Flammer
Drucken
Ab dem 11. Mai kehren Kinder zurück in die Schulzimmer.

Ab dem 11. Mai kehren Kinder zurück in die Schulzimmer.

Bild: Gaetan Bally/Keystone
Anne Varenne.

Anne Varenne.

Bild: Thi My Lien Nguyen

Bildung Thurgau macht einen Haken hinter die Neuigkeiten aus Bern. «Ich habe gehofft, dass es im Mai soweit ist.» Anne Varenne wertet den am Donnerstag kommunizierten Entscheid des Bundesrates positiv, dass die Schulen ab dem 11. Mai wieder öffnen sollen.

Die «Thurgauer Zeitung» erreichte die Präsidentin des Dachverbands der Thurgauer Lehrerinnen und Lehrer kurz vor einer Sitzung mit Bildungsverantwortlichen im Kanton. Auch Erziehungsdirektorin Monika Knill nahm daran teil. Dabei wurde am Donnerstagabend aus aktuellem Anlass diskutiert, wie die Öffnung der Schulen konkret angegangen werden soll.

Plexiglasscheiben und Masken im Schulzimmer?

Für Anne Varenne ist klar, dass am 11. Mai nach dem Corona-Lockdown nicht einfach zum bisherigen gewohnten Schulbetrieb gewechselt werden kann. Denn auch unter den Lehrpersonen sowie den Schülerinnen und Schülern gebe es besonders gefährdete Risikopersonen. Um sie zu schützen, wären gemäss Varenne die Installation von Plexiglasscheiben oder das Tragen von Masken denkbar, neben der Einhaltung der weiterhin gültigen Massnahmen des Bundesamtes für Gesundheit.

Denn es soll möglichst schnell für alle Kinder der Volksschule Präsenzunterricht erteilt werden. Varenne sagt:

«Es ist für Lehrpersonen nicht leistbar, gleichzeitig Fernunterricht und Präsenzunterricht vorzubereiten, geschweige denn diese gleichzeitig durchzuführen.»

Aus Sicht des Lehrerverbands müssten im wieder aufgenommenen Präsenzunterricht jene Schülerinnen und Schüler besondere Aufmerksamkeit erhalten, die Probleme mit ihren schulischen Leistungen haben, zu Hause im Fernunterricht wenig Unterstützung erfuhren oder in den eigenen vier Wänden schlicht keinen ruhigen Platz zum Lernen hatten.

«Wenn sich drei Kinder ein kleines Zimmer teilen, ist konzentriertes Arbeiten ohne Unterstützung der Eltern eher schwierig», sagt Varenne. Für diese Kinder seien eine enge Betreuung und die Möglichkeit, jederzeit Fragen stellen zu können, besonders wichtig, um die Chancengleichheit zu fördern.

Trotz der ersten angekündigten Lockerungen des Bundesrates und der Öffnung der Schulzimmer: Anlässe wie Schulreisen oder Projektwochen dürften in diesem Frühsommer eher kaum durchgeführt werden können.

Gewerbe fordert frühere Erlaubnis für Detailhandel

Der Thurgauer Gewerbeverband (TGV) ist mit den Beschlüssen des Bundesrates, schrittweise zur Normalität zurückzukehren, nur teilweise zufrieden. So steht es in einer Medienmitteilung von Donnerstagabend. TGV-Präsident Hansjörg Brunner sagt auf Anfrage: «Ich bin sehr froh, dass einzelne Geschäfte am 27.April wieder aufmachen dürfen.» Das sei bitter nötig.

Hansjörg Brunner.

Hansjörg Brunner.

Bild: Andrea Stalder

Sehr enttäuscht ist Brunner allerdings, dass der KMU-Detailhandel noch bis am 11.Mai geschlossen bleiben muss. Vor allem, da die Grossverteiler ab dem 27.April wieder alle ihre Produkte anbieten dürfen. «Die dürfen Kleider, Schuhe oder Papeterieartikel verkaufen, aber die Kleidergeschäfte, Buchhandlungen und Papeterien müssen noch geschlossen bleiben», sagt Brunner. Er stört sich daran, dass nicht gleich gewichtet wird. In der Medienmitteilung des Verbands heisst es:

«Das Thurgauer Gewerbe erwartet, dass der Bundesrat diesen Fehlentscheid auf dem Rücken der kleinen Geschäfte rasch korrigiert.»

Bezüglich der Schutzkonzepte zu Hygiene und Abstand, die Läden aufweisen müssen, wenn sie wieder öffnen wollen, hat Brunner keine Bedenken: «Die Branchenverbände sind zum Teil schon länger daran, solche auszuarbeiten.» Er traue ihnen absolut zu, diese nun umzusetzen.

Wichtig sei ein sauberer Lehrabschluss

Dass es diesen Sommer keine schulischen Lehrabschlussprüfungen geben wird, hat das Gewerbe erwartet. Gemäss Brunner haben die Sozialpartner an dieser Lösung mitgearbeitet. Er sagt: «Wichtig ist, dass es – wo es möglich ist – praktische Prüfungen gibt.» Und dass die Lehrlinge einen sauberen Lehrabschluss machen können. Der Gewerbepräsident ist sich sicher:

«Auch die Erfahrungsnote über drei oder vier Jahre sagt viel aus.»

Dass die Thurgauer Unternehmen Schwierigkeiten haben werden, Bewerber ohne schulische Abschlussprüfung zu beurteilen, glaubt Brunner nicht. Er sagt: «Jede Branche wird eine für sie passende Lösung dafür finden.»