Schützen aus Thundorf und Lustdorf heiraten nach 130 Jahren Trennung

Die Schützen von Thundorf und Lustdorf spannen zusammen und gründen den Verein Schützen Thunbachtal. Damit schliesst sich ein Kreis, den schon zwischen 1860 und 1885 gab es eine gemeinsame Schützengesellschaft.

Evi Biedermann
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Der künftige Präsident des Vereins Schützen Thunbachtal, Marco Meier, und der ehemalige Präsident der Schützengesellschaft Thundorf, der mit Lustdorf fusioniert, Urs Badertscher, posieren im Schützenhaus Thundorf. (Bild: Reto Martin)

Der künftige Präsident des Vereins Schützen Thunbachtal, Marco Meier, und der ehemalige Präsident der Schützengesellschaft Thundorf, der mit Lustdorf fusioniert, Urs Badertscher, posieren im Schützenhaus Thundorf. (Bild: Reto Martin)

Gemeinsame Sache machen sie schon lange, das geht aus den Vereinschroniken der beiden Schützengesellschaften hervor. Nun aber machen die Schützen von Thundorf und von Lustdorf Nägel mit Köpfen und schliessen sich zum Verein Schützen Thunbachtal zusammen.

Schliesslich schiessen die Lustdorfer bereits seit 1994 auf der Schiessanlage der benachbarten Thundorfer, und 1997 führten die beiden Vereine erstmals gemeinsam ein Schützenfest durch. Anlass war die Inbetriebnahme der neuen elektronischen Schiessanlage in Thundorf und die Einweihung der neuen Schützenstube.

Blättert man noch weiter zurück, stösst man gar auf einen gemeinsamen Anfang 1860, dem Gründungsjahr der Feldschützen-Gesellschaft Thundorf-Lustdorf. Eine Schiessanlage existierte damals noch nicht, geschossen wurde jeweils auf den Grundstücken der Mitglieder, wobei ein «Markenbub» für 20 Rappen pro Einsatz unliebsame Störenfriede vom Gelände fernhielt.

Der Scheidungsgrund ist nicht bekannt

1885 wollten sich die Lustdorfer von den Thundorfern loslösen, der Antrag wurde jedoch an der Versammlung abgelehnt. Zwei Jahre später kam es dann doch dazu. Die Gründe für die Trennung sind im Protokoll nicht festgehalten, schreibt die Bürgergemeinde in ihrer 1982 erschienenen «Ortsgeschichte von Thundorf». Dass sich die beiden Vereine nun wieder zusammenschliessen, liegt einem natürlich gewachsenen Prozess zugrunde.

Ein Zusammenschluss sei immer wieder Thema gewesen in den letzten Jahren, sagt Roland Schär, einer der früheren Präsidenten von Thundorf. «Jetzt sind alle bereit dafür.» Vermutlich seien die Jungen die treibenden Kräfte gewesen, sagt Schär. Die Jungschützenkurse würden ja schon seit längerem gemeinsam geführt. Ebenso das Jubiläumsschiessen und das Berchtoldschiessen.

Einer der grössten Vereine der Region Frauenfeld

Hans Badertscher (92) ist ein Veteran «mit dem Schützen-Gen im Blut».

Hans Badertscher (92) ist ein Veteran «mit dem Schützen-Gen im Blut».

Mit der Fusion schliesst sich nun der Kreis. Der neue Verein wird mit rund 80 Mitgliedern – 55 davon mit Lizenz – nicht nur einer der grössten im Schützenverband Region Frauenfeld, sondern weist auch das älteste Ehrenmitglied aus. Der 92-jährige Hans Badertscher kam 1959 nach Thundorf. «Mit dem Schützen-Gen im Blut», ergänzt der Abkömmling einer Schützenfamilie aus Weckingen schmunzelnd.

Seither hat er viel Pulver verschossen, manchen Kranz geholt und war zehn Mal am historischen Morgartenschiessen mit dabei. «Ein Höhepunkt in meinem Schützenleben», sagt der heute nicht mehr aktive Veteran. Beide Schützengesellschaften gelten als engagierte und erfolgreiche Vereine. Diesen Ruf wollen sie nun mit vereinter Stärke verteidigen. «Wir werden auch als neuer Verein einiges in der Schützenwelt bewegen und sportliche Erfolge erzielen», erklärt Marco Meier, designierter Präsident der Schützen Thunbachtal selbstbewusst.

Hinweis:
Die Gründungsversammlung des neuen Vereins Schützen Thunbachtal findet heute Abend, 19.30 Uhr, im Restaurant Harmonie in Thundorf statt. Die neue Website ist bereits aufgeschaltet und unter der Adresse www.schuetzen-thunbachtal.ch