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Schnipp, schnapp – alte Zöpfe ab: Die Frauenfelder Werkbetriebe machen sich bereit für die Gasmarkt-Öffnung

Fertig Tradition: Seit diesem Jahr verrechnen die Werkbetriebe Frauenfeld neue Gasanschlüsse vollumfänglich zu Lasten der Auftraggeber.
Mathias Frei
Der Eingangsbereich des Areals der Frauenfelder Werkbetriebe. (Bild: Reto Martin)

Der Eingangsbereich des Areals der Frauenfelder Werkbetriebe. (Bild: Reto Martin)

Erdgas first. Das gilt, reglementarisch geregelt, zumindest für die Anschlusskosten. Die entsprechende Praxis ist aber seit Ende 2018 Geschichte. Wie der städtischen Verordnung für den Betrieb der Strom-, Erdgas- und Wasserversorgung (Artikel 96) zu entnehmen ist, gehen die Anschlusskosten ans Gasnetz «in der Regel vollumfänglich zu Lasten des Auftraggebers». Aber:

«Die Werkbetriebe Frauenfeld können sich nach ihrem Ermessen im Einzelfall an diesen Kosten beteiligen.»

Im Gegensatz dazu gibt es diese Möglichkeit bei der Elektrizitäts- und Wasserversorgung nicht – keine Ermessensfrage im Einzelfall.

Michael Pöll, Gemeinderat Grüne Partei. (Bild: PD)

Michael Pöll, Gemeinderat Grüne Partei. (Bild: PD)

Dem Grünen-Gemeinderat Michael Pöll ist diese Möglichkeit der vergünstigten Gasanschlüsse aufgefallen. In einer Einfachen Anfrage mit dem Titel «Kosten von Erdgasanschlüssen» hält er fest, dass Erdgas wie Erdöl ein fossiler Energieträger sei und bei der Wahl des Heizsystems so «in direkter Konkurrenz zu umweltfreundlichen Wärmepumpen» stehe. «Die Kosten für einen Erdgasanschluss sind darum bei der Energiesystemwahl ein wichtiges Entscheidungskriterium.»

«Aus der Tradition heraus geborene Praxis»

Peter Wieland, Leiter Werkbetrieb. (Bild: PD)

Peter Wieland, Leiter Werkbetrieb. (Bild: PD)

Auch in Frauenfeld standen Erdgasheizungen noch bis vor nicht allzu langer Zeit in Konkurrenz zu mit Erdöl betriebenen Heizungen. «Sicher seit 2004, wahrscheinlich schon früher, haben die Werkbetriebe Beteiligungen an den Gasanschlusskosten über die Marge des Netzes refinanziert», erklärt Peter Wieland, Leiter der Werkbetriebe Frauenfeld (WBF). Er spricht von einer Praxis, die «aus der Tradition heraus geboren» sei.

«Das war also keine Subvention von Gasanschlüssen, sondern vielmehr eine Umlagerung der Kosten.»

Will heissen: Die WBF zahlten nicht drauf, sondern holten die teilvorfinanzierten Anschlüsse über die Gebühren wieder rein. Diese Praxis habe man aber per Ende 2018 eingestellt, sagt Wieland. Ein wichtiger Grund dafür sei die Gasmarktöffnung, bei der sich die Frage nicht mehr stellt, ob sie kommt, sondern wann. Daneben habe der Einfluss von Ölheizungen so abgenommen, dass der Wettbewerbsvorteil für Erdgasheizungen nicht mehr notwendig sei.

Wie der stadträtlichen Antwort auf Pölls Einfache Anfrage zu entnehmen ist, wurden zwischen 2015 und 2018 gesamthaft 97 neue Erdgasanschlüsse installiert. Bei den elf Anschlüssen für Neubauten, darunter zwei grössere Überbauungen, wurden die Kosten nach Aufwand voll verrechnet. Bei Neubauten würden Ölheizungen keine Rolle mehr spielen, sagt WBF-Leiter Wieland.

Aus der Vogelpersepktive: das Areal der Werkbetriebe Frauenfeld. (Bild: Reto Martin)

Aus der Vogelpersepktive: das Areal der Werkbetriebe Frauenfeld. (Bild: Reto Martin)

Kostenbeteiligungen gab es indes bei Neuanschlüssen im Rahmen von Strassensanierungen und bei Heizungssanierungen. Bei Strassensanierungen lag der Aufwand für die 14 neuen Anschlüssen zwischen 1120 und 12468 Franken. Verrechnet wurden zwischen 919 und 2272 Franken. Bei Heizungssanierungen wurden 72 neue Anschlüsse gemacht. Die Kosten nach Aufwand lagen zwischen 1172 und 27045 Franken. Die Auftraggeber mussten zwischen 1162 und 3121 Franken zahlen.

Mit Blick Richtung Gasmarktöffnung brauchen die WBF laut Wieland sowieso neue gesetzliche Vorgaben, die der Gemeinderat bewilligt. Konkret geht es um ein neues Gas-Gebührenreglement. Einerseits gibt es heute zum Beispiel keinen spezifischen Heiztarif beim Gas. Im Heizungsbereich streben die WBF bekanntlich bis 2030 einen Biogas-Anteil von 30 Prozent an. Andererseits ist das Zertifizieren von Biogas sehr aufwendig.

Für die Zukunft Power-to-Gas

Wie Gemeinderat Michael Pöll auf Anfrage sagt, hat sich die Thematik der vergünstigten Erdgasanschlüsse mit dem Einstellen dieser Praxis und mit der Beantwortung seiner Einfachen Anfrage soweit erledigt. Vordringlich bleibe aber das Ablösen fossiler Energieträger. Power-to-Gas, also das Erzeugen von Brenngas zum Beispiel aus Solarstrom, könnte für den Grünen-Vertreter Pöll ein für die Zukunft gangbarer Weg sein, um die gut ausgebaute Frauenfelder Gasinfrastruktur weiterhin nutzen zu können.

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