Schlussstrich unter Galerie Rutishauser in Frauenfeld

Nach elf Jahren schliesst Stefan Rutishauser aus wirtschaftlichen Gründen seine Galerie in Frauenfeld – aber kündet neue Kulturprojekte an.

Mathias Frei
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Inmitten seiner Werke: Galerist Stefan Rutishauser ist auch Kunstschaffender. (Bild: Andrea Stalder (4. Februar 2016))

Inmitten seiner Werke: Galerist Stefan Rutishauser ist auch Kunstschaffender. (Bild: Andrea Stalder (4. Februar 2016))

Kultur muss Lust sein, keine Last. Stefan Rutishauser ist ein lustvoller Kulturmensch. Der Frauenfelder ist bildender Künstler, programmiert die Konzerte in der Eisenbeiz mit, gehört zum Trio, das hinter dem Altstadtfestival «Musig i dä Stadt» steht – und betreibt eine Galerie am Marktplatz.

Doch mit der Galerie Stefan Rutishauser ist bald schon Schluss. Ende September hat die letzte Schau bei Rutishauser Finissage gefeiert, «GROSS/klein» in Zusammenarbeit mit der Stadtgalerie Baliere. Den Galeriebetrieb stellt er per Ende Jahr ein.

«Der Entscheid ist lange und gut überlegt», sagt Rutishauser. Bedauern klingt mit. «Der Pfuus ist draussen.» Die Ausstellungen seien zwar stets sehr gut besucht gewesen mit durchschnittlich rund 200 Gästen.

«Aber der Verkauf von Werken ging in den vergangenen Jahren so schmerzhaft zurück, dass sich das Betreiben einer Galerie aus wirtschaftlicher Sicht nicht mehr lohnt.»

Ein erstes Mal sei er bei der Buchhaltung fürs Jahr 2015 ins Grübeln gekommen. «Dabei war mein Ziel immer eine schwarze Null. Mir war immer bewusst, dass ich nicht reich werden konnte mit einem Galeriebetrieb.»

Elf Jahre, 42 Ausstellungen und 148 Künstler

2008 hatte Rutishauser angefangen. Seither gingen bei ihm 42 Ausstellungen über die Bühne mit insgesamt 148 Kunstschaffenden. Er hatte eine gute Hand für spannende, bisweilen auch herausfordernde Kunstpositionen. Der 52-Jährige legte immer Wert auf Side-Events, um den Künstlern mehr Publikum zu verschaffen. Lange setzte er auf Konzerte und Lesungen, in jüngster Vergangenheit lud er oft zu «Gesprächen bei Brot & Wein». Das funktionierte.

Leider aber machte der galoppierende Kunstmarkt Rutishauser und anderen kleinen Galeristen einen Strich durch die Rechnung. Für die bekanntesten Künstler explodieren die Preise. Die kleinen, unbekannten Kunstschaffenden dagegen verkaufen in der Tendenz immer weniger. Was die Galerien trifft, die von der Beteiligung am Verkaufserlös leben müssen. In Zürich gibt es Galerien, die 50 Prozent oder mehr einsacken. In Frauenfeld ist das nicht möglich. Rutishauser hatte dieselbe festgelegte Beteiligung wie zum Beispiel die Stadtgalerie Balierie.

«Natürlich hätte ich meine Verkaufsbeteiligung erhöhen können. Aber das wollte ich zu Gunsten der Künstler nicht machen.»

Vielmehr habe er mit der Galerie Frauenfeld beleben wollen, sagt er. Eine andere Möglichkeit wäre gewesen, Kulturförderung der öffentlichen Hand oder von Privaten zu beantragen. Auch hierbei war Rutishauser sehr zurückhaltend. In den elf Jahren liess er sich als Galerist genau viermal unterstützen, davon zweimal für Rahmenprogramm-Konzerte.

Galerieräumlichkeiten dienen neu als Freiraum

Der Standort Frauenfeld sei an sich nicht schlecht, sagt er, das Publikum interessiert. Aber die älteren Ausstellungsbesucher seien ihre Sammlungen nicht weiter am Aufstocken. «Und die Jungen stecken ihr Geld wohl lieber in andere Sachen.»

Die Galerieräumlichkeiten an der Marktstrasse 6 wird Rutishauser weiterhin nutzen, «nun einfach für mich als Freiraum». Er sagt:

«Ohne Kultur kann ich nicht.»

Erzählt, dass er Ideen für neue Projekte hat. Konkret werden will er aber noch nicht. Einen, den Rutishauser als Galerist kennen und schätzen gelernt hat, ist der St.Galler Tausendsassa Manuel Stahlberger. Und der sang einst: «Jedä Scheiss isch ä Chance.»