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Schlussbericht zur Freistellung des Prorektors an der PHTG bemängelt fehlende Vermittlungsbemühungen

Im Konflikt in der Führungsebene der Pädagogischen Hochschule (PH) Thurgau wurde der langjährige Prorektor Matthias Begemann zum Schutz der Rektorin entlassen. Das hält die Geschäftsprüfungs- und Finanzkommission in ihrem Untersuchungsbericht fest. Bemühungen um eine andere Lösung seien zu wenig angegangen worden.
Silvan Meile
Dominik Diezi, Leiter der Untersuchung rund um die Pädagogische Hochschule, präsentiert den Schlussbericht. (Bild: Andrea Stalder)

Dominik Diezi, Leiter der Untersuchung rund um die Pädagogische Hochschule, präsentiert den Schlussbericht. (Bild: Andrea Stalder)

Was führte zum Knall an der Pädagogischen Hochschule Thurgau (PH)? Auf der einen Seite steht die Rektorin, die nicht mit fachlichen Argumenten überzeugen kann. Auf der anderen Seite ist der Prorektor, der sich quer legt, seine Standpunkte über die Loyalität zur Vorgesetzten stellt. Ein solches Bild zeichnet der Untersuchungsbericht der Geschäftsprüfungs- und Finanzkommission des Grossen Rates (GFK). Vizepräsident Dominik Diezi stellte diesen am Mittwoch in Frauenfeld vor.

Der Prorektor Matthias Begemann, welcher die Hochschule wesentlich prägte und grosses Ansehen geniesst, habe eine Selbstgewissheit an den Tag gelegt, die «religiöse Züge» angenommen hätte. Diezi sagt:

«Er hatte die Neigung – vorsichtig ausgedrückt – keine Konzessionen zu machen.»

Rektorin Priska Sieber ihrerseits hinterlasse «den Eindruck einer gewissen Hilflosigkeit», steht im Bericht. Statt den Versuch zu unternehmen, den Konflikt zu lösen, schaltete sie den Hochschulratspräsidenten ein, was einige Monate später, im November 2018, zur Freistellung des Prorektors führte.

Hochschulratspräsident Hans Munz sowie Hochschulratsmitglied und Personalfachmann Matthias Mölleney «sahen ihre Aufgabe offenkundig einzig und alleine darin, Priska Sieber vor dem einflussreichen Prorektor zu schützen». Sie setzten Begemann eine Frist, um die offenen Fragen mit der Rektorin zu bereinigen.

"Keine Vermittlungsbemühungen erkennbar"

«Das war nicht zielführend», sagt Diezi. Begemann war noch gesundheitlich angeschlagen. Wer einem Kontrahenten in einer solchen Situation den Auftrag gebe, das Problem selbst zu lösen, nehme das grosse Risiko in Kauf, keinen Schritt weiterzukommen. Vermittlungsbemühungen seien keine erkennbar. Begemann selber habe solche noch initiiert.

«Sporadisch» sei Regierungsrätin Monika Knill über die Entwicklungen informiert worden, ist im Bericht zu lesen. Die anderen Hochschulratsmitglieder seien zehn Tage vor dem Freistellungsentscheid, den sie einstimmig durchwinkten, über den Konflikt in Kenntnis gesetzt worden.

Aus rechtlicher Sicht gäbe es aber «nichts zu beanstanden», kommt die GFK zum Schluss. Dass der Prorektor nach der Freistellung noch 26 Monate Lohn bezieht, sei aufgrund seines Arztzeugnisses zulässig, erklärt Diezi.

Der Konflikt wurde unter dem Deckel gehalten

Der Untersuchungsbericht macht deutlich, dass selbst die anderen Mitglieder der Hochschulleitung geschweige denn die Mitarbeiter der PH nicht wussten, wie sehr der Konflikt zwischen Rektorin und Prorektor eskalierte. Dass Sieber den Ball sehr früh an den Hochschulratspräsidenten weitergab, sei «nicht zweckmässig» gewesen. Diezi sagt:

«Man hätte vorher mehr Zeit und Energie aufwenden müssen.»

Zumindest innerhalb der Hochschulleitung hätte der Konflikt thematisiert werden müssen. Es existierten aber keine Protokolle, schriftliche Festlegungen oder Abmahnungen. Auch sei kein Versuch unternommen worden, externe Hilfe zu holen. Aufgrund dieses Vorgehens lasse sich das grosse Erstaunen und Unverständnis innerhalb der Hochschule erklären. Nicht weniger als zwei Drittel der Belegschaft arbeiteten im Prorektorat von Begemann. Seine sofortige Entlassung führte zu Protestschreiben und Forderungen nach einer Untersuchung. Sogar Protestkündigungen gingen ein.

Dass die Freistellung zu einer Spaltung in der Hochschule führte, sei bei der Freistellung schlicht unterschätzt worden, sagt Diezi. Seiner Meinung nach hätte das «mit etwas mehr gutem Willen» verhindert werden können.

«Man hätte für den Prorektor eine andere Funktion finden können.»

Auch bezüglich Kommunikation erkennt er grosse Defizite, was «nicht unwesentlich zur Krise» beigetragen habe. Die vielen Fragen hätten «nur durch eine gemeinsame, möglichst transparente Kommunikation» beantwortet werden können.

Diezi sagt auch, der Hochschulrat und der Regierungsrat hätten «die richtigen Lehren» gezogen. Praktisch in allen heiklen Themenfeldern seien nun Überprüfungen eingeleitet. «Die GFK ist deshalb zuversichtlich, dass die PH in der Lage sein wird, relativ rasch verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen.»

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