Schluss nach der Siebzehnten: Fischingens Gemeindepräsident Willy Nägeli leitet seines letzte Versammlung

Die Fischinger Gemeindeversammlung stand am Donnerstagabend ganz im Zeichen der Verabschiedung von Gemeindepräsident Willy Nägeli. Dieser vergass ob all der Euphorie die Behandlung eines Traktandums.

Christoph Heer
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Einstimmigkeit zum Abschied: Der abtretende Fischinger Gemeindepräsident Willy Nägeli leitet seine letzte Gemeindeversammlung. (Bild: Christoph Heer)

Einstimmigkeit zum Abschied: Der abtretende Fischinger Gemeindepräsident Willy Nägeli leitet seine letzte Gemeindeversammlung. (Bild: Christoph Heer)

Wenn einer weiss, wie eine Gemeindeversammlung korrekt abgehalten werden muss, dann ist das Willy Nägeli. Von 1986 bis 2003 sass er in Fischingen im Gemeinderat, seit 2011 und noch bis Ende Monat ist er Gemeindepräsident. In dieser Funktion leitete Nägeli also 17 Gemeindeversammlungen.

«Ich trete mit einem weinenden und einem lachenden Auge ab.»

Doch in der Hitze des Gefechts und infolge unzähliger Dankesworte ging am Donnerstagabend die «Allgemeine Umfrage» zum Schluss der traktandierten Geschäfte völlig unter. Aus dieser Situation rettete sich Nägeli mit Bravour – Gemeinderat Paul Böhis Erinnerungswink sei Dank – und sorgte wie schon so oft für Lacher im Saal. Dieser hatte sich übrigens mit 121 Stimmberechtigten ordentlich gefüllt.

Schattenspender zum Abschied

«Ich trete mit einem weinenden und einem lachenden Auge ab», sagte Willy Nägeli. «Meinen unzähligen Wegbegleitern, mit denen ich viel Gutes, aber auch Schlechtes erlebt habe, will ich Danke sagen.» Die Verwaltungsangestellten, die Behörden, die Stimmbürger, sie allesamt hätten dazu beigetragen, dass man stets das Beste für die Gemeinde erreicht haben. «Auch meiner Partnerin Heidi gebührt grosser Respekt. Sie hat es stets verstanden – also meistens – dass ich oft auch an Wochenenden terminlich eingebunden war.» Als Abschiedsgeschenk wurde den beiden ein 15-jähriger Gingkobaum überreicht. Ein Schattenspender für die nun reichhaltigere Freizeit. Doch Willy Nägeli wollte festgehalten haben, dass er nicht von der Bildfläche verschwindet. «Ich bleibe noch. Zumindest, wenn irgendwo Not am Manne ist, dann könnt ihr auf mich zählen.»

Nachfolger hält Laudatio

In Nägelis Fussstapfen tritt René Bosshart. Der neue Gemeindepräsident hielt die Laudatio auf seinen Vorgänger: «Unter der Leitung von Willy hat sich die Gemeinde positiv entwickelt und die Wohnqualität wurde immer beibehalten oder gar verbessert. Seine menschlichen Vorzüge, die Qualität, schnell auf seine Mitmenschen eingehen zu können und natürlich seine legendären Ansprachen, gehören zu ihm, wie die Tatsache, dass er nie nachtragend gewesen ist.»

Nebst dem Gemeindeoberhaupt wurden auch die Gemeinderäte Paul Böhi (im Gemeinderat von 2007 bis 2019) und Christoph Kretz (2011 bis 2019) verabschiedet.

Das relevanteste ordentliche Traktandum des Abends war indes der kommunale Rechnungsabschluss. Dieser weist bei einem Gesamtaufwand von 5,5 Millionen Franken einen Ertragsüberschuss von 805000 Franken (fliesst in das Eigenkapital) aus – und wurde natürlich genehmigt.

Nachtragskredit

Vor der Versammlung der Politischen Gemeinde legte am Donnerstagabend die Volkschulgemeinde Fischingen ihre Anträge den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern vor. Dabei hätte der Nachtragskredit zum Umbau der Schule Fischingen für etwas Spannung sorgen können. Doch ohne Diskussion und mit lediglich sieben Gegenstimmen wurde der Kredit in der Höhe von 650000 Franken genehmigt. Erfreulich auch der Abschluss der Jahresrechnung. Statt einem budgetierten Minus von 115 Franken steht nun ein Ertragsüberschuss von 264000 Franken unter dem Strich.