Schluss nach 105 Jahren: Der Fischinger «Chäs-Egge» gibt die Produktion des Emmentalers auf

Am Freitag produziert Roland Egger in Fischingen zum letzten Mal Emmentaler.

Olaf Kühne
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Arbeit im Gärkeller: Milchtechnologe Roland Egger wendet seine reifenden Emmentaler-Laibe.

Arbeit im Gärkeller: Milchtechnologe Roland Egger wendet seine reifenden Emmentaler-Laibe.

Bild: Olaf Kühne

Wirtschaftliche Probleme sind es nicht, die Roland Egger umtreiben. Zwar wird er am Freitag zum letzten Mal die 95 Kilo schweren Käselaibe der Sorte Emmentaler in den Gärkeller seines «Chäs-Egge» legen. Seiner Branche attestiert er dennoch eine gute Zukunft.

«Dank innovativer Käsereien sind in den letzten Jahren Spezialitäten entstanden, die uns heute eine grosse Vielfalt bieten», sagt Roland Egger und berichtet im Gespräch mit unserer Zeitung von früheren, politischen Umbrüchen, welche die Branche einst durchschüttelten, aber auch zur heutigen Sortenvielfalt führten.

Eine Vielfalt, die längst auch Egger zusammen mit seiner Frau Pia und seinem Mitarbeiter pflegt. 1991 übernahmen die Eggers den Betrieb von Rolands Eltern, welche 1964 begannen, in Fischingen Käse und bald auch Joghurt herzustellen. Der Start der Käserei an der Hauptstrasse datiert jedoch im Jahre 1914, damals als Genossenschaft. Mit dem letzten Emmentaler endet also eine über 105-jährige Tradition.

«Ich werde im März 60 Jahre alt und mache mir deshalb schon länger Gedanken über meine Nachfolge.»

Der letzte Käse geht indes noch nicht über die Ladentheke. Einerseits, weil der am Freitag hergestellte Emmentaler erst reifen muss, vor allem aber, weil Egger längst auch diverse Spezialitäten herstellt: Weissschimmel- und Halbhartkäse mit Namen wie Fischingerli, Hörnlikäse oder Tannzapfeländer. Und während 98 Prozent der Emmentalerproduktion in den externen Handel gehen, vermarkten die Eggers ihre Spezialitäten zu einem guten Teil selber – bis vergangenen Herbst am Wiler Wochenmarkt und natürlich in ihrem eigenen Dorfladen.

«Unsere fünf Kinder sind glücklich in ihren Berufen, und das ist auch gut so.»

«Ich werde im März 60 Jahre alt und mache mir deshalb schon länger Gedanken über meine Nachfolge», erklärt Egger den Umstand, weshalb sein Betrieb trotz innovativen Produkten und treuen Stammkunden vor einer ungewissen Zukunft steht. «Unsere fünf Kinder sind glücklich in ihren Berufen, und das ist auch gut so.» Derzeit liefen Gespräche mit einem Interessenten für die Käserei, der aber nicht Emmentaler produzieren möchte. Der Laden konnte während der letzten Jahre dank vieler Eigenprodukte einigermassen rentabel geführt werden. Fallen diese in naher Zukunft weg, sei dessen Weiterführung unrealistisch. Für die ursprünglich ausgeschriebene Emmentaler-Käserei habe sich gar niemand interessiert.

Wann nun Veränderungen anstehen, kann Egger noch nicht sagen. Was er hingegen sicher weiss:

«Meine Sauen mit dem Coop-Naturafarm-Label werde ich weiterhin halten.»