Schluss mit Pflästerlipolitik: Der Greuterhof in Islikon steht vor einer nachhaltigen Sanierung

Stiftung und Verein Greuterhof investieren 2,6 Millionen Franken in die Sanierung des Isliker Industriedenkmals.

Stefan Hilzinger
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Im Greuterhof: Die Architekten Michael Helbling und Gabriel Müller besprechen mit Stiftungspräsident Andreas Jäger (Mitte) die Baupläne.

Im Greuterhof: Die Architekten Michael Helbling und Gabriel Müller besprechen mit Stiftungspräsident Andreas Jäger (Mitte) die Baupläne.

Bild: Reto Martin

Der Greuterhof soll das Gesicht bekommen, das er verdient. Stiftung und Verein Greuterhof haben Ende vergangener Woche bei der Gemeinde Gachnang das Baugesuch für eine Sanierung im Umfang von 2,6 Millionen Franken eingereicht. Es ist ein grosser Lupf für die gemeinnützige Institution – doch ein dringend notwendiger, wie Stiftungspräsident Andreas Jäger erklärt. Er sagt:

«Bisher betrieben wir Pflästerlipolitik. Jetzt wissen wir, wie der Greuterhof künftig aussehen soll, und daran arbeiten wir.»

Vor dem Verfall retten muss die Stiftung die einstige Textilfabrik nicht mehr. Das hatte der Isliker Unternehmer Hans Jossi getan (siehe Kasten). Doch nun geht es laut den beiden Frauenfelder Architekten Michael Helbling und Gabriel Müller darum, dem stattlichen Bau eine Zukunft zu sichern als ein lebendiger Ort, ohne dabei zu stark in die alte Substanz einzugreifen. «Der DNA des Gebäudes muss Sorge getragen werden», so formuliert es Helbling, der schon den Umbau der Greuterscheune in ein Seminarhotel geplant hat.

Berufsbildung ist Hans Jossis Vermächtnis

Die Stiftung Greuterhof wurde 1981 vom Isliker Unternehmer Hans Jossi gegründet. Sie setzt sich ein für den Erhalt der Greuter’schen Liegenschaften als Stätte schweizerischer Industriegeschichte. Durch Veranstaltungen in den Bereichen Bildung und Kultur belebt die Stiftung das Greuterhof-Geviert und fördert den Austausch von Wissen und Erfahrung. Weiter beinhaltet der Stiftungszweck das Schaffen eines Kompetenzzentrums für die berufliche Aus- und Weiterbildung von jungen Erwachsenen. Heute ist der Hauptteil des Areals im Sinne des Stiftungszwecks an die Greuterhof AG verpachtet. Diese bildet als Mitglied des Lehrbetriebsverbundes «Wert-Voll» Jugendliche mit zusätzlichem Unterstützungsbedarf in den Berufszweigen Hotellerie, Gastronomie und Hauswartung aus. (red)

Weitere Informationen zur Stiftung: www.greuterhof.ch

Laut Jäger sollen die Arbeiten zwischen April und September 2020 ausgeführt werden. Die Bauphase ist mit der Greuerhof AG von Renato Blättler abgesprochen, die grosse Teile der Anlage gepachtet hat. Die Fassaden gegen Süden und Westen werden erneuert, und ausserdem wird das Dach umgedeckt – als dringendste Arbeiten. Wichtigste Neuerung im Innern ist der Einbau eines Liftes im Südflügel.

«Wir greifen dort baulich ein, wo bereits Veränderungen vorgenommen wurden.»

Das sagt Architekt Müller. Die geplanten Eingriffe seien mit der Denkmalpflege abgesprochen, wie überhaupt die ganze Sanierung. «Die Zusammenarbeit war für alle Beteiligten dankbar», betonen Jäger, Helbling und Müller.

Ein Lift, damit alle überall Zugang haben

Der Lift – als ein Zeichen der Zeit – dient der behindertengerechten Erschliessung des gut 200-jährigen Gebäudes. Er verschafft der Stiftung aber auch mehr Flexibilität bei der Nutzung und Verpachtung der Räume, weil der Zugang besser wird. Besser nutzbar für den Seminarbetrieb soll künftig auch der Jossi-Saal werden, in dem ein störendes Podest abgebaut werden soll, um mehr Nutzfläche zu schaffen. Allerdings hänge das noch von der Finanzierung des Sanierungsprojekts ab, schränkt Jäger ein.

«Einen Teil der Sanierung stemmen wir mit Eigenmitteln, einen Teil können wir dank Bankkrediten finanzieren. Für den Rest rollen wir nun ein Fundraising aus.»

So erklärt es der Stiftungspräsident. Die Arbeiten in der Südwest-Ecke des Gevierts sind nur die erste Etappe. Jäger sagt, es gehe der Stiftung nun um langfristige Investitionen für eine ansprechende Infrastruktur für die Berufsbildung.

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