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Schloss Herdern versorgt sich selbst mit Wärme und Strom

Seit Anfang Jahr läuft die Biogasanlage des Schlosses. Die Anlage gewinnt Strom und Wärme aus Gülle und Grüngut und versorgt eigene und fremde Liegenschaften. Wenn dann noch die Gülle von Kalchrain dazu kommt, produziert die Anlage Energie für 165 Haushalte
David Grob
Markus Rohner, stellvertretender Geschäftsführer von Schloss Herdern, vor der Biogas-Anlage. (Bilder: Donato Caspari)

Markus Rohner, stellvertretender Geschäftsführer von Schloss Herdern, vor der Biogas-Anlage. (Bilder: Donato Caspari)

Statt fossiles Erdgas aus Russland zu importieren, kann man aus heimischer Gülle und Mist Biogas gewinnen und es in Wärme und Strom umwandeln. Genau dies ist der Ansatz der Biogasanlage in Herdern, die erneuerbare Energie produziert. Seit dem 31. Januar ist die Anlage vom Schloss Herdern in Betrieb. Beinahe autark ist die Anlage, wird das benötigte Methan doch aus rund 90 Prozent aus Gülle der eigenen Landwirtschaftsbetriebe gewonnen. Die restlichen zehn Prozent stammen aus angekauftem Grüngut. Mist, nicht verkauftes Gemüse und Früchte werden der Gülle hinzugegeben und ergeben so die Biomasse, aus der das Methan gewonnen werden kann. «Wir gewinnen aus Mist Energie» – auf diese Formel spitzt Markus Rohner, der stellvertretende Geschäftsführer des Schlosses Herdern, das Geschäftsmodell zu.

Wärme fürs halbe Dorf

Die Biomasse gärt rund einen Monat in zwei Vergärungstanks, so dass die maximale Menge an Methan-Gas extrahiert werden kann. Das Gas wird in zwei Generatoren verbrannt und in Strom und damit auch in Geld verwandelt. Die dabei entstehende Abwärme wird dem Heizsystem der Schlossanlage zugeführt. Darin sieht Rohner auch einen grossen Vorteil der Biogasanlage. «Die gewonnene Abwärme liefert rund ein Drittel des Wärmeverbundes vom Schloss Herdern. Damit werden 17 eigene und 22 fremde Bezüger im Dorf mit Heizwärme und Warmwasser versorgt.»

Im Vordergrund der flexible Gasballon, der sich mit Methan füllt.

Im Vordergrund der flexible Gasballon, der sich mit Methan füllt.

Jahrelange Planung mit Partnern

Den Anstoss für die Biogasanlage gab das Massnahmezentrum Kalchrain vor rund acht Jahren. Bis zur endgültigen Realisierung der Anlage sollten jedoch viele weitere Schritte und Jahre nötig sein, ehe die Anlage schliesslich am 31. Januar 2018 das erste Kilowatt Strom lieferte. 2012 wurde aufgrund einer ersten Vorstudie beschlossen, die Anlage in der Nähe des Schlosses Herdern zu errichten. 2014 reichten die Verantwortlichen die Baueingabe ein, 2015 erteilten die Behörden die rechtskräftige Baubewilligung. Die «Bioenergie Herdern AG» wurde schliesslich vor zwei Jahren gegründet und erste Offerten für den Bau eingeholt. «Der Beschluss, die Anlage bauen zu lassen, ist erst im Januar 2017 gefallen», sagt Rohner. «Mit dem Bau wurde im Frühling 2017 begonnen. Fertig war die Anlage im Spätherbst.» Bereits erstellt ist auch eine zwei Kilometer lange Leitung von Kalchrain zum Schloss Herdern, mit der in Zukunft die Gülle aus dem Landwirtschaftsbetrieb Kalchrains direkt in die Bioenergie-Anlage geführt werden kann.

In acht bis neun Jahren Gewinn

Nach einigen Anpassungsarbeiten wird das Leitungssystem von Kalchrain nun noch geprüft und ist deshalb noch nicht im Betrieb. Der Betrieb läuft deshalb noch mit halber Auslastung. «Wir befinden uns momentan noch in einer Einarbeitungsphase», meint Rohner. Für ein erstes Fazit sei es deshalb nach rund einem halben Jahr in Betrieb auch noch zu früh. Momentan werfe die Anlage, wie bei jedem neuen Unternehmen, noch keinen Gewinn ab. «Wir verfolgen das Ziel, die Verluste in acht bis neun Jahren wettzumachen. Dann wird ein Gewinn auch angestrebt», sagt er voraus.

EKT ist als Aktionär beteiligt

Um wirtschaftlich rentieren zu können, bräuchten solche Projekte jedoch zwingend die Investitionsbeiträge des Bundes, meint Paoli. Mit diesen übernimmt der Bund maximal 20 Prozent der Investitionskosten. Damit werden auch auf Bundesebene Bioenergie-Projekte mit regionaler Bedeutung gefördert. Nach rund einem halben Jahr in Betrieb mit halber Auslastung kann die Anlage in Herdern bald Vollbetrieb aufnehmen Rund 12000 Tonnen Gülle und Grüngut werden dann jährlich in ungefähr 780000 Kilowattstunden Strom verwandelt – 165 Haushalte können damit versorgt werden.

Heizenergieverbrauch im Bezirk Frauenfeld im Jahr 2016

Nach Gemeinden in Gigawattstunden pro Jahr (GWh/a), zum Vergleich: das Kernkraftwerk Gösgen produziert jährlich rund 8000 GWh
Gemeinde Total
Total 694,328
Frauenfeld 247,332
Steckborn 41,8
Diessenhofen 38,705
Gachnang 33,983
Müllheim 25,722
Matzingen 23,751
Hüttwilen 22,242
Pfyn 21,601
Felben-Wellhausen 20,717
Wagenhausen 20,588
Basadingen-Schlattingen 19,922
Homburg 19,624
Eschenz 19,571
Warth-Weiningen 18,91
Schlatt (TG) 17,443
Thundorf 15,751
Herdern 14,039
Uesslingen-Buch 13,913
Berlingen 13,524
Neunforn 12,625
Stettfurt 12,026
Mammern 11,097
Hüttlingen 9,442

70 Prozent der Heizenergie ist nicht erneuerbar

Die Zahlen in obenstehender Tabelle zeigen den Verbrauch an Energie für Heizung und Warmwasserbereitung in Wohngebäuden des Bezirks Frauenfeld im Jahr 2016. Die Zahlen stammen vom Bundesamt für Energie. Von den total 694 Gigawattstunden (GWh) kommen 483 GWh aus den fossilen Quellen Erdöl und Erdgas, das sind knapp 70 Prozent. Wichtigster erneuerbarer Heizenergieträger ist Holz mit 98 Gigawattstunden (14 Prozent). In den ländlichen Gemeinden Hüttlingen und Homburg liefert Holz annähernd gleichviel Heizenergie wie Erdöl und Erdgas. Nur wenig Anteil an der Heizenergie hat Solarenergie mit 3,8 Gigawattstunden, was einem halben Promille des Verbrauchs entspricht. Nicht in den Zahlen enthalten sind elektrische Verbraucher in Haushalten wie Kühlschrank und so weiter. (hil)

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