Schlangestehen vor dem Krankenhaus: Tausende wollen den Neubau des Kantonsspitals Frauenfeld sehen

Am Kantonsspital Frauenfeld herrschte am Tag der offenen Tür der Ausnahmezustand: Rund 10'500 Leute wollten sich den Neubau ansehen und nahmen dabei Wartezeiten bis zu 40 Minuten auf sich.

Viola Stäheli
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Norbert Vetterli, Spitaldirektion
Marc Kohler, CEO Spital Thurgau

Bild: Andrea Stalder

«Wie kann ich Ihnen helfen?» Norbert Vetterli, Direktor des Kantonsspitals Frauenfeld, spricht ein älteres Ehepaar an, das verloren im Eingangsbereich steht. Eigentlich wollen die Beiden nur zu Besuch kommen. Doch den richtigen Weg zu finden, ist an diesem Samstag eine ziemliche Herausforderung. Vetterli zeigt dem Paar, wo ihnen weitergeholfen wird. Das gehört eigentlich nicht zu seinen Aufgaben. Aber normalerweise stehen vor der Tür des Kantonsspitals Frauenfeld auch nicht Hunderte Leute an, die neugierig auf Einlass warten. Dieser Tag im Kantonsspital Frauenfeld ist alles Mögliche – nur nicht normal.

«Ich bin überwältig. Heute ist ein Freudentag», sagt Vetterli. Beinahe vier Jahre sind vergangen, seit mit der Umsetzung des Projektes «Horizont» begonnen wurde.

2500 Besucher mehr als erwartet

Am Samstag ist der grosse Moment dann da: Die Türen des Neubaus öffnen sich für die Bevölkerung. Und das Interesse ist gewaltig. «Wir rechneten mit 8000 Personen, die an den Tag der offenen Tür kommen würden», sagt die 26-jährige Nadine Wiesli, Organisatorin des Anlasses. Diese Zahl wurde weit übertroffen – rund 10'500 Personen wollen sich den Neubau anschauen.

Bereits um 8 Uhr wird die Schlange immer länger, obwohl sich die Türen erst um 9 Uhr öffnen. «Wir haben einen Rundgang durch den Neubau vorbereitet, bei dem die Besucher an verschiedenen Stationen vorbeikommen, wo sie auch selbst aktiv werden können», sagt Wiesli. So kann man versuchen, einem Arm aus Gummi Blut zu entnehmen oder seine Reaktion im Fitnessraum der Physiotherapie testen.

«Es war eine grosse Herausforderung, den Rundgang so interessant wie möglich zu gestalten und dabei die Sicherheit aller zu gewährleisten», sagt Wiesli. Ob das Konzept durchdacht ist, wird von der ersten Stunde an getestet: Durch den Ansturm kommt es zu Wartezeiten von bis zu 40 Minuten.

«An ein solches Szenario haben wir gedacht. Deshalb wussten wir, wie der Rundgang etwas abgekürzt werden kann, damit die Besucher besser und schneller durchgelotst werden können.»

So verkürzt sich die Wartezeit bald auf 20 Minuten.

Am Tag der offenen Tür sind im Kantonsspital Frauenfeld aus Kapazitätsgründen nicht alle Türen geöffnet. Die beeindruckendste Tür allerdings schon: Sie ist 85 Zentimeter dick und ganze 18 Tonnen schwer. Hinter ihr verbirgt sich ein Linearbeschleuniger, dessen Kosten sich auf drei Millionen Franken belaufen. Dank dieser Investition ist im Frauenfelder Kantonsspital neu auch Strahlentherapie möglich, die bei Krebskranken angewendet wird. «Die Tür ist zudem aus Spezialbeton angefertigt, damit die Strahlen nicht durchkommen», erklärt Pflegedirektorin Doris Rathgeb.

Rechts lang zur Bestrahlung: Den Weg treten am Tag der offenen Tür über 10'000 Besucherinnen und Besucher freiwillig an.

Rechts lang zur Bestrahlung: Den Weg treten am Tag der offenen Tür über 10'000 Besucherinnen und Besucher freiwillig an. 

Bild: Andrea Stalder

Seit drei Jahren läuft die Planung für das Zügeln

«Mir gefällt am Neubau die warme Atmosphäre. Man fühlt sich wohl», sagt Rathgeb. Besonders die Bettenzimmer seien gelungen und dieser Meinung schliessen sich viele Besucher an. Jedes Zimmer verfügt über maximal zwei Betten und bietet eine Aussicht auf die Stadt Frauenfeld und ihre Umgebung. Eichenholz und Bilder mit Thurgauer Sujets werten die Räume auf.

Schon bald sind die Zimmer im Einsatz. «Ende Februar ist der grosse Zügeltermin vom alten Gebäude in den Neubau», sagt Rathgeb. Und darauf freuen sich alle – allerdings ist dieses Unterfangen nervenaufreibend. Fast drei Jahre läuft die Planung für das Zügeln bereits. Die schiere Menge ist eine grosse Herausforderung, dazu muss die Sicherheit aller bedacht werden.

Und nicht nur das Zügeln ist eine kommende Herausforderung: Noch sind die Bauarbeiten nicht abgeschlossen. Der Abbruch des alten Bettenturms ist besonders anspruchsvoll, da in dessen unteren, sanierten Etagen der Betrieb weiterläuft. Spitaldirektor Norbert Vetterli ist aber zuversichtlich.  

«Es sind Profis am Werk, die dieses Unterfangen durchführen werden.»

Und an diesem Tag, der alles andere als normal ist, überwiegt auch bei Vetterli Stolz und Freude: Stolz über den gelungenen Neubau und die fleissigen Mitarbeiter, dank denen der Tag der offenen Tür reibungslos geklappt hat. Und Freude über die mehreren tausend Besucher.

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