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Interview

Schlager-Sänger Roger de Win im grossen Interview: «Pfannkuchen mit Äpfeln und Zimt wäre meine Henkersmahlzeit»

Der Amriswiler Roger De Win ist ein Tausendsassa und steht vor allem auch im Sommer auf der Bühne. Er kann unterrichten, arbeitet als Journalist und ist Vollzeit-Papi. Nur operieren und Bilanzen schreiben kann er nicht.
Florian Beer
Amriswil TG - Der Amriswiler Schlagersänger Roger de Win (bürgelicher Name Roger Kuster) posiert in der Natur.

Amriswil TG - Der Amriswiler Schlagersänger Roger de Win (bürgelicher Name Roger Kuster) posiert in der Natur.

Was hat Sie vergangene Woche besonders beschäftigt?

Roger De Win: Die Vorbereitungen meiner Sommerkonzerte, die im Juli am Seenachtsfest in Arbon beginnen. Das ist immer viel Arbeit. Ich bin ja auch Vater von zwei Kindern, die mich auf Trab halten. Das bedeutet, dass es viele Nachtschichten geben wird.

Sie leben in Amriswil. Haben Sie eine zweite Heimat?

Norddeutschland. Genauer gesagt Hannover, wo meine Mutter lebt, und Sylt. Ich mag den norddeutschen Humor und die Mentalität, das raue Klima und das weltweit einmalige Wattenmeer. Ein grossartiger Ort, um die Seele stressfrei baumeln zu lassen.

Was liegt alles auf Ihrem Nachttisch?

Ein Wecker und ein paar Bücher – bevorzugt von Richard Katz und Hemingway oder auch Biografien.

Was war Ihr erster Traumberuf?

Primarlehrer, wegen meines tollen Mittelstufenlehrers. Ich habe diesen Traum verwirklicht, wollte aber auch Journalist und Musiker werden. Auch diese Träumen habe ich verfolgt und darf beide heute leben.

In welchem Job wären Sie eine Fehlbesetzung?

Als Chirurg und als Buchhalter. Ich bin ein kreativer Mensch und entscheide gerne nach Bauchgefühl. Das sollte man in diesen beiden Berufen lieber nicht tun. Im Job möchte ich spontan und ungebunden sein können.

Haben Sie ein Vorbild?

Udo Jürgens. Ich bin fasziniert von seinem Anspruch an seine Musik und die Texte, aber auch von der Lebensgeschichte seiner Familie. Deshalb ist seine Biografie «Der Mann mit dem Fagott» auch mein Lieblingsbuch.

Zur Person

Roger De Win ist als Roger Kuster 1974 zur Welt gekommen. Er ist in Amriswil aufgewachsen, wo er mit seiner Familie noch heute lebt. In seiner Jugend brachte er sich das Gitarrenspiel selber bei. Nach einer Ausbildung an der Pädagogischen Maturitätsschule in Kreuzlingen arbeitete er vier Jahre lang als Primarlehrer. Anschliessend besuchte er die Ringier Journalistenschule und arbeitete als Radiomoderator bei Radio Top sowie als Unterhaltungsjournalist. 2005 lernte er den Musikproduzenten Helly Kumpusch kennen, der ihn unter Vertrag nahm. Heute ist er stellvertretender Chefredaktor bei Ringier Axel Springer Schweiz AG in Zürich, TV- und Schlagerexperte und Schlagersänger. (fbe)

Sie veranstalten ein Abendessen und dürfen drei Personen dazu einladen. Wer erhält alles eine Einladung?

Als erster mein Vater, der leider nicht mehr lebt. Mir fehlen die Diskussionen mit ihm. Dann John F. Kennedy. Ich möchte gerne wissen, wie er zu Zeiten des Kalten Krieges einen solch kühlen und abgeklärten Kopf haben konnte. Und als drittes Janis Joplin, eine Hippie-Sängerin aus der 68er Bewegung, die ein sehr wildes, revolutionäres und zu kurzes Leben hatte.

Was ist Ihre Henkersmahlzeit?

Pfannkuchen mit Äpfeln und Zimt. Das esse ich seit meinen Kindheitstagen gerne.

Welches ist Ihre schönste Kindheitserinnerung?

Mit 8 oder 9 habe ich eine Kinder-«Bande» angeführt. Wir haben ab und zu Maiskolben vom Feld geklaut, haben diese im Wald grilliert und den ganzen Tag draussen verbracht. Noch heute denke ich öfter daran, wenn ich Wald, Wiesen oder Maisfelder sehe.

Sind Sie ein Fan des Sports?

Eigentlich nicht, aber seit sich einer meiner Söhne für Fussball interessiert, bin ich Experte geworden. Mich interessieren vor allem die Geschichten und Charaktere hinter den Spielern.

Was machen Sie gerne in Ihrer Freizeit?

Natürlich Musik. Wenn ich Gitarre oder Klavier spiele, ist das sehr meditativ für mich. Dann werden Songs von Elvis Presley, Udo Jürgens oder Eigenkompositionen gespielt. Leider bleibt dafür zu wenig Zeit. Meine Lieblingsbeschäftigung ist es, Papi zu sein. Das hat bei mir oberste Priorität.

Bei welchem Lied reisst es Sie vom Hocker?

Bei «Burning love» von Elvis. Ein Song, der mich an meine Kindheit erinnert. Und aktuell gerade «Shut up and kiss me» von Whitesnake. Toller Rock ‘n’ Roll wie aus meinen Jugendzeiten in den 80ern. Das hellt meine Stimmung auf.

Welche Musik haben Sie zuletzt für sich entdeckt?

Die Sängerin Alice Merton, die den Hit «No Roots» gesungen hat. Alle in der Familie mögen ihre Songs: Da wackeln schon mal die Fensterscheiben, wenn wir das im Autoradio aufdrehen. Ich bin beeindruckt von der starken Stimme. Der erste Musiker, den ich für mich entdeckte, war Elvis Presley. Ich fragte meine Mutter im Alter von sieben Jahren nach einer Platte und habe diese heute noch.

Welches war Ihr erstes Auto?

Ein weisser Opel Astra ohne jedes Extra. Ich wurde von allen belächelt, weil ich mit 18 Jahren einen Kombi fuhr. Wenn es aber um das Einladen von Gepäck ging, waren dann alle doch froh. Ich fuhr dieses Auto sechs Jahre lang, bis es durchgerostet war. Schon immer habe ich Funktionalität über Coolness gewählt.

Was müssen Sie immer in Ihrem Kühlschrank haben?

Ich gönne mir gerne ab und zu einen dieser kleinen Apfelquarks. Nach einem langen Tag und zwei Stunden Pendelweg tut das richtig gut.

Welches Tier wären Sie gerne?

Ein Wildpferd, das auf Sylt grast. Mich fasziniert die Mischung aus Schüchternheit und Stolz. Ausserdem strebe ich immer nach Freiheit.

Was ist Luxus für Sie?

Wenn mein Zug noch nicht im Bahnhof steht, während ich morgens auf dem Velo einige hundert Meter entfernt noch die Strasse «runterrase».

Worauf freuen Sie sich am meisten in diesem Sommer?

Auf die Ferien mit meiner Familie, das Rauschen der Nordsee und natürlich auf meine Konzertauftritte.

Wie sieht Ihr perfektes Wochenende aus?

Zuerst einmal Ausschlafen, danach Zopf- und Kaffeeduft in meinem Haus zu haben – und ohne Termindruck, 48 Stunden bei meiner Frau und den Kindern zu sein.

Warum mögen Sie Schlager?

Weil es eine sehr persönliche und authentische Musik ist. Leider gibt es heute zu viele schlechte Schlagersänger, die auf der Suche nach Ruhm die Menschen mit inhaltsleerer Musik zukleistern. Dabei sind im Schlager Lebensnähe und Emotionen wichtiger denn je.

Stellen Sie sich vor, Sie sind Präsident eines Landes: Wie lautet Ihr erster Beschluss?

Ich schaffe Social Media ab. Das vergiftet die Gesellschaft. Heutzutage muss alles glänzen, makellos sein und der ganzen Welt zwanghaft gezeigt werden. Das macht doch krank. Ich finde es schöner, Ecken und Kanten zu haben, sich Fehler einstehen zu können und diese zu akzeptieren.

Wovor haben Sie in der Zukunft am meisten Angst?

Davor, dass Menschen in politische Ämter gewählt werden, die von ihrer Egomanie geblendet sind und die Wahrheit verdrehen. Um das zu verhindern, muss man diesen Wählern die chronische Angst vor identitärem und materiellen Verlust nehmen.

Welcher Superheld wären Sie?

Spider-Man, weil er sich für die kleinen Leute einsetzt und alles immer mit Humor nimmt.

Wie lautet der Filmtitel zu Ihrem Leben und wer spielt Sie?

«Alles wird gut.» Wir streben zu oft nach Erfolg und vergessen dabei, dass man das Glück im Augenblick findet und nicht im Terminkalender vom nächsten Jahr.

Wer soll Ihre Rolle spielen?

Gespielt werde ich von Al Pacino. Er ist ein toller Schauspieler und spielte in meinem Lieblingsfilm «Mr. Collins’ zweiter Frühling» mit.

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