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Schlagabtausch neben dem Eis

Vier junge ausländische Hockeyspieler der Pikes wurden im März nach Hause geschickt. Darauf musste sich das Thurgauer Migrationsamt Schikane vorwerfen lassen. Gesetze müssten eingehalten werden, kontert der Kanton.
Christian Kamm
Ausgespielt: Vier ausländische Nachwuchsspieler der Pikes Oberthurgau mussten in ihre Heimat zurückkehren. (Bild: PD)

Ausgespielt: Vier ausländische Nachwuchsspieler der Pikes Oberthurgau mussten in ihre Heimat zurückkehren. (Bild: PD)

Seit 16 Jahren bildet der Eishockeyclub Pikes Oberthurgau junge Talente aus. Er stattet sie mit einem dreijährigen Ausbildungsvertrag aus, integriert sie in die Nachwuchsabteilung, bringt die jungen Hockeyspieler in Gastfamilien unter und schickt sie in die öffentliche Schule Romanshorn-Salmsach.

Bis zu diesem Frühling. Dann mussten auf Geheiss des Migrationsamts vier Spieler aus Tschechien und Rumänien trotz laufender Verträge die Schweiz per Ende März verlassen. «Wir fühlen uns verschaukelt», liess sich der langjährige Pikes-Präsident Richard Stäheli in den Medien zitieren. Und auch die Politik reagierte: SVP-Kantonsrat Andrea Vonlanthen (Arbon) deponierte unter der Überschrift «Migrationsamt schikaniert junge Hockeyspieler» eine Anfrage im Parlament. Dort forderte er die Regierung auf, sich zu erklären. Denn: «Es herrscht Unverständnis und Frust.»

Vorgaben müssen erfüllt werden

In ihrer am Freitag veröffentlichten Antwort rechtfertigt die Kantonsregierung das Vorgehen mit den gesetzlichen Bestimmungen. Die Haltung des Migrationsamtes, das zur Einhaltung der gesetzlichen Grundlagen verpflichtet sei, könne in keiner Weise als Schikane bezeichnet werden. Für eine ausländerrechtliche Aufenthaltsgenehmigung müssten bei Minderjährigen neben den üblichen Voraussetzungen auch die kindesschutzrechtlichen Vorgaben sowie eine Kostendeckung aus eigenen Mitteln erfüllt sein. Darüber hinaus müssten die zukünftigen Pflegeeltern eine Pflegeplatzbewilligung einholen. Wer diese Auflagen nicht erfülle, habe die Schweiz spätestens nach drei Monaten Besuchsaufenthalt wieder zu verlassen, schreibt die Kantonsregierung. Bei den jungen Hockeyspielern sei dies im Dezember 2017 der Fall gewesen. «Um den speziellen Einzelfällen jedoch Rechnung zu tragen, wurde der Aufenthalt kulanterweise bis zum Ende der Spielsaison Ende März 2018 geduldet», heisst es in der Antwort

"Die konsequente Einhaltung des Bundesgesetzes wird von den nationalen und kantonalen Parlamenten vehement gefordert."

Kritisch äussert sich die Regierung über den «Talenthandel», indem junge Talente aus andern Ländern in die Schweiz geholt würden, «um deren Marktwert zu steigern». Im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen befürwortet der Regierungsrat indessen die Ausbildungsarbeit der Pikes mit ausländischen Spielern. «Dazu gehört aber auch, dass vorgängig ein Gesuch um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung gestellt wird.» Und es wird daran erinnert, «dass die konsequente Einhaltung des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer von den nationalen und kantonalen Parlamenten vehement gefordert wird»

"Nicht päpstlicher als der Papst"

Mit ihrer Antwort kann die Regierung bei Andrea Vonlanthen nicht punkten: «Sie ist unbefriedigend, verwirrend und widersprüchlich.» So sei schon sehr erstaunlich, dass der Regierungsrat kein Wort darüber verliere, dass die jetzt beendete Praxis 16 Jahre toleriert worden sei. «Auf diese gelebte Praxis geht man in der Antwort mit keinem Wort ein.» Auch werde nun auf die Pflicht der Schulgemeinden verwiesen, alle Kinder in ihrem Einzugsgebiet zu beschulen, während gegenüber den Pikes sogar schriftlich stets gefordert worden sei, die Nachwuchsspieler in eine Privatschule zu schicken. Im Eishockey gebe es zudem keine Ablösesummen wie im Fussball, sondern nur Abgeltungen an den Ausbildungsclub, so genannte Lizenzerlöse, sagt Vonlanthen zum Stichwort «Talenthandel».

Richard Stäheli zeigt sich auf Anfrage überzeugt, im betreffenden Fall alle Auflagen erfüllt zu haben. «Was fehlte, wurde nachgeliefert.» Man sei auch mit der Schule vor Ort im Reinen gewesen. Für ihn stelle sich die Grundsatzfrage, ob eine Amtsstelle überall dreinreden könne. «Wir sollten im Thurgau nicht päpstlicher sein als der Papst.»

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