Schifffahrtsgesellschaft wehrt sich gegen Kitesurfer im Thurgau: «Unsere Schiffslinie führt quer durch die definierte Kitesurf-Zone»

Wegen Sicherheitsbedenken: Die Schweizerische Bodenseeschifffahrt ficht Bewilligung für Wassersportler an.

Silvan Meile
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Für die Kitesurfer ist es unverständlich, dass ihr Sport den ganzen Winter lang verboten sein soll, während etwa Motorboote uneingeschränkt verkehren dürfen.

Für die Kitesurfer ist es unverständlich, dass ihr Sport den ganzen Winter lang verboten sein soll, während etwa Motorboote uneingeschränkt verkehren dürfen.

Bild: PD

Die Kitesurfer spüren weiter Gegenwind. Seit 15 Jahren surfen sie mit einer provisorischen Bewilligung in je einer Zone am Untersee und Bodensee. Diese entstanden als Kompromiss nach Interventionen von Tier- und Umweltschützern. Sie stören sich an den Lenkdrachen der Kitesurfer. Diese würden die Tiere in ihren Lebensräumen am See zu stark stören. Nach vielen Gesprächen und Vernehmlassungen entschied nun der Kanton Thurgau dennoch, den Kitesurfern am Obersee in einer neuen Zone etwas mehr Platz für ihren Sport zuzugestehen. Die betroffenen Gemeinden gaben grünes Licht.

Weiterhin soll dieser Wassersport aber nur von März bis Oktober erlaubt sein. Sogar die gegenüber den Kitesurfern immer kritisch eingestellten Organisationen WWF, Bird-Life und Pro Natura verzichten darauf, diesen Entscheid des Kantons anzufechten, wie sie auf Anfrage mitteilen. Doch nun stellt sich den Kitesurfern eine andere in den Weg: die Schifffahrt.

«Schiffslinie führt quer durch die Kitesurf-Zone»

Die Schweizerische Bodensee Schifffahrt (SBS) wehrt sich gegen den Entscheid, neu das Kitesurfen entlang des rund acht Kilometer langen Seeabschnitts von Güttingen bis Romanshorn zu erlauben. «Der Bereich vor Uttwil birgt ein zu grosses Sicherheitsrisiko», sagt Erich Hefti, Oberkapitän und Leiter Schifffahrt und Werft der SBS.

«Unsere Schiffslinie führt quer durch die definierte Kitesurf-Zone.»

In Uttwil liege die Anlegestelle nahe an der Niederwasserzone. Es sei in diesem Bereich besonders schwierig, mit den bis zu 300 Tonnen schweren Schiffen den «schnellen und unberechenbaren Kitsurfern» auszuweichen. Hinzu komme, dass gerade bei besonders starkem Wellengang und Wind – gute Bedingungen für die Kitesurfer – auch die Fähre von Friedrichshafen die neu definierte Kitezone tangiere.

Der Entscheid des kantonalen Departementes für Justiz und Sicherheit komme für die SBS überraschend. Mit der neuen im Amtsblatt publizierten Kite-Zone zwischen Güttingen und Romanshorn anstelle jener in Münsterlingen sei die SBS «vor vollendete Tatsachen» gestellt worden.

«Dass hier Kitesurfen erlaubt werden soll, war für uns in der Vernehmlassung nicht ersichtlich.»

Die SBS fechte den Entscheid an, um ihre Sicherheitsbedenken beim Kanton zur Sprache zu bringen. Ob allenfalls auch der Weg bis vor Verwaltungsgericht bestritten werde, lässt Hefti offen.

Das Schifffahrtsunternehmen sei nicht kleinlich und gönne den Kitesurfer ihr Hobby, betont Hefti. Er vermutet aber, dass die neue Kite-Zone diese Wassersportler in Massen anziehen werde. Den Vorwurf, das sei Klagen auf Vorrat, lässt er nicht gelten.

Erfahrungen mit Kitesurfern hat die Schweizerische Schifffahrtsgesellschaft Untersee- und Rhein (URh). Ihre Kursschiffe passieren zwischen Berlingen und Mannenbach eine entsprechende Zone. Bei genügen Wind ist dies auf der Schweizer Seeseite der beliebteste Ort für die Wassersportler, die angetrieben vom Wind in ihren Lenkdrachen mit den Brettern übers Wasser gleiten. URh-Geschäftsführer Remo Rey sagt:

«Wir stufen die Situation nicht als prekär ein.»

Wie bei anderen Seebenutzern gelte auch hier das Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme. «Bisher gab es keine ernsthaft schwierige oder gar gefährliche Situationen mit Kitesurfern», sagt Rey. Die URh wehre sich deshalb auch nicht gegen die Bewilligung, die nun unbeschränkt gültig sein soll.

Kitesurfer wollen auch im Winter auf den See

Bei den Kitesurfern löst die Beschwerde der SBS die Befürchtungen aus, «dass die sowieso schon eingeschränkte Kitesurf-Möglichkeit noch weiter eingeschränkt werden könnte», sagt Daniel Rey, Vizepräsident des Kitesurf Club Schweiz. Auch er deponiere beim Kanton Thurgau eine Beschwerde. Dabei gehe es hauptsächlich um die Sperre während des Winters.

Für die Kitesurfer ist es unverständlich, dass ihr Sport, der im Einklang mit der Natur stattfinde, den ganzen Winter lang verboten sein soll, während etwa Motorboote uneingeschränkt verkehren dürfen.