SCHIFFFAHRT
«Wir hoffen, dass die Lockerungen im Frühling weitergehen»: Die URh-Flotte legt ihre Leinen trotz Einschränkungen bald los

Die Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh) bereitet sich auf ihre neue Saison vor. Wegen Corona startet sie jedoch zunächst mit ausgedünntem Fahrplan zwischen Kreuzlingen und Schaffhausen.

Samuel Koch
Merken
Drucken
Teilen
Vor der Pandemie geniessen Touristen eine Fahrt auf der MS Thurgau.

Vor der Pandemie geniessen Touristen eine Fahrt auf der MS Thurgau.

Bild: PD (Diessenhofen, 27. März 2020)

Der Rhein fliesst, die in den Wintermonaten überholte Flotte hat Wasser unter dem Kiel, die nautische Mannschaft steht in den Startlöchern. Trotz der Pandemie mit ihren Auswirkungen bereitet sich die Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh) auf ihren Saisonstart vor. Obschon die Weisse Flotte aus Schaffhausen derzeit eine raue See durchquert, startet sie pünktlich am Karfreitag, 2. April, in ihre neue Saison. URh-Geschäftsführer Remo Rey sagt:

«Schifffahrten gehören zum öffentlichen Verkehr und sind deshalb grundsätzlich möglich.»
Remo Rey, URh-Geschäftsführer.

Remo Rey, URh-Geschäftsführer.

Bild: Donato Caspari

Das zeigt auch ein Blick auf andere Schweizer Gewässer wie den Zürcher- oder den Vierwaldstättersee, wo die Schiffe seit Wochen von Steg zu Steg steuern. Ein behördliches Verbot für die Schifffahrt gibt es nicht. Trotzdem bleiben Fragezeichen: Wie viele Gäste kommen an Bord der URh-Schiffe? Wie entwickeln sich die Freizeitangebote, vor allem auch ennet der Landesgrenze, wo die URh-Schiffe auf ihrem Weg zwischen Kreuzlingen und Schaffhausen anlegen?

«Wir hoffen, dass die Lockerungen im Frühling weitergehen», sagt Rey. Eine Grenzschliessung wie im vergangenen Jahr ist zumindest derzeit überhaupt kein Thema, versichert er. Dafür appellieren die deutschen Behörden, dass keine touristische Reisen gemacht werden sollen. Es stehen noch weitere Abklärungen an.

Den Grundsatzentscheid für den Saisonstart hat die URh-Führung bereits im Februar gefällt. Grund dafür sind unter anderem die Rekrutierung der Saison-Angestellten oder die Ausbildungs- und Schulungstage des Personals. Die Mehrheit der Saisonniers hat die URh erst auf Juni angestellt, wenn die Hauptsaison beginnt. Bis Pfingsten verkehren die Kursschiffe lediglich mit einem ausgedünnten Fahrplan, so wie zu Saisonbeginn Usus nur von Donnerstag bis Sonntag sowie zu Sonn- und Feiertagen. «Das ergibt im Mai neun Fahrtage weniger», sagt Rey.

Täglicher Betrieb ist ab Pfingsten geplant

Ab Pfingsten folgt dann die Aufnahme des täglichen Betriebs. Prognosen zu den Passagierzahlen wagt die URh nur ungern. Zu unsicher ist die Entwicklung, zu unsicher war auch die vergangene Saison, als die verordnete Maskenpflicht Anfang Juli die Zahlen einbrechen liess. Trotzdem sagt Rey:

«Viele plangen darauf, dass sie wieder zu uns auf die Schiffe kommen dürfen.»

Entscheidend für die Entwicklung der Fahrgastzahlen sind nebst der Pandemie auch Temperaturen und Pegel. Fliesst zu viel Wasser, droht die Brückensperre bei Diessenhofen. Fliesst zu wenig, verunmöglichen Untiefen eine Durchfahrt. Mit diesem Klumpenrisiko lebt die URh jedoch seit jeher.

Ob an Bord der Kursschiffe irgendwann nebst den Billetten Impfausweise als Eintritte vorgewiesen müssen, ist Kaffeesatzlesen. Die URh hält sich an die Verordnungen von Bund, Kanton und Verbänden des öffentlichen Verkehrs. Rey sagt:

«Wir halten uns an die Anweisungen und machen sicher keinen Alleingang.»

Das beinhaltet etwa die erforderlichen Schutzkonzepte. Zumindest bis zu Pfingsten befindet sich ein Teil der nautischen Mannschaft teilweise noch in Kurzarbeit. Danach hängt vieles von der weiteren Entwicklung ab, meint Rey. Offen bleibt die Frage nach zusätzlich zum Fahrplan geplanten Extrafahrten. «Das weiss man zum jetzigen Zeitpunkt schlichtweg nicht.»

Politischer Rettungsanker für Änderung bei Härtefallregelung

Vom vergangenen Jahr bleibt ein Verlust in der Grössenordnung von zwei Millionen Franken zurück. Umso williger ist die URh, dieses Jahr die für eine schwarze Null erforderliche Passagierzahl von 350'000 Fahrgästen zu erreichen. 2020 beförderte die URh lediglich 183'000 Fahrgäste. Monetär steht und fällt vieles mit der Härtefallverordnung, für deren Änderung die Nationalräte Edith Graf-Litscher (SP, TG) und Thomas Hurter (SVP, SH) derzeit in Bern weibeln. Denn die URh gilt weder als rein touristischer Betrieb noch als Angebot des Regionalverkehrs mit Beteiligungen der Kantone Thurgau und Schaffhausen. Den ausgeworfenen Rettungsanker begrüsst die URh zwar. Sie weiss aber auch, dass sie unverschuldet in die Krise geraten ist. «Wir werden wegen der von Gemeinden und Kantonen bestellten Leistung schon unterstützt», sagt Rey. Trotzdem gelte es, sich weiterhin für den Rettungsanker einzusetzen.

Bis dahin plant die Weisse Flotte mit allen zuwiderliegenden Unsicherheiten. Klar ist einzig, dass die Saison am Karfreitag beginnt. Zumindest für die nautische Mannschaft sowie die Fahrgäste kehrt damit wieder etwas Normalität zurück auf Untersee und Rhein.