SCHIFFFAHRT
«Ohne lassen sich Kursschiffe nicht über den Rhein steuern»: Nächster Versuch mit beweglichen Schifffahrtszeichen zwischen Diessenhofen und dem Untersee

Auf dem Rhein kommt es immer wieder zu gefährlichen Situationen mit sogenannten Wiffen. Jetzt testen die Behörden eine neue Boje, die schlimmere Unfälle verhindern soll. Die Testphase dauert bis zu fünf Jahren.

Samuel Koch
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Die bewegliche Wiffe Camping Läui Dschungel unterhalb des Gasthauses Schupfen.

Die bewegliche Wiffe Camping Läui Dschungel unterhalb des Gasthauses Schupfen.

Bild: PD

Fliessendes Wasser inmitten einer idyllischen Landschaft. Deshalb wird die Gefahr auf dem Rhein oft unterschätzt, vor allem von Freizeitkapitänen. Auf dem Abschnitt zwischen Stein am Rhein und Diessenhofen kommt es deshalb immer wieder zu gefährlichen Situationen mit grün-weissen Schifffahrtszeichen, sogenannten Wiffen, von denen es zwischen Kreuzlingen und Schaffhausen 83 gibt. Zuletzt verlor im Herbst 2019 ein 25-Jähriger sein Leben, nachdem sein Boot mit einer Wiffe kollidiert war.

Die Wiffen weisen mit der grünen Seite motorisierten Gefährten den Weg vorbei an Untiefen und Steinen. Für Freizeitkapitäne mit Gummibooten etwa ist die weisse Seite vorgesehen. Seit Jahren testen die Behörden der Anrainerstaaten Thurgau, Schaffhausen und Baden-Württemberg, was gegen die Gefahr auf dem Hochrhein gemacht werden kann. Zuletzt hat das Tiefbauamt des Kantons Schaffhausen als federführende Behörde sogar eine Handvoll Wiffen auf dem Rhein entfernt, die nach einer Prüfung als nicht zwingend notwendig erachtet worden waren. Klar ist einzig, dass es nicht gänzlich ohne Wiffen geht. Urs Thaler, Oberkapitän der Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh), sagt:

«Wir können ganz ohne diese Signalisationen mit unseren Kursschiffen den Rhein nicht befahren.»
Urs Thaler, Oberkapitän der Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh).

Urs Thaler, Oberkapitän der Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh).

Bild: Reto Martin

Nun steht in Diessenhofen leicht unterhalb des Gasthauses Schupfen auf der Höhe des Campings Läui Dschungel eine neuartige Wiffe (unterhalb der Nr. 67), die in Zusammenarbeit mit einem deutschen Bojenbauer entwickelt worden ist und sonst auf dem deutschen Oberrhein zum Einsatz kommt. Sie ist im Gegensatz zu den Wiffen aus Eichenholz nicht in den Grund geschlagen, sondern schwimmt als ovale Boje im Fliessgewässer. «Über eine Kette ist sie mit einem 1,7 Tonnen schweren Bojenstein am Flussgrund verbunden», sagt Gewässeraufseher und Projektleiter Roland Schwarz vom
Schaffhauser Tiefbauamt. Die Behörden erhoffen sich damit eine Verbesserung der Sicherheit auf dem Rhein. Bei einer allfälligen Kollision sollen Boote daran nicht zerschellen und sinken, sondern die Boje sich bewegen.

Die Testphase läuft für die nächsten drei bis fünf Jahre. «Für die Prüfung der Praxistauglichkeit bei den unterschiedlichen Wasserständen und Abflussmengen braucht es Zeit», sagt Schwarz. Es ist dies bereits die dritte Testphase einer Spezialwiffe. Zuletzt endet 2018 ein zweijähriger Versuch mit einer drehbaren Wiffe, die sich jedoch nicht bewährte.