Schifffahrt
«Grösster Umsatzeinbruch seit Bestehen unserer Gesellschaft»: Warum die Schifffahrtsgesellschaft für Untersee und Rhein trotz roter Zahlen optimistisch ist

Lichtblick trotz unbekanntem Wellengang: Rund 420'000 Franken fehlen wegen Corona in der Kasse der Schifffahrtsgesellschaft für Untersee und Rhein (URh). Das vergangene Geschäftsjahr hätte noch schlimmer kommen können.

Samuel Koch
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Die MS Schaffhausen auf dem Untersee bei Steckborn unterwegs in Richtung Stein am Rhein und Schaffhausen.

Die MS Schaffhausen auf dem Untersee bei Steckborn unterwegs in Richtung Stein am Rhein und Schaffhausen.

Bild: Andrea Stalder

Ein annus horribilis. Als ein schreckliches Jahr fasst Sönke Bandixen das Geschäftsjahr 2020 der Schifffahrtsgesellschaft für Untersee und Rhein (URh) zusammen. Der alt Stadtpräsident von Stein am Rhein und Verwaltungsratspräsident der URh spricht an einer Medienkonferenz am Montag an Bord der MS Munot in Schaffhausen nicht um den heissen Brei herum und sagt:

«Es ist das schlechteste Jahr seit Bestehen unserer Gesellschaft.»
Sönke Bandixen, Verwaltungsratspräsident Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh).

Sönke Bandixen, Verwaltungsratspräsident Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh).

Bild: Samuel Koch

Und immerhin verkehrt die URh mit ihrer Flotte seit 1865 auf Untersee und Rhein. In nackten Zahlen heisst das: Umsatzrückgang von 1,7 Millionen Franken auf rund 3,34 Millionen Franken, was einer rekordhohen Einbusse von 40 Prozent entspricht.

Der Grund für diese Entwicklung ist rasch gefunden: Corona. Der verspätete Saisonstart nach den sonst ertragsreichen Feiertagen im Frühling, die harte Grenzschliessung zu Deutschland und die ab Anfang Juli geltende Maskentragpflicht auf den Aussendecks der Kursschiffe schlugen sich direkt auf die Passagierzahlen nieder, die mit 186'000 Fahrgästen um 47 Prozent tiefer ausfällt als im Jahr 2019. «Die Maskentragpflicht hat viele abgeschreckt, was damals ins Gewicht gefallen ist», sagt URh-Geschäftsführer Remo Rey. Und selbst mit der «mutigen Entscheidung, im Herbst weiterzufahren», wie Rey sagt, konnte der Verlust nicht annähernd wettgemacht werden.

Remo Rey, Geschäftsführer Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh).

Remo Rey, Geschäftsführer Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh).

Bild: Donato Caspari

Jetzt fehlt das finanzielle Polster

Summa summarum schliesst die URh ihr vergangenes Geschäftsjahr mit einem Verlust von rund 420'000 Franken ab. Die Zielgrösse von schwarzen 700'000 Franken vor Steuern hat die URh gar um eine Million Franken verfehlt. Bandixen sagt:

«Wir haben viel Geld verloren, das ist ein herber Schlag.»

In kürzester Zeit ist die URh um die hart erarbeitete Eigenwirtschaftlichkeit gebracht worden, die sie aus den vergangenen Jahren mit den teils einschneidenden Sanierungsmassnahmen erreicht hatte. Kurzfristig sei das Minus verkraftbar, für geplante Investitionen oder die Abfederung möglicher Wasserstandsrisiken fehlt der URh jedoch das finanzielle Polster. «Ewig so weitergehen kann es nicht», sagt Bandixen.

Mit dem Verwaltungsrat und der Geschäftsführung versucht er, in der Krise die Kosten so tief wie möglich zu halten. Und mit der Aussicht auf die Durchimpfung hofft die URh auf Lockerungen im dritten Quartal. «Unsere wichtigsten Monate», sagt Bandixen, sofern Petrus seinen Teil dazu beitrage. Eine Erhöhung des Aktienkapitals ist derzeit nicht angedacht.

Kurzarbeit und Härtefallgeldern zum Dank

Immerhin: Dank sechsmonatiger Kurzarbeit des Personals sowie Härtefallentschädigungen konnte die URh den Schaden in Grenzen halten. «Ohne diese Gelder würde der Verlust bei knapp 1,5 Millionen Franken liegen», sagt Bandixen. Dank richten er und Rey deshalb zuerst an die Mitarbeitenden, dann aber auch an die Behörden, die Politiker sowie die treuen Passagiere.

Passagiere steigen in Berlingen auf ein URh-Kursschiff.

Passagiere steigen in Berlingen auf ein URh-Kursschiff.

Bild: Andrea Stalder

Auf diesen liegen die Hoffnungen der URh auch in der angelaufenen Saison, die aktuell ohne Anfahrten an die deutschen Landestellen wiederum schwierig beginnt. Den Aprilfahrplan verlängert die URh bis Ende Mai mit insgesamt neun Fahrtagen weniger, weshalb sie bis dahin auf den Einsatz von Saisonniers verzichtet. Rey sagt:

«Wir rechnen etwa mit einem Umsatzrückgang von 30 Prozent gegenüber einem durchschnittlichen Jahr.»

Denn auch die Bordgastronomie bleibt bis auf weiteres geschlossen. Entgegen der Restaurants an Land, die ihre Gäste seit Montag zumindest auf den Terrassen wieder bedienen dürfen.

Anstehender Wechsel im Verwaltungsrat

Wie schon im vergangenen Jahr muss die URh auf eine physisch stattfindende Generalversammlung verzichten. «Die Tradition mit einer anschliessenden Schifffahrt und einer Matrosenwurst fällt leider ins Wasser», sagt Sönke Bandixen mit grossem Bedauern. Deshalb stimmen die Aktionäre erneut brieflich über die Finanzen sowie den anstehenden Wechsel im Verwaltungsrat ab. Dort soll Daniel Eberle, wohnhaft in Steckborn, den scheidenden Hagen Pöhnert als Vertreter von «Schaffhausen Power» ersetzen. Die Abstimmungsunterlagen erhalten die Aktionäre demnächst per Post. Eine Dividendenauszahlung fürs Geschäftsjahr 2020 ist der URh wegen der empfangenen Härtefallgelder untersagt. (sko)