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Schausteller H.P. Maier: «Auch die Olma ist nicht mit dem Münchner Oktoberfest zu vergleichen»

Der 63-jährige Frauenfelder Hanspeter Maier gehört zu den bekanntesten Schaustellern des Landes. Zuletzt kam er zum Handkuss, sein «Chaos Pendel» am Oktoberfest in München den Wiesn-Besuchern aus aller Welt zu präsentieren. Derzeit steht er mit seiner Achterbahn und seinem Riesenrad an der Olma in St. Gallen.
Samuel Koch
Hanspeter Maier geniesst die Zeit bei seiner Arbeit im Kassenhüsli. (Bild: PD)

Hanspeter Maier geniesst die Zeit bei seiner Arbeit im Kassenhüsli. (Bild: PD)

Herr Maier, beschreiben Sie eine Fahrt auf ihrem «Chaos Pendel».

Adrenalinkick pur. Die Schaukel wirbelt 16 Personen gleichzeitig mit Tempo 80 in bis zu 43 Metern Höhe wild durch die Luft. Da wirken Kräfte des viereinhalb fachen eigenen Körpergewichts.

Tun Sie sich solche Fahrten selbst noch an?

Nein, nein. Das ist mir schon ein wenig zu heftig, obwohl ich schon noch einiges vertragen kann.

Sie durften eines ihrer Geräte zuletzt auf der weltberühmten Wiesn beim Oktoberfest in München aufstellen.

Ja. Ich bekam dieses Jahr nach 2011 mit der «Monster Schaukel» zum zweiten Mal die Ehre. Einen Platz am Münchner Oktoberfest zu erhalten, gehört zum Schwierigsten in der Schaustellerei. Das «Chaos Pendel» ist aber etwas Einzigartiges auf der Welt, eine Einzelanfertigung.

Wie haben Sie den Auftritt auf der Wiesn erlebt?

Das Oktoberfest München ist mit nichts zu vergleichen. Alleine der Aufbau war speziell, wegen der Terrorgefahr musste man sich jederzeit und überall mit einem Bändel ausweisen können. Und dann dauert das Fest 16 Tage, und tagtäglich tummeln sich Leute ohne Ende um die Bahnen herum. Das ist schon sehr speziell.

Mussten sich Besucher nach einer Fahrt auf Ihrer Bahn übergeben?

Das kommt immer mal wieder vor. Vor allem abends, wenn die Besucher aus den grossen Bierzelten kommen, haben unsere Sicherheitsleute jeweils allerhand zu tun und weisen auch vereinzelt Gäste zurück.

Zur Person

Der mittlerweile 63-jährige Hanspeter – genannt H.P. – Maier ist ein Frauenfelder Stadtoriginal. Die Schaustellerei ist sein Leben, mit dem er durch seinen Vater und Grossvater bereits als Kind in Berührung kam. Während den wärmeren Jahreszeiten zieht der im Frauenfelder Kurzdorf wohnhafte Maier mit seinen Geräten in der Schweiz, in Deutschland und Österreich von Messe zu Messe. Jeweils von Mitte November bis zur Bechtelisnacht im Januar betreibt er am Schlossberg in Frauenfeld den allseits beliebten Glühweinstand. Maier ist verheiratet und hat zwei Töchter. Germaine Huber-Maier hilft ihm bei seiner Arbeit, Gina Maier ist mit einem deutschen Schausteller liiert. (sko)

Hanspeter Maier vor seinem «Chaos Pendel» am diesjährigen Münchner Oktoberfest. (Bild: PD)

Hanspeter Maier vor seinem «Chaos Pendel» am diesjährigen Münchner Oktoberfest. (Bild: PD)

Wie lukrativ war der Auftritt finanziell?

Sehr interessant.

Was heisst das in Zahlen?

Dazu sage ich nichts.

Sie äusserten vermehrt, dass der Wind in der Schaustellerei zuletzt rauer geworden ist.

Ja, in jeglicher Hinsicht. Durch die ganzen Vorschriften ist das «Geschäften» heute viel komplizierter. Das fängt bei den Bewilligungen vor Ort an, geht über den teils mühsamen Transport bis hin zu den steigenden Personal- oder Platzkosten.

Eine Fahrt auf dem «Chaos Pendel» kostet zehn Franken. Das muss doch rentieren.

An einem Oktoberfest mit zehntausenden Besuchern, ja. Man muss aber auch berücksichtigen, dass das Gerät 1,5 Millionen Franken gekostet hat. Dafür muss ich viele Fahrten verkaufen, bis die Kosten getilgt sind.

Sie werden also das «Chaos Pendel» noch einige Jahre in Betrieb haben.

Nein, in zwei bis drei Jahren verkaufe ich die Bahn weiter. Vielleicht lässt sich da noch etwas dazuverdienen. Nebenbei gehört mir ja noch ein Riesenrad und der 80 Meter hohe «Free Fall».

Sie werden vielerorts als Chilbi-König und Profi-Nervenkitzler bezeichnet. Das muss schmeicheln.

Ja klar. Die Schaustellerei ist mein Leben, seit ich klein bin. Ich habe nie etwas anderes gelernt, es bedeutet mir alles und ist gleichzeitig mein Beruf und mein Hobby.

Welche Leute fahren am ehesten auf Ihren Bahnen?

Vor allem Junge, die den Adrenalinkick suchen.

Welches ist die geilste Achterbahn, die Sie je selber gefahren sind?

Einerseits die Olympiabahn mit einem Fünfer-Looping, die grösste transportable Achterbahn der Welt. Andererseits war ich in Las Vegas einmal auf einer Bahn, die durch die Hotellobby führte.

Ist das Leben als Schausteller vergleichbar mit einer Fahrt auf einer Achterbahn?

Total. Wenn es läuft, geht’s aufwärts. Manchmal läuft das «Geschäften» aber weniger gut, dann geht es halt auch mal abwärts.

Bis wann wollen Sie der Schaustellerei noch erhalten bleiben?

Ich habe einmal gesagt bis 60. Jetzt bin ich 63 Jahre alt und mache noch bis 70 weiter, solange ich gesund bin. Mein Leben ist so vielseitig und spannend.

Sie opfern aber auch viel.

Ja, vor allem im Sommer gibt es nie Feierabend oder ein freies Wochenende. Es ist ein hartes Geschäft, ausser vielleicht in der ruhigeren Zeit im Winter.

Für alle Frauenfelder: Wann eröffnet der Glühweinstand am Schlossberg wieder?

Zirka am 16. November. Dann bin ich dort wieder eingespannt bis Mitte Januar.

Was passiert mit Ihrem Geschäft, nachdem Sie sich zur Ruhe gesetzt haben?

Vermutlich werde ich es verkaufen, denn meine Töchter werden es nicht übernehmen. Vielleicht habe ich dann auch Lust, mit einem kleinen Karussell für Kinder etwas kleinere Brötchen zu backen. Definitiv weiterführen werde ich das Riesenrad, das technisch nicht ganz so anspruchsvoll ist.

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