«Schäden wurden vertuscht»: Eine Eschlikerin liegt mit den Technischen Werken über Kreuz – das Protokoll eines Zerwürfnisses

Strom, Glasfaser und Tiefbauarbeiten: Silvia Carlen fühlt sich von der Gemeinde Eschlikon und den Technischen Werken nicht ernst genommen. Unter anderem würden durch Bauarbeiten verursachte Schäden an ihrer Hausfasssade vertuscht, sagt sie.

Roman Scherrer
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Das Gemeindehaus Eschlikon: Silvia Carlen fühlt sich von Verwaltung und Technischen Werken im Stich gelassen.

Das Gemeindehaus Eschlikon: Silvia Carlen fühlt sich von Verwaltung und Technischen Werken im Stich gelassen.

Bild: Roman Scherrer

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Stromrechnung von Silvia Carlen ist deutlich angestiegen, obwohl ihr Haushalt kleiner wurde. Weil sie das Gefühl hat, dass ihr Zähler angezapft wird, forderte sie die Gemeinde zum Handeln auf.
  • Ein Einbau von Leerrohren hat Schäden an Carlens Hauswand verursacht. Die Gemeinde musste einen Drittel der Kosten übernehmen.
  • Wegen Belagsarbeiten befürchtete Silvia Carlen erneut Schäden an ihrem Haus. Das zweite Rissprotokoll zu diesen Arbeiten unterschrieb sie nicht mehr, da sie überzeugt ist, dass Schäden vertuscht wurden.
  • Die Gemeinde teilt mit, dass es Sache der Hauseigentümer sei, ob der Stromverbrauch richtig gemessen wird. Die protokollierten Risse seien gemäss einem Fachspezialisten materialbedingt und durch die Eigentümerschaft zu akzeptieren.

Ordnerweise Unterlagen bewahrt sie auf. Auf ihrem Computer hat die Eschlikerin Silvia Carlen Dutzende Mails gespeichert. Die meisten zeigen Korrespondenz zwischen ihr und der Gemeinde Eschlikon, von der sich die 59-Jährige längst nicht mehr ernst genommen fühlt.

Momentan beschäftigt sie vor allem «ein Sicherheitsproblem» in ihrem Altbau-Haus, wie sie selbst sagt: «Seit Oktober 2018 haben wir immer wieder Stromausfälle.» Erst kürzlich hätten sie und ihr Mann ein surrendes Geräusch wahrgenommen. Silvia Carlen ist überzeugt, dass es von einer Stromleitung stammte:

«Aber wir wissen nicht, woher genau das Geräusch stammt. Wir haben Angst, dass plötzlich etwas passiert.»

Das Thema Elektrizität beschäftigt Carlen schon länger. Gemäss der Abrechnung der Technischen Werke Eschlikon ihr Stromverbrauch von 2014 auf 2015 von 3125 auf 4416 Kilowattstunden angestiegen. Dabei hätten 2015 nur noch drei Personen im Haushalt gewohnt, nicht mehr vier wie noch im Vorjahr. Der gemessene Verbrauch blieb auf diesem Niveau und sank erst 2018 auf rund 3700, als der Haushalt noch aus Silvia Carlen und ihrem Mann bestand.

Unterbrüche hielten an

Wegen der Stromunterbrüche liess sie die Technischen Werke eine Kontrolle durchführen. Dabei wurde geprüft, ob die Zähler plombiert waren und eine Manipulation ausgeschlossen werden kann, sowie gleichzeitig der Strom abgelesen. «Sie haben gesagt, es sei alles in Ordnung.» Das war es für Silvia Carlen allerdings nicht. Die Unterbrüche hielten an und sie wollte wissen, was der Grund für den Anstieg des Stromverbrauchs war. Und sie hat einen Verdacht:

«Wir werden angezapft!»

Just in dem Jahr als ihre Stromrechnung anstieg, sei nämlich eine zuvor leer stehende Wohnung in der angrenzenden Liegenschaft als Büro neu vermietet worden, sagt Carlen. Vor einem Jahr hat sie auf Rat der Technischen Werke Eschlikon eine Kontrolle der Elektroinstallationen durchführen lassen – durch das EW Aadorf.

Dass «einzelne Installationsteile» der Nachbarsliegenschaft über den Zähler von Silvia Carlens Stromzähler geführt sind, konnte der Fachmann in seinem Bericht nicht kontrollieren und deshalb auch nicht bestätigen. Er kam aber auch zum Schluss, dass 2015 bis 2017 ein «markanter Mehrverbrauch an elektrischer Energie verrechnet» wurde. Für Carlen ist klar:

«Die Gemeinde muss eingreifen, sie ist verantwortlich.»

Obwohl sie mehrere Stellen der Verwaltung informiert habe, sei aber nichts unternommen worden.

Risse an den Wänden festgestellt 

Silvia Carlens Misstrauen, vor allem in die Technischen Werke, gründet im Bau eines Glasfasernetzanschlusses an ihrer Liegenschaft vor vier Jahren. «Wir wollten das gar nie. Und die Arbeiten verursachten massive Schäden an unserer Hausmauer», berichtet Carlen. Die Kosten für die Reparatur mussten – nach einer Verhandlung vor dem Friedensrichter – Silvia Carlen und ihr Mann zu zwei Dritteln, die Gemeinde zu einem Drittel übernehmen.

Im Jahr darauf, Ende September 2017, wurde infolge des Glasfasereinbaus das Trottoir vor Carlens Haustür neu geteert. Bereits Ende August entdeckte sie dort Markierungen, welche sie mit der renovierten Hausfassade per Videoaufnahme festhielt. «Ich schrieb den Technischen Werken, denn sie haben uns nicht darüber informiert, dass hier wieder Arbeiten durchgeführt werden.» Silvia Carlen befürchtete erneut Schäden an ihrem Haus.

Anfang September fuhren die ersten Baumaschinen auf, um den Belag zu entfernen. Auch das zeichnete Carlen auf. Kurz darauf, am 5. September, wurde durch das zuständige Ingenieurbüro ein erstes Rissprotokoll von Silvia Carlens Haus erstellt, mit dem Risse an den Wänden fotografisch dokumentiert wurden.

Am 19. September wurde sie dann informiert, dass das Trottoir nun neu geteert würde. Das zweite Rissprotokoll, von Ende September, haben Silvia Carlen und ihr Mann – im Gegensatz zum ersten – nicht mehr unterzeichnet. Carlen ist überzeugt:

«Darin wurden Schäden vertuscht.»

Nicht zuletzt, weil die Fotos des zweiten Protokolls mit einer anderen Kamera und teils aus einem anderen Winkel gemacht wurden. «Die Gemeinde will einfach nicht für die Schäden aufkommen.»

Die Beurteilung eines externen Experten, wonach die Rissbildungen nicht als Schaden zu beurteilen und «durch die Eigentümerschaft zu akzeptieren sind», lässt sie nicht gelten. «Das war der gleiche Experte, der schon den Fall mit den Glasfasernetzarbeiten prüfte.» Anfang 2019 vereinbarte sie mit der Gemeinde eine Neubeurteilung durch einen anderen Experten. Bis heute wartet Carlen darauf.

Auf Verantwortung der Hauseigentümer verwiesen

Auf die Vorwürfe antwortet die Gemeinde schriftlich. Hinsichtlich des Stromverbrauchs teilt sie mit, dass es Sache der Hauseigentümer ist, ob das Richtige gemessen wird. Und:

«Die Technischen Werke haben einen grossen Aufwand betrieben, um darzulegen, dass die Messung korrekt ist.»

Sie hätten sich an Reglemente und Vorschriften zu halten «und dürfen unberechtigte Kosten übernehmen, welche später via Tarife auf alle Konsumenten gewälzt werden.»

Bei Carlens Liegenschaft sei zudem kein Glasfaseranschluss, sondern je ein Leerrohr für eine spätere EW- und Glasfasererschliessung verlegt worden. Die Arbeiten seien zuvor mit Carlens Mann besprochen worden. Deshalb sei man von einem Einverständnis ausgegangen.

Und die bei der Entfernung des Trottoirbelags eingesetzten Maschinen führten erfahrungsgemäss zu keinen Schäden. Zudem könnten mögliche Einschränkungen kurzfristig zwischen Arbeitern und Betroffenen besprochen und gelöst werden. «Deshalb hat der Unternehmer die ans Trottoir angrenzenden Liegenschaftsbesitzer nicht informiert.»

In Bezug auf die Risse an den Wänden verweist die Gemeinde auf den Bericht des Fachspezialisten. Dieser weise aus, dass «es sich um Haarrisse und Ablösungen von Putz-Abriebflächen handelt, deren Ursprung hauptsächlich auf konstruktive und materialbedingte Ursachen zurückzuführen ist». Auch um die Ursache der Risse zu klären, hätten die Technischen Werke einen grossen Aufwand betrieben. Die Kosten würden auch in diesem Fall auf alle Konsumenten abgewälzt.

Zur Neubeurteilung der Risse habe sich die Gemeinde bereit erklärt, eine unabhängige Expertise erstellen zu lassen – «auf Kosten des Steuerzahlers». Mit Silvia Carlen und ihrem Mann habe man dazu ein Unternehmen ausgewählt, um die Unabhängigkeit zu gewährleisten. So habe man einen Termin für die Besichtigung mit dem Baufachexperten gesucht. Carlen habe dann aber mitgeteilt, dass sie dafür keine Termine gewähren könne. «Daraufhin hat die Gemeinde das Verfahren abgebrochen.»