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Sarah O., die IS-Kämpferin aus Konstanz,
ist zurück und in Haft

Als 15-Jährige reiste sie von Konstanz mit einer gefälschten Vollmacht ihrer Eltern über die Türkei nach Syrien. Letzte Woche kam Sarah O. zurück mit ihren drei kleinen Kindern. Am Flughafen Düsseldorf wartete schon die Bundespolizei.
Ida Sandl
Die weibliche Seite des IS-Terrors. (Bild; Screenshot)

Die weibliche Seite des IS-Terrors. (Bild; Screenshot)

«Schlafen, essen, schiessen, Vorträge anhören», so beschrieb Sarah O. auf Facebook ihren Tagesablauf in Syrien. Sie war erst 15 Jahre alt, als sie mit einer gefälschten Vollmacht ihrer Eltern in den Heiligen Krieg zog. Eine deutsch-algerische Doppelbürgerin aus Konstanz. Gymnasiastin mit guten Noten. Der Vater strenggläubiger Muslim, die Mutter eine Schwäbin, die zum Islam konvertiert ist. Sarah O. war nicht nur sehr jung, sie war auch eine der ersten Frauen, die sich von Deutschland aus dem Islamischen Staat (IS) angeschlossen haben.

Als Teenager im Umgang mit Waffen ausgebildet

Letzten Freitag ist Sarah O. auf dem Flughafen Düsseldorf von der deutschen Bundespolizei festgenommen worden. Inzwischen ist sie 20 Jahre alt. Mit an Bord waren auch ihre drei Kinder im Alter zwischen einem Jahr und vier Jahren. Sarah O. wird vorgeworfen, dass sie im Oktober 2013 Deutschland verlassen hat, «um sich in Syrien einer terroristischen Vereinigung im Kampf gegen das Assad-Regime anzuschliessen und am Aufbau eines islamischen Staates nach dem Vorbild der Scharia zu beteiligen».

Von Stuttgart aus reiste das Mädchen damals über die Türkei nach Syrien. Dort wurde sie im Umgang mit Schusswaffen ausgebildet. Auf Facebook postete sie Fotos von sich, verschleiert und mit einer Maschinenpistole im Anschlag. Es ging alles sehr schnell. Schon Anfang 2014 heiratete sie einen IS-Kämpfer. Sie nannte sich ab jetzt Amatul’ Aziz. Der Ehemann stammt aus Köln und hat als Jugendlicher bereits eine Vorstrafe verbüsst (siehe Box).

Der IS zahlte ihr 118 US Dollar im Monat

Ab Februar 2014 hat Sarah O. mit ihrem Mann «Wach- und Polizeidienste zur Sicherung der vom IS kontrollierten Gebiete» übernommen, heisst es im Haftbefehl der Bundesanwaltschaft. Dafür habe sie sich eine Schusswaffe beschafft. Der IS hat Sarah O. eine möblierte Wohnung zur Verfügung gestellt, in der sie Neuankömmlinge vorübergehend aufnehmen konnte. Sie hat auch versucht, andere junge Menschen aus Europa für die Ausreise nach Syrien zu begeistern. Das Paar stand auf der Lohnliste der Terrormiliz. Es erhielt im Monat etwa 118 US-Dollar (rund 114 Schweizer Franken).

Den letzten Anstoss für die Ausreise
erhielt sie in Winterthur

Anfang 2018 war der Traum zu Ende: Sarah O. flüchtete aus Syrien und stellte sich türkischen Sicherheitskräften. Am 21. September wurde sie von der Türkei nach Deutschland abgeschoben. Am Flughafen in Düsseldorf wartete schon die Bundespolizei. Die Kinder seien vom Jugendamt in Empfang genommen worden, sagt ein Sprecher der Bundesanwaltschaft. Sarah O. wurde nach Karlsruhe gebracht, wo der Ermittlungsrichter ihr den Haftbefehl eröffnet habe. Sie sei jetzt in Untersuchungshaft in einem Gefängnis in Nordrhein-Westfalen. Die Kinder sind nach Informationen der Konstanzer Tageszeitung «Südkurier» bei einer Pflegefamilie untergebracht.

Sarah O. hatte Verbindungen zur Schweizer Djihadisten-Szene. Vor ihrer Ausreise besuchte sie eine Benefizveranstaltung für Syrien in einer Winterthurer ­Moschee. Dies soll der letzte ­Anstoss für ihre Pläne gewesen sein. Mit der Schweiz war die­ junge Frau vertraut. Ihr Vater soll als Grenzgänger im Thurgau arbeiten.

Sarah O.s Ehemann wollte schon
als Teenager US-Soldaten töten

Nach islamischem Recht ist Sarah O. verheiratet. Ihr Ehemann Ismael S. stammt wie sie aus Deutschland, er ist in Köln aufgewachsen. Mit seinem Bruder Emre hat er vor zehn Jahren versucht, Polizeibeamte in einen Hinterhalt zu locken und mit Messern anzugreifen. Auf diese Weise wollten sie an die Waffen der Polizisten gelangen. Ismael S. war damals 16 Jahre alt. Wie «Zeit-online» schreibt, wollten die Brüder US-Soldaten umbringen, um dabei als Märtyrer zu sterben und dann ins Paradies zu kommen. So hatten sie es zumindest in den Testamenten aufgeschrieben, die nach der Tat von ihren Eltern gefunden wurden. Die Staatsanwaltschaft habe damals kein politisches Motiv in der Tat entdecken können, heisst es bei «Zeit-online». Die Brüder wurden lediglich wegen versuchten schweren Raubs zur Rechenschaft gezogen. Ismael S. reiste mit seinem Bruder 2013 nach Syrien aus, um für den Islamischen Staat zu kämpfen. (san)

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