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Samuel Giger, der zukünftige König?

Mit seiner bislang fabelhaften Saison bringt sich Schwinger Samuel Giger in Stellung für den Königstitel 2019. Für viele ist es nur eine Frage der Zeit, bis der 20-jährige Thurgauer der Grösste seines Sports ist.
Matthias Hafen
Samuel Giger hat in dieser Saison schon drei Kantonalfeste, wie hier das Thurgauer in Lengwil, und ein Bergkranzfest gewonnen. (Bild: Reto Martin)

Samuel Giger hat in dieser Saison schon drei Kantonalfeste, wie hier das Thurgauer in Lengwil, und ein Bergkranzfest gewonnen. (Bild: Reto Martin)

Nahe dran war Samuel Giger schon 2016 in Estavayer: Damals, als der entfesselte Bündner Armon Orlik die Berner Dominanz in Frage stellte und im Schlussgang an Matthias Glarner scheiterte, blieb dem Thurgauer das Rampenlicht jedoch versagt. Dabei hatte Giger an jenen zwei Tagen Ende August nach sieben Gängen die bessere Bilanz als Orlik, was Siege, Unentschieden und Niederlagen betrifft. Weil im Schwingen aber für jeden Kampf auch Punkte vergeben werden, fehlte dem Talent aus Ottoberg am Ende ein winziger Viertel, um es anstelle von Orlik in den Schlussgang zu schaffen. Dass Giger am Ende des Eidgenössischen hinter Glarner auf Platz zwei rangierte, alleine beim Gestellten gegen den späteren König nicht gewonnen hatte und resultatmässig die NOSV-Delegation anführte, war ein schwacher Trost.

Sportlich geht die Entwicklung weiter

Giger stand damals auch im Schatten von Orlik, weil der Thurgauer weniger spektakulär schwang als der Bündner. Und Spektakel macht sich besonders im Fernsehen gut. Deshalb lautete auch dort der Tenor Orlik, Orlik und nochmals Orlik. Von der Thurgauer Fan-Delegation auf der NOSV-Tribüne wurde der «vergessene» Giger jedoch frenetisch gefeiert. Für viele von den zahlreich mitgereisten Anhängern war klar, dass die Blütezeit des 1,93 Meter grossen Zimmermann-Lehrlings erst kommen wird. Und tatsächlich entwickelt sich Giger sportlich immer weiter.

Giger wird auch in Zukunft einer bleiben, der den Gegnern lieber das Sägemehl vom Rücken wischt, anstatt hoch bezahlt von einer Plakatwand zu lächeln.

Der Triumph am vergangenen Wochenende auf dem Weissenstein – beim Comeback nach vierwöchiger Verletzungspause – war das beste Beispiel dafür. In dieser Saison hat Giger jedes Fest für sich entschieden, an dem er antrat. Mit 20 Jahren ist er nicht nur ein Kraftpaket, er demonstriert im Sägemehl auch immer wieder seine Explosivität. Der Sennenschwinger bringt alles mit, um seinen Sport über Jahre prägen zu können. Nebst den physischen Voraussetzungen antizipiert der Nordostschweizer auch hervorragend – und immer mal wieder bietet er dem Publikum auch Spektakel. Geblieben ist Gigers Zurückhaltung. Seine Erfolge kommentiert der mittlerweile 29-fache Kranzgewinner nach wie vor mit einsilbigen Antworten. Interviews sind ihm grundsätzlich ein Gräuel. 2018 ist im Schwingkalender ein Zwischenjahr ohne eigentlichen Höhepunkt. Auch deshalb lässt man Giger in Ruhe. Ganz nach Goethes Worten: Der König wartet, und es harrt das Volk.

Doch spätestens 2019, wenn das nächste Eidgenössische Schwingfest in Zug ansteht, Giger mit grösster Wahrscheinlichkeit zu den Topfavoriten zählen wird und der smarte, gut aussehende Sportler auch als Werbeträger interessant wird, werden ihn Berater dazu bewegen, ein bisschen mehr der Öffentlichkeit preiszugeben.

Am St. Galler Kantonalschwingfest in Tübach besiegte Samuel Giger (unten) im Schlussgang Roger Rychen. (Bild: Michel Canonica)

Am St. Galler Kantonalschwingfest in Tübach besiegte Samuel Giger (unten) im Schlussgang Roger Rychen. (Bild: Michel Canonica)

Als einziger noch ohne Wikipedia-Eintrag

Dass Giger noch am Anfang seiner Karriere steht, zeigt auch ein Blick ins Internet. Als einziger der Spitzenschwinger hat der Thurgauer noch keinen Wikipedia-Eintrag. Ein Anfänger ist er aber bestimmt nicht mehr. Gigers Zurückhaltung ist Kalkül. Wer sie als mangelnde Erfahrung abtut, verkennt die professionelle Einstellung des jungen Schwingers. Ihm geht es primär darum, sich auf den Sport konzentrieren zu können. Giger wird auch in Zukunft einer bleiben, der den Gegnern lieber das Sägemehl vom Rücken wischt, anstatt hoch bezahlt von einer Plakatwand zu lächeln. Das eine muss das andere aber nicht ausschliessen. Denn macht Giger so weiter wie in dieser Saison und bleibt er trotz anfälliger Schulter und kraftbetontem Kampfstil gesund, dann ist für den Thurgauer nur der Himmel die Grenze.

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