Saisonstart
Treibstoffpreise, Wechselkurs und Personalmangel: Die Schifffahrt auf Bodensee und Rhein kämpft auch nach Corona mit Problemen

Die Schifffahrt auf dem Bodensee und Rhein startet nach zwei miserablen Jahren in die neue Saison. Aufgrund des Kriegs in der Ukraine könnten im nächsten Jahr die Billettpreise steigen.

Silvan Meile
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Blicken auf eine neue Saison: Remo Rey, CEO der Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein, und Andrea Ruf, CEO der Schweizerischen Bodensee-Schifffahrt.

Blicken auf eine neue Saison: Remo Rey, CEO der Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein, und Andrea Ruf, CEO der Schweizerischen Bodensee-Schifffahrt.

Bild: Belinda Schmid

Bis zu seinem Saisonstart am Karfreitag hofft Remo Rey auf viel Regen. Sonst hat der Geschäftsführer der Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh) ein Problem. Seine Schiffe sind am falschen Ort. Fünf seiner sechs Kursschiffe stehen derzeit in der Werft Schaffhausen beziehungsweise Langwiesen. Weil es in den vergangenen Monaten nie genug regnete, ist der Pegelstand bei Hemishofen permanent zu tief, um sie in den Bodensee zu manövrieren.

Für den Fahrplanbetrieb bei aktuellem Niedrigwasser bräuchte die URh dort jedoch vier ihrer Schiffe. Mit Blick auf den Wetterbericht, der gegen Ende der Woche nochmals viel Niederschlag vorhersagt, bleibt Rey aber zuversichtlich, am 15. April regulär in die nächste Schifffahrtssaison starten zu können.

Remo Rey, CEO Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein.

Remo Rey, CEO Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein.

Bild: Belinda Schmid

Nach viel Schatten hat die Branche wieder Licht nötig

Unter dem wolkenbehangenen Himmel in dem MS Überlingen im Hafen Konstanz haben sich am Montag die Vertreter der Vereinigten Schifffahrtsunternehmen für den Bodensee und den Rhein zusammengefunden. Sie stehen vor dem Start in die neue Saison.

Die vereinzelten Sonnenstrahlen, die das Deck erreichen, passen ins Bild. Nach zwei Jahren mit miserablen Passagierzahlen aufgrund der Coronapandemie soll 2022 für die Schifffahrt ein Lichtblick werden. Nach viel Schatten hat die Branche wieder Licht nötig.

Ziel: Anknüpfen an die Passagierzahlen von 2019

Franz Weber, Geschäftsführer der Vereinigten Schifffahrtsunternehmen, blickt auf «ganz gewaltige Einnahmeverluste und viel Frustration beim Personal» zurück. «Eine Coronaverordnung folgte auf die nächste.» Die Fahrgäste blieben meist aus, wenn überhaupt gefahren werden durfte.

Bei der Schweizerischen Bodensee-Schifffahrt (SBS) sprechen Passagierzahlen für sich. Im Jahr 2019 beförderte das Unternehmen noch 515'000 Personen. 2020 halbierte sich diese Zahl beinahe auf 264'000 Fahrgäste, um 2021 immerhin auf 339'000 anzusteigen. Das drückte den Jahresumsatz von 13,8 Millionen Franken im Jahr 2019 auf 9,1 Millionen Franken im Jahr 2020, sagt Andrea Ruf, Geschäftsführerin bei der SBS.

Andrea Ruf, CEO Schweizerische Bodensee-Schifffahrt.

Andrea Ruf, CEO Schweizerische Bodensee-Schifffahrt.

Bild: Belinda Schmid

Ähnlich sind in den vergangenen beiden Jahren die Passagierzahlen bei der Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh) eingebrochen. Deshalb hoffen die Kursschiffbetreiber auf einen schönen Sommer, der so viele Passagiere an Bord bringt, um wieder an die Zahlen von 2019 anknüpfen zu können.

Schwierig, qualifiziertes Personal zu finden

Besondere Sorgenfalten zeichnen die aktuellen Treibstoffpreise den Schifffahrtsunternehmen auf die Stirn. Diese hätten sich aufgrund des Kriegs in der Ukraine verdoppelt, sind sich an der Pressekonferenz auf dem MS Überlingen die Vertreter aus allen drei Anrainerstaaten einig. Je nach Entwicklung könnte das die Billettpreise der Saison 2023 erhöhen. Für die Schweizer Schifffahrtsunternehmen schlägt sich der aktuell besonders tiefe Eurokurs zusätzlich negativ in der Buchhaltung nieder.

Als eine der derzeit grössten Herausforderungen strichen sowohl Andrea Ruf als auch Remo Rey die aktuelle Suche nach gut qualifiziertem Personal hervor. Sowohl im nautischen Bereich als auch für die Gastronomie sei es schwierig, Mitarbeiter zu finden.

Sämtliche Schifffahrtsunternehmer auf dem Bodensee beschäftigen sich mit alternativen Antrieben, um bei einer Neumotorisierung in ihrer Flotte weg von Verbrennungsmotoren zu kommen. Einen ersten Meilenstein erreichen die deutschen Bodensee-Schiffsbetriebe. Sie bauen derzeit in Friedrichshafen eine Fähre für 300 Passagiere zusammen, die komplett elektrisch betrieben wird, erklärt Frank Weber. Im Juli sei die Schiffstaufe geplant. Der erste Testbetrieb finde anschliessend zwischen Unteruhldingen, der Insel Mainau und Meersburg statt.

Frank Weber, Geschäftsführer der deutschen Bodensee-Schiffsbetriebe.

Frank Weber, Geschäftsführer der deutschen Bodensee-Schiffsbetriebe.

Bild: Belinda Schmid

Verschiedene Eventfahrten

Die SBS wie auch die URh planen in der kommenden Saison diverse Eventfahrten. Infos unter www.sbsag.ch und www.urh.ch

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