Saisonstart
Ein neuer FC Frauenfeld steigt empor: Weshalb die 2. Liga interregional um eine Attraktion reicher ist

Am Samstag beginnt die Fussballmeisterschaft der 2. Liga interregional. Seit langem sind wieder vier Thurgauer Klubs mit von der Partie. Während der FC Kreuzlingen, Calcio Kreuzlingen und der FC Amriswil um die Spitzenplätze spielen, will sich Aufsteiger Frauenfeld mit einer neuen Philosophie etablieren.

Matthias Hafen
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Erfolg als Gemeinschaft: Beim FC Frauenfeld steht unter Trainer Marco Vintem der Teamgedanke an erster Stelle.

Erfolg als Gemeinschaft: Beim FC Frauenfeld steht unter Trainer Marco Vintem der Teamgedanke an erster Stelle.

Mario Gaccioli (Aadorf, 26. Juni 2021)

Der FC Frauenfeld ist zurück! Der Verein, der die Nationaltrainer Jogi Löw und Murat Yakin hervorgebracht hat, spielt in der Saison 2021/22 wieder in der 2. Liga interregional. Zwei Jahre harrten die Kantonshauptstädter zuletzt eine Liga tiefer aus, der grösste Feind im Aufstiegskampf: Corona. Doch Trainer Marco Vintem und seine Mannen liessen sich von den aussergewöhnlichen Zeiten nicht beirren, behielten den Fokus und schafften schliesslich auf sportlichem Weg die Rückkehr in die Liga, in der sich die besten Fussballklubs des Kantons tummeln.

Mit Frauenfelds Aufstieg stellt der Thurgau in der fünfthöchsten Spielklasse erstmals ein Quartett. Nebst dem FCF gehören der FC Kreuzlingen, Calcio Kreuzlingen und der FC Amriswil dazu. Einmal, in der Saison 2014/15, gab es sogar noch mehr Thurgauer Vereine in der 1999 gegründeten Liga. Damals spielten auch der FC Sirnach und der FC Arbon in der 2. Liga inter, dafür Calcio noch nicht.

Eigene Leute – vom Spielerkader bis in die Klubführung

Marco Vintem, Trainer FC Frauenfeld

Marco Vintem, Trainer FC Frauenfeld

Mario Gaccioli

Für den FC Frauenfeld ist das aktuell der richtige Platz, wie Vintem sagt. «Von der Qualität her passen wir hierhin.» Von der Infrastruktur her sowieso. Der Aufstiegstrainer weiss aber auch: «Wir müssen uns jetzt von neuem beweisen.» Selbst die direkten Konkurrenten sind glücklich ob der Rückkehr des FCF. «Abgesehen davon, dass mir Frauenfeld lieber ist als irgendein Zürcher Gegner, profitiert der Thurgauer Fussball als Ganzes», sagt Amriswils sportlicher Leiter Christoph Schenk. «Ich hoffe, dass der FC Frauenfeld eine gute Rolle spielen kann.»

Sympathien gewinnt der Aufsteiger vor allem mit seiner neuen Philosophie, hauptsächlich auf eigene Leute zu setzen. Dieses Denken wurde vor zwei Jahren mit der Wahl von Markus Frei zum Präsidenten manifestiert, wird mit Marco Vintem als Trainer fortgeführt und reicht bis ins Amt des Medienchefs, das vom SRF-Sportkommentator Dani Kern bekleidet wird. Von den sechs Zuzügen fürs Kader 2021/22 stammen zwei aus dem eigenen Nachwuchs und drei sind Rückkehrer.

Statt Höhenflüge ein vernünftiges Ziel

Der neue FC Frauenfeld ist auch geprägt von Bescheidenheit. Höhere Ziele sind derzeit keine gesetzt. «Zuerst geht es nun darum, uns in der höheren Liga zu etablieren», sagt Trainer Vintem. Ihm gefalle es beim FCF auch deshalb so gut, «weil man nicht auf Höhenflüge aus ist, sondern einen klaren, vernünftigen Weg verfolgt». Dazu gehöre auch, dass man sich einen Stürmer, der pro Saison 20 Tore erzielt, nicht leisten könne. «Bei uns wird keiner mehr entlöhnt. Wir erarbeiten uns den Erfolg als Gemeinschaft, mit Freude an dem, was wir tun.» Bleibt nur noch die Frage offen, welche Nationalmannschaft Aufstiegstrainer Vintem denn dereinst übernehmen wird. «Am liebsten natürlich die portugiesische», sagt der portugiesischstämmige Frauenfelder und lacht.

Sven Patrick Bode und der FC Kreuzlingen werden versuchen, alle Gegner in der Gruppe 6 auszutanzen.

Sven Patrick Bode und der FC Kreuzlingen werden versuchen, alle Gegner in der Gruppe 6 auszutanzen.

Mario Gaccioli (Kreuzlingen, 19. Juni 2021)

FC Kreuzlingen: Der ewige Aufstiegsanwärter

Der Traum vom Aufstieg geht für Kürsat Ortancioglu und den FC Kreuzlingen weiter.

Der Traum vom Aufstieg geht für Kürsat Ortancioglu und den FC Kreuzlingen weiter.

Mario Gaccioli

Die Equipe von Kürsat Ortancioglu gehört auch in der Saison 2021/22 zu den Mannschaften, die es zu schlagen gilt. In seiner sechsten Saison mit dem FCK strebt der Trainer nach dem gleichen Ziel wie in den letzten Jahren: «Als FC Kreuzlingen müssen wir vorne mitspielen. Das ist unser Anspruch. Über Aufstieg oder nicht entscheiden dann Kleinigkeiten.» Sein Kader hat sich nicht gross verändert. Die Abgänge aus der vergangenen Winterpause wurden mittlerweile kompensiert. Heute ist der FCK wieder breiter aufgestellt. «Und damit auch ein bisschen stärker», wie Ortancioglu sagt. «Doch auch wir müssen uns die Siege erarbeiten. Wir haben nicht das Kader, um in dieser Gruppe durchzulaufen.» Als grösste Widersacher des FCK zählt Ortancioglu den Auftakt- und Derbygegner Calcio Kreuzlingen, Weesen, Widnau, Amriswil sowie Chur auf.

Calcio Kreuzlingen: Die Wundertüte der Liga

Marcus Meloni tippt im Stadtderby zum Saisonauftakt auf einen 3:0-Sieg für Calcio.

Marcus Meloni tippt im Stadtderby zum Saisonauftakt auf einen 3:0-Sieg für Calcio.

Reto Martin

«Für uns beginnt jetzt eigentlich die Aufstiegssaison», sagt Marcus Meloni, Präsident von Calcio Kreuzlingen. Die vergangenen zwei Spielzeiten, in denen die AS Calcio schon in der 2. Liga inter dabei war, wurden coronabedingt verkürzt respektive abgebrochen. Mittlerweile ist der Aufsteiger von 2019 zu einem etablierten Gruppengegner geworden. Das offizielle Ziel für 2021/22 lautet «gesicherter Mittelfeldplatz». Doch Beobachter sind sich einig, dass Calcio das Potenzial für Platz drei oder vier hat. Das Kader wurde nochmals verjüngt. Meloni spricht von einer Mannschaft «mit zehn Spielern, die Jahrgang 2000 oder höher haben». Fragt sich, wie konstant die Equipe von Trainer David Fall auftreten wird. Präsident Meloni: «Mit so jungen Spielern liegen Top und Flop nicht weit auseinander. An guten Tagen können wir jeden besiegen, wir können aber auch gegen jeden verlieren.»

FC Amriswil: Ein Ex-Profi ist neuer Trainer

Christoph Schenk übergab das Traineramt einem bisherigen Spieler.

Christoph Schenk übergab das Traineramt einem bisherigen Spieler.

Mario Gaccioli

Der grösste Wechsel beim FC Amriswil spielte sich an der Seitenlinie ab. In der neuen Saison wird das weitgehend unveränderte Team nicht mehr von Christoph Schenk trainiert, der jedoch sportlicher Leiter der Oberthurgauer bleibt. Neuer Trainer ist Samel Sabanovic. Der 37-jährige Ex-Profi (GC, Aarau, Esbjerg/DEN) war im vergangenen Winter als Spieler zum FCA gestossen. Nun löst er Schenk ab, der nach sieben Jahren als Trainer kürzertritt. «Ich wollte den Weg frei machen, wenn es gut läuft», sagt Schenk. Amriswil beendete die vergangene Saison auf Platz drei. «Dort zu bleiben, wird nicht einfach», so Schenk. Das Ziel des Klubs sei primär, in dieser Liga gut mitspielen zu können. «Aber die Mannschaft will natürlich dort weitermachen, wo sie aufgehört hat.» Die grosse Unbekannte wird sein, wie gut es mit dem neuen Trainer funktioniert.

2. Liga interregional, Gruppe 6. Saisonstart: Sa 15.00 Wil II – Widnau Sa 16.00 FC Kreuzlingen – Calcio Kreuzl. Sa 16.00 Blue Stars ZH – Frauenfeld Sa 17.00 Seuzach – Red Star ZH Sa 17.30 Bazenheid – Rorschach-Goldach So 16.00 SV Schaffhausen – Weesen Mi 20.15 Chur – Amriswil

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